Ulm / Von David Nau Nach einem viel zu trockenen April sehen Förster schon jetzt erste Schäden. Meteorologen sind noch zuversichtlich, dass es keinen Dürresommer gibt. Von David Nau

Alarmstufe Rot: Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ist alarmierend. Die Wissenschaftler analysieren dort tagesaktuell, wie feucht die Böden deutschlandweit in einer Tiefe von 1,8 Metern sind. Die Skala reicht von Gelb (ungewöhnlich trocken) bis dunkelrot (außergewöhnliche Dürre). Weite Teile der Landkarte im Südwesten sind am Anfang der letzten April-Woche dunkelrot eingefärbt, nur im Norden Baden-Württembergs und zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb gibt es wenige gelbe Flecken.

Auch wenn es in den vergangenen Tagen endlich regnete und sich die Situation zumindest langsam entspannt: Die Böden im Land sind deutlich zu trocken, im April fiel in einigen Teilen des Landes so gut wie gar kein Regen. Stattdessen bestimmten für den Monat hohe Temperaturen und viel Sonnenschein das Bild. Der Landwirtschaft droht bereits jetzt wieder eine Dürrekatastrophe und auch der Wald leidet unter der Trockenheit.

„Die Situation ist extrem“, sagt Holger Schütz. Der Förster ist Bezirksleiter bei ForstBW und für den Staatswald im Mittleren Rheintal zuständig. Dort sieht man dem Wald die Folgen der Trockenheit bereits an. „Zweige und Äste, die im Winter abgefallen sind, sind total ausgetrocknet, die Böschungen sind trocken, alles staubt“, sagt er. Zwar habe es im Mittleren Rheintal im Februar und Anfang März ausreichend geregnet, seit sechs Wochen jedoch herrsche anhaltende Trockenheit. Hinzu komme starker Wind, häufig aus Richtung Osten. „Das ist ein kalter Wind, der die Böden austrocknet“, erklärt der Forstbezirksleiter.

Die Folge der extremen Trockenheit: Eine hohe Waldbrandgefahr. Noch Anfang letzter Woche galt in großen Teilen des Landes die zweithöchste Warnstufe. Holger Schütz hatte in den vergangenen Wochen sogar mehrere kleinere Waldbrände in seinem Bezirk, ausgelöst durch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel und Grills. „Sie wurden zum Glück schnell entdeckt und konnten sich nicht bis in die Baumkronen hocharbeiten“, sagt Schütz. Er habe den Eindruck, die Menschen würden Waldbrände nur als Thema des Hochsommers kennen und seien deswegen im Frühjahr sorgloser.

Dabei ist es kein komplett neues Phänomen, dass die Böden bereits im April stark ausgetrocknet sind. „Seit 2007 gab es mehrere außergewöhnliche Aprilmonate mit wenig Niederschlägen“, erklärt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In einigen dieser Jahre sei deswegen auch die Waldbrandgefahr schon im April sehr hoch gewesen.

Im Innenministerium hat man ebenfalls registriert, dass der Klimawandel zu mehr Waldbränden im Südwesten führen könnte. „Das verstärkt auftretende Absterben großer zusammenhängender Baumbestände hat die Gefahrenlage merklich verändert“, sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU). Bei einem Waldbrandsymposium habe man deswegen im vergangenen Sommer beraten, wie sich die Feuerwehren im Land auf die neue Gefahrenlage vorbereiten können. Künftig sollen bei großen Waldbränden auch Polizeihubschrauber unterstützen. Man sei gerade dabei, zwei Hubschrauber auszurüsten, „damit diese als ‚fliegende Sprinkleranlagen‘ in schwer zugänglichem Gelände die Einsatzkräfte am Boden unterstützen können“, so Strobl.

Andreas Brömser hat jedoch noch Hoffnung, dass die Dürre des Aprils sich im Laufe des Jahres ausgleicht. „Man kann von einem trockenen April nicht darauf schließen, dass der Mai genauso wird“, sagt er. Auch hätten die Böden im Südwesten im Winter den Feuchtigkeitsmangel der vergangenen Jahre gut aufgeholt. „In der Tiefe sind die Böden vom Winter noch gut durchfeuchtet.“

Förster Holger Schütz hofft dennoch auf viel Regen. Denn die Feinwurzelsysteme der Bäume seien durch die Trockenheit der vergangenen Jahre stark vorgeschädigt und könnten Wasser nicht mehr so gut aufnehmen. Das sieht auch Schütz’ Kollege Anton Watzek so, der den Forstbezirk Schurrwald leitet. „Bei Wassermangel leiden Bäume unter Stress und werden anfälliger für Schädlinge“, erklärt er (siehe Info). Wichtig sei jetzt ein anhaltender Landregen. Starke Schauer würden nicht helfen. „Der Boden ist so ausgetrocknet – wenn es jetzt stark regnet, versickert kaum Wasser, sondern fließt überwiegend oberflächlich ab.“

Borkenkäfer fliegt schon wieder

Forstminister Peter Hauk (CDU) befürchtet, dass die große Trockenheit der letzten Wochen die Ausbreitung des Borkenkäfers stark begünstigt. „Bleibt die Witterung in den nächsten Wochen weiterhin trocken-warm, wird 2020 für die Waldbesitzer und Forstleute das dritte Krisenjahr in Folge“, sagte Hauk vergangene Woche.

Waldbesitzer müssten ihre Bestände regelmäßig kontrollieren, sagte Hauk. In höheren Lagen sei der Schädling bereits jetzt unterwegs. Das bestätigt auch Förster Holger Schütz, der bei ForstBW den Bezirk Mittleres Rheintal leitet. „Wir haben viele gemischte Bestände und den Befall noch unter Kontrolle“, sagt er. Stärker betroffen seien wegen vieler Sturmschäden seine Kollegen im Südschwarzwald. Aber auch er rechnet mit „erheblichen Käferschäden, wenn wir keinen durchwachsenen Sommer bekommen“.