Stuttgart / Axel Habermehl Alle Kinder können von Ende Juni an wieder in die Grundschulen. Auch Kitas dürfen komplett öffnen.

Angekündigt war der Schritt bereits, nun stehen die Details: Weil Wissenschaftler der Landes-Unikliniken es für infektiologisch vertretbar halten, sollen vom 29. Juni an alle baden-württembergischen Grundschüler wieder täglich Präsenzunterricht in ihren Schulen bekommen. Auch alle Kitas dürfen dann wieder voll öffnen, wenn die Betreiber sich dafür entscheiden. So hat es die grün-schwarze Landesregierung am Dienstag beschlossen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte dem Kabinett zwei Konzepte vorgelegt. Das eine betrifft die Öffnung der Grundschulen, Schulkindergärten und Grundstufen der Sonderpädagogischen Schulen sowie Grundschulförder- und Vorbereitungsklassen. Sie alle sollen vom 29. Juni an bis zu den Sommerferien, die am 30. Juli beginnen, wieder „vollumfänglich“ für alle Kinder öffnen und einen „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ aufnehmen.

Das bedeutet, das Abstandsgebot wird in diesen Einrichtungen aufgehoben. Es gelten jedoch weiter bestimmte Hygieneregeln. So sollen Klassen und Lerngruppen sich nicht vermischen, auch nicht in Pausen. Wenn möglich, soll nur eine Lehrkraft oder ein festes Team eine Klasse unterrichten.

Unterrichtet werden vorrangig Deutsch, Mathematik und Sachkunde. Jedoch dürfen Schulen eigene Schwerpunkte setzen. Überhaupt hätten die Schulen Spielraum für eigene Schwerpunkte und Voraussetzungen, sagte Eisenmann. Musik und Sport sind aber verboten. Schriftliche Leistungskontrollen sollen dieses Jahr landesweit nicht mehr geschrieben werden.

Wer wie viel Unterricht bekommt, wird sehr unterschiedlich sein. Eisenmann fordert aber „täglichen Präsenzunterricht“ und einen „verlässlichen“ Stundenplan. Die bisherige Notbetreuung entfällt, jedoch sollen vor Ort Betreuungskonzepte ersonnen werden.

Die Schulpflicht bleibt wie zuletzt ausgesetzt. Wenn Schüler oder Eltern entscheiden, dass Kinder nicht zur Schule gehen, wird das respektiert. Dagegen müssen Lehrer nun Atteste vorlegen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort unterrichten möchten oder können.

An Kitas ist die Sache komplizierter. Auch sie dürfen vom 29. Juni an wieder komplett für alle Kinder öffnen. Doch anders als an den Schulen hat das Land weder Personal- noch Rechtsaufsicht. Kitas werden von – vor allem kommunalen und kirchlichen – Trägern betrieben. Eisenmann forderte sie zur Öffnung auf, kann das aber nicht verordnen. Eltern müssen also mit den Kitas vor Ort klären, ob und in welchem Umfang geöffnet wird.

Auch an den Kitas sollen feste Gruppen gebildet werden, die möglichst komplett getrennt bleiben. Der begrenzende Faktor für Komplett-Betriebe dürfte vielerorts das Personal sein. Während an Schulen 20 Prozent der Lehrkräfte wegen ihrer Zugehörigkeit zu Covid-19-Risikogruppen ausfallen, haben sich Kitas 40 Prozent der Erzieher abgemeldet.

Der daraus folgenden Personalnot begegnet das Land durch Senkung der Standards. So darf unter Umständen befristet um bis zu 20 Prozent vom Mindestpersonalschlüssel abgewichen werden. Fallen noch mehr Mitarbeiter aus, können Träger auch weniger qualifizierte Erzieher-Kräfte einsetzen, etwa Auszubildende, Studenten oder FSJler.

Für Mitarbeiter von Grundschulen und Kitas soll zudem eine eigene Strategie für Corona-Tests geschaffen werden, um lokale Ausbrüche schnell zu bemerken. Über diese zusätzlichen Test-Mög­lichkeiten soll die Landesregierung kommende Woche entscheiden. Axel Habermehl