Stuttgart / lsw Vielerorts gibt es lange Bewerberlisten von Familien, die ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen.

Die Suche nach einem Baugrundstück wird in Baden-Württemberg für viele Familien zur Herausforderung. Besonders in wirtschaftsstarken ländlichen Gebieten fehlt es Gemeinden an ausreichend neuen Flächen, die sie ausweisen können, wie Christopher Heck vom Gemeindetag Baden-Württemberg mitteilte. Oft gibt es dort weitaus mehr Bewerber als Bauplätze.

Den Verkauf ihrer Bauflächen dürfen Gemeinden in Baden-Württemberg selbst regeln. Heck zufolge sind Versteigerungen und Losverfahren gängige Modelle. Andere Gemeinden geben einheimischen Bauplatzanwärtern den Vorzug und stellen Kriterien wie zum Beispiel ehrenamtliches Engagement auf.

Die Vergaberichtlinien dürfen laut Heck niemanden diskriminieren und müssen transparent sein. Der Gemeindetag hat deshalb für seine Mitglieder ein juristisch geprüftes Muster entworfen. Es gilt allerdings nur für vergünstigt angebotene Grundstücke. Für den Verkauf von Bauplätzen zum normalen Wert fehle es bisher an Gerichtsurteilen, auf die sich eine entsprechende Vorlage stützen könne, hieß es.

In Ummendorf, 4300-Einwohner-Ort im Kreis Biberach, wird um 33 Bauplätze vor Gericht gestritten. 159 Bewerbungen gingen ein. Die Gemeinde hat sie 2018 nach einem Punktesystem, etwa für Kinder, bewertet. Ein Ehepaar ging leer aus und klagte. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen stoppte den Verkauf.  Die Vergabe war unrechtmäßig. Die Gemeinde muss die Plätze erneut ausschreiben.

In Empfingen (Kreis Freudenstadt) könnte nicht einmal Bürgermeister Ferdinand Truffner (CDU) einen Bauplatz kaufen. Er ist seit 2017 im Amt, lebt seither im Ort – und gilt noch als Auswärtiger. Der 4000-Seelen-Flecken verfährt nach dem Einheimischen-Modell. Für ein Baugrundstück kann sich bewerben, wer aus Empfingen stammt, seit drei Jahren in der Gemeinde wohnt oder seit mindestens fünf Jahren dort arbeitet. „Wir wollen einheimischen jungen Familien den Vorrang geben“, sagt Truffner. Seine an der A 81 gelegene Gemeinde soll nicht zur Schlafstätte für Stuttgart-Pendler werden. dpa