Auch nach zweieinhalb Stunden ist keine Gams zu sehen. Und das auf dem Gamspfad. „Es sind Wildtiere. Die richten sich nicht nach den Wünschen der Besucher“, sagt Claudia Senn, Leiterin des Hegerings „Oberes Wiesental“ der Jägervereinigung Badische Jäger Lörrach. Auch wenn die Gämsen unsichtbar bleiben, der Gamspfad bei Todtnau-Fahl, unterhalb des Feldbergs, hat einiges zu bieten. Gleich am Anfang gibt es wildromantische Schluchten und Wasserfälle zu erleben. Für kleinere Kinder ist der Gamspfad allerdings nicht zu empfehlen, auch nicht für Wanderer mit Kinderwagen. Dafür ist er zu steil. Wer ihn begeht, sollte trittsicher und geländegängig sein.

„Wir haben den Gamspfad auf den schon vorhandenen Premiumwanderweg ,Wasserfallsteig’ aufgesetzt“, sagt Senn. Das heißt, es wurde kein neuer Weg angelegt. Der vorhandene wurde mit Informationstafeln zur Gams und einer Beobachtungsstation aufgewertet.

Die ersten Infos gibt es am Einstieg zum Gamspfad. Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt, steht eine aus Holz gefertigte Info-Station mit einer hölzernen Gams auf dem Dach. Auf drei Tafeln erfahren die Besucher einiges über die Lebensweise der Wildziegen, und in einer „Kleinen Gämsenkunde“ lernen sie, wo die Gams ihren Bart hat: Nicht am Kinn, sondern auf dem Rücken.

Der Pfad beginnt steil, steinig und glitschig. Wer nicht so gut zu Fuß ist, ist mit Wanderstöcken gut beraten. Es geht im Zickzack steil bergab, vorbei an kleineren Wasserfällen. An manchen Stellen bieten Geländer Halt. Der Weg führt immer wieder über schmale Brücken, unter denen das Wasser rauscht.

Nach einigen hundert Metern zeigt sich der Fahler Wasserfall. Der Anblick ist imposant, das Rauschen gewaltig. Ein Paar aus Augsburg, das den Gamspfad bergauf begeht, zeigt sich überrascht. „Aber wir sind doch auf dem Wassersteig unterwegs“, sagt die Frau. Der führt über zwölf Kilometer vom Feldberg bis zu den Todtnauer Wasserfällen. Für Claudia Senn ist die Begegnung mit den Wanderern aufschlussreich. „Ja, wir müssen den Pfad besser ausschildern“, sagt sie. Die Schilder habe sie bereits bestellt.

Jahrhunderte ausgerottet

Die Hegering-Leiterin hat den Gamspfad initiiert. „Wir als Jäger möchten uns im Biosphärengebiet Schwarzwald auch mit einbringen“, sagt sie. Weil Jäger mit Wildtieren zu tun haben, habe es sich angeboten, einen Gamspfad anzulegen. Zumal vielen – selbst in der Region – nicht bewusst sei, dass in dem Gebiet Gämsen leben. Wieder! Aus dem Flyer, der an jeder der vier Infostationen ausliegt, erfährt der Wanderer, dass die Gämsen bis ins 14. Jahrhundert im Schwarzwald heimisch waren. Dann wurden sie ausgerottet. Zwischen 1935 und 1939 wurden 21 Gämsen aus Österreich in den Schwarzwald verfrachtet – und sind geblieben. „Heute werden rund 1500 Gämsen im Schwarzwald vermutet“, heißt es im Flyer. Trotzdem lässt sich keine einzige blicken.

„Gämsen sind tagaktiv“, sagt Senn. Das macht die Enttäuschung nicht besser. Immerhin erfährt der Wanderer nach etwa zwei Kilometern an der zweiten Infostation viel Wissenswertes über die Herausforderungen, denen die Gämsen ausgesetzt sind. Das sind unter anderem die Freizeitaktivitäten der Menschen, die die Tiere stören, das ist der Klimawandel, das sind der Luchs und die Jagd. „Ja, Gämsen werden gejagt“, sagt Claudia Senn. Das Fleisch werde an Gastronomiebetriebe verkauft.

Ausgeprägtes Sozialleben

Einige hundert Meter weiter erwartet den Wanderer die dritte Info-Station. „Leben und Lieben in der offenen Gesellschaft“ ist das Motto. Es geht hier um das Sozialleben der Gämsen, das offenbar sehr ausgeprägt ist. Die Station steht an einem mit Heidelbeer-Sträuchern bewachsenen Hang. „Ganz oben sind sie ziemlich oft“, sagt Senn. An diesem regnerischen Morgen nicht.

Nach 300 Metern tauchen die Häuser von Brandenberg auf. Dort ist die Endstation des Gamspfads. Doch auch das Fernrohr, das dort aufgestellt ist, erfüllt den Wunsch nach einer Gamssichtung an diesem Tag nicht. Sie bleiben gut versteckt. Vielleicht auch wegen des Regens, der eingesetzt hat.

Gut mit Auto und Bus zu erreichen


Der Gamspfad ist rund drei Kilometer lang und startet am Parkplatz bei der Bushaltestelle „Fahl Todtnauer Hütte“. Der Bus 7300 (Titisee-Zell) fährt im Stundentakt. Müde Wanderer können ihn von der Bushaltestelle „Brandenberg Hirschen, Todtnau“ zurück zum Parkplatz nehmen.

Das Anlegen des Pfads hat 26 300 Euro gekostet. Knapp 17 900 Euro hat das Land im Rahmen des Förderprogramms des Biosphärengebiet beigesteuert. wal