Böblingen / Christian Kern Der ehemalige Soldat hatte in dubiosen Chat-Foren Kontakt zu Franco A. Nun ist er in Böblingen angeklagt.

„Hannibal“ hatte es geahnt. Geahnt, welche Brisanz die Gerichtsverhandlung haben würde. Geahnt, wie groß das mediale Interesse sei. Daher blieb der Stuhl des Angeklagten im Böblinger Landgericht am Mittwochmittag leer. André S. ließ sich von seinem Anwalt vertreten. Der ehemalige Bundeswehr-Soldat entging so den Fernsehkameras und den Fragen der Journalisten, die zuhauf die Zuschauerplätze des kleinen Gerichtssaals füllten.

Dabei stand formal nur eine juristische Spitzfindigkeit auf der Tagesordnung. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen S. einen Strafbefehl erlassen. Wegen Verstößen gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz sollte das ehemalige Mitglied der Eliteeinheit KSK 120 Tagessätze zahlen. S. hatte Einspruch eingelegt, wohl auch, weil er sonst das Recht, Waffen zu besitzen, verlieren würde.

Doch bei dem Prozess geht es um noch viel mehr. Es geht um einschlägige Chatforen, zwielichtige Netzwerke und um einen mutmaßlich geplanten Terroranschlag. Der ehemalige Oberstleutnant Franco A., der sich 2015 als Flüchtling getarnt und einen Anschlag geplant haben soll, war in einem Gruppenchat auf dem Nachrichten-Portal Telegram aktiv. Darin tauschten sich so genannte Prepper aus. Menschen, die sich auf Katastrophen-Szenarien vorbereiten. Administrator der Chatgruppe: André S., der den Spitznamen „Hannibal“ trug.

Wie viel wusste „Hannibal“ über die mutmaßlichen Ter­ror-Pläne von Franco A.? Damit befasst sich nun das Böblinger Amtsgericht. Allerdings nur am Rande. Im Vordergrund stehen Patronen, Nebel- und Blendgranaten und sieben Zündladungen von Handgranaten. Das  hatten Ermittler bei Durchsuchungen der Wohnung des Angeklagten in Sindelfingen und dem Autohaus der Eltern in  Halle im September 2017 gefunden. Vermutlich stammen einige Gegenstände aus dem Besitz der Bundeswehr.

Verbindungen zu A. konnten die Ermittler dem ausgebildeten Elite-Soldaten nicht nachweisen. Das könnte daran liegen, dass S. genug Zeit hatte, belastendes Beweismaterial wegzuschaffen. Ein Kommissar des Bundeskriminalamtes (BKA) gab vor Gericht an, dass der Angeklagte von der bevorstehenden Razzia Bescheid wusste. Das habe ihm ein Mitarbeiter der Kaserne in Calw erzählt, wo S. zu diesem Zeitpunkt stationiert war. S. habe zwei Tage vor der Durchsuchung zu einem Kollegen gesagt, dass das BKA bald kommen würde. Zudem soll er seinen Laptop einem Kameraden gegeben haben. Weitere Erkenntnisse gab es zum Prozessauftakt kaum. Das Gericht vernahm nur zwei Zeugen. Der Verteidiger machte zu den Vorwürfen keine Angaben. Die Verhandlung wird am 3. Februar in Böblingen fortgesetzt. Christian Kern