Die Grünen verdanken ihren Wahlsieg in Baden-Württemberg aus Sicht ihrer Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer nicht einem umstrittenen Video von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel, das sie verbreitet hatte. «Wenn ein einzelnes Video eine Wahl entscheiden könnte, dann hätten wir ein grundsätzliches Problem», sagte die Karlsruherin den «Badischen Neuesten Nachrichten». «Ich glaube, die Menschen haben sehr bewusst gewählt.»
Zwei Wochen vor der Wahl hatte Mayer in sozialen Medien einen acht Jahre alten Clip gepostet, in dem Hagel von den «rehbraunen Augen» einer minderjährigen Schülerin schwärmt. Unionspolitiker werfen den Grünen eine Schmutzkampagne vor. Die CDU landete bei der Wahl knapp hinter den Grünen.
«Wenn ich das Wort von der Schmutzkampagne höre, muss ich mich schon sehr zusammenreißen», sagte Mayer der Zeitung. «Ich finde es schwierig, als "die Schuldige" für die Wahlniederlage der CDU verantwortlich gemacht zu werden.» Das sei sehr einfach gedacht und eine gefundene Ausrede dafür, sich keine Fehler einzugestehen. «Ich bin also froh, wenn langsam wieder Ruhe einkehrt.»
Grünen-Politikerin: Weder Wahlkampfhilfe noch Kampagne
Mayer betonte erneut, Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir habe vor der Veröffentlichung nichts davon gewusst. «Aber mein Anliegen war nie, jemandem einen Wahlsieg zu verschaffen, sondern eine Debatte anzustoßen.»
Sie räumte ein, das Video unmittelbar vor der Wahl veröffentlicht zu haben – «weil genau dann politische Relevanz da ist». «Wenn man über Sexismus in der Politik eine Debatte führen will, dann passiert das nicht im luftleeren Raum», sagte sie. «Nach der Wahl wäre das Interesse deutlich geringer gewesen.»
Eine Kampagne sei es aber nicht gewesen. Dann «wäre man ganz anders vorgegangen – strategischer und professioneller», so Mayer.
«Sehr unprofessionell, wenn die CDU jetzt dauerhaft beleidigt wäre»
Man werde sehen, ob die Debatte die anstehenden Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und CDU beeinflusst. «Ich fände es aber sehr unprofessionell, wenn die CDU jetzt dauerhaft beleidigt wäre, statt sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren», sagte die Politikerin.
Baden-Württemberg habe große Herausforderungen. «Ich erwarte, dass nach einer Phase des Sortierens wieder Professionalität einkehrt und man sich zusammenrauft», erklärte Mayer. «Politik kann nicht darin bestehen, nach einem Rückschlag den Kopf in den Sand zu stecken.»

