Rust/Kaisersbach/Cleebronn/Meckenbeuren / Alfred Wiedemann Die großen Freizeitparks im Südwesten öffnen wieder. Damit es kein Gedränge gibt, darf vorerst immer nur eine begrenzte Zahl Besucher hinein. Von Alfred Wiedemann

Nach wochenlanger Zwangspause öffnen die Freizeitparks im Südwesten in der Woche vor Pfingsten wieder. Vor dem Neustart gibt es zur Vorfreude viele bange Fragen: Wie wird das mit den Auflagen, wie viele Gäste dürfen in den Park, wie reagieren die Besucher? „Pure Freude kommt, wenn der erste Tag geschafft ist, mit hoffentlich zufriedenen Gästen“, sagt Marcel Bender vom Schwabenpark bei Kaisersbach im Rems-Murr-Kreis.

Freitag vor Pfingsten, 29. Mai, öffnet der Schwabenpark wieder. Um die Auflagen zum Corona-Schutz zu erfüllen, „müssen wir sicherstellen, dass sich nur eine begrenzte Menge an Besuchern gleichzeitig im Park befindet.“ Auch Schlangen am Eingang darf es nicht geben. „Deshalb benötigen Besucher eine Zugangsberechtigung und ein Ticket für den jeweiligen Tag“, sagt Bender. Das gelte für Tagesbesucher wie Jahreskarteninhaber. Geplant sei, dass Zugangstickets vom 20 Mai an online erhältlich sind.

Auch das Ravensburger Spieleland startet am 29. Mai mit begrenzter Besucherzahl. Wer kommen möchte, muss sich  vorab online registrieren, sagt eine Sprecherin. Das 30 Hektar große Gelände bei Meckenbeuren biete viel Platz für die notwendigen Sicherheitsabstände.

Spontanbesuche sind auch im Europark Rust vorerst nicht drin. Die Besucherzahl werde „in Rücksprache mit den Behörden“ massiv reduziert, „um kein Risiko einzugehen“, so Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsführung. Die Höchstgrenze richte sich nach Gesamtfläche und vorgegebener Abstandsregel. 15 000 Besucher täglich sollen noch erlaubt sein. Normalerweise sind es bis zu 60 000. Zum Begrenzen der Besucherzahl gibt es statt der saisonal gültigen Eintrittskarten tagesdatierte Tickets, die man nur online buchen kann.

Ab 18. Mai öffnet der Europark Rust schrittweise seine Hotelgastronomie wieder, vom 29. Mai an dann den Park, die Hotels und das Camping.

Tripsdill prüft noch, ob im Erlebnispark ebenfalls Online-Tageskarten nötig werden. Der Wildpark ist bereits geöffnet. „Insgesamt verfügen wir über eine Gesamtfläche von 77 Hektar“, sagt Sprecher Birger Meierjohann. Bei so viel Platz im Park bei Cleebronn im Kreis Heilbronn  ließen sich notwendige Hygiene- und Abstandsregeln effektiv umsetzen. „Natürlich ist der organisatorische Aufwand dafür enorm“, so Meierjohann. „Aber viel wichtiger ist, dass wir öffnen dürfen.“ Die Besucher sollen bald auch zwei neue Achterbahnen nutzen können. Die Arbeiten an der eigens für den Park konzipierten Doppelanlage seien die ganze Zeit weitergegangen.

Das ausgefallene Ostergeschäft schmerzt: „Der Verlust lässt sich nur schwer beziffern, da gerade das  Frühlingsgeschäft sehr vom Wetter abhängig ist“, heißt es in Tripsdrill. „Beim diesjährig perfekten Freizeitparkwetter in den Osterferien hätten wir aber sicherlich einen überdurchschnittlich  guten Saisonstart gehabt“, sagt Sprecher Meierjohann. „Das fehlt nun.“

Im Schwabenpark wurde ebenfalls an einer neuen Achterbahn gebaut, die im Sommer öffnen soll. In den letzten Wochen seien viele Schönheits-, Revisions- und Umbauarbeiten erledigt worden. Durch die Zwangspause sei allein beim Übernachtungsdorf der Verlust fünfstellig, sagt Sprecher Bender. Der Verlust in den zwei Monaten Pause nur für den Freizeitpark sei siebenstellig. „Das wäre, wettertechnisch, das beste und erfolgreichste Ostern seit 47 Jahren geworden.“

Rust beziffert die Verluste nicht. „Der Europapark ist in seiner Geschichte sehr gesund gewachsen und kann dieser Krise, trotz dem, dass sie mit hohen Umsatzverlusten einhergeht, Stand halten“, versicherte Engelbert Gabriel aber auf Anfrage.

Siebenstelliger Verlust

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, haben alle Freizeitparks bündelweise Vorsorgemaßnahmen geschnürt: Abstandsmarkierungen, zusätzliche Desinfektionsstationen, regelmäßige Reinigungen, mehr kontaktfreies Bezahlen, Schulung der Mitarbeiter. „Sicherlich ist der Aufwand enorm, aber die Gesundheit der Mitarbeiter und Besucher hat oberste Priorität“, sagt Gabriel. „Wir können es kaum erwarten, den Europa-Park für unsere Gäste wieder öffnen zu können.“

„Die Auflagen sind hoch“, sagt auch Schwabenpark-Sprecher Bender. „Aber sie schützen nicht nur unsere Gäste sondern auch uns und unsere Mitarbeiter sowie Mitarbeiterinnen.“ Freizeitvergnügen sei auch mit Mund-Nasen-Schutz möglich: „Das klappt sogar wunderbar. Kollegen eines anderen Freizeitparks, haben bereits verschiedenen Attraktionen, auch Achterbahnen,  mit Mund-Nasen-Schutz getestet“, sagt Bender. „Es hat reibungslos funktioniert.“

Kurzarbeit in der Zwangspause

Die  Bauarbeiten für neue Attraktionen in den Parks sind in der Schließzeit weitergegangen. In anderen Bereichen galt Kurzarbeit: Im Europapark Rust für etwa die Hälfte der Mitarbeiter. In Tripsdrill waren zeitweise rund 200 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen, ein Teil der 95 ganzjährig Beschäftigten und Saisonkräfte mit Arbeitsvertrag ab 1. April. „Vor Saisonbeginn haben wir Mitarbeiterinnen da, die die Bereiche Gastronomie und Fahrgeschäfte aus dem Winterschlaf holen“, so Schwabenpark-Sprecher Marcel Bender. „Die alles reinigen, Terrassen aufbauen, Gastronomie bestücken. Diese Mitarbeiterinnen mussten wir leider Mitte April in Kurzarbeit schicken.“