Stuttgart / lsw Nach umstrittenen Äußerungen zum Umgang mit Corona-Patienten wird Ausschluss aus der Partei gefordert.

Dutzende Grünen-Mitglieder fordern den Parteiausschluss des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer. Seine Äußerungen zeigten, dass die Grünen „längst nicht mehr seine politische Heimat“ seien, heißt es in einem offenen Brief, in dem der Landesvorstand und der Kreisvorstand Tübingen aufgefordert werden, ein Parteiordnungsverfahren oder Parteiausschlussverfahren gegen Palmer anzustrengen. Die Vorstände müssten alle Möglichkeiten ausschöpfen, „um diesen politischen Geisterfahrer alsbald aufzuhalten“.

Palmer hatte zur Corona-Krise gesagt: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“ Damit hatte er Empörung verursacht – und sich später entschuldigt. Am Sonntag sagte er, dass es im leid tue, dass er mit seinen Aussagen Menschen verletzt habe. Er fühle sich aber falsch dargestellt. Ihm sei es bei den Aussagen um armutsbedrohte Kinder vor allem in Entwicklungsländern gegangen, deren Leben durch die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns bedroht seien.

Christoph Joachim, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Tübinger Gemeinderat, sagte,  durch Palmers „menschenverachtende Aussagen“ sei er als OB-Kandidat für die Tübinger Grünen „nicht mehr haltbar“. Er werde seiner Fraktion in der Sitzung am Montag empfehlen, Palmer nicht mehr für die OB-Wahl 2022 zu nominieren. dpa/hoy