Stuttgart / pm/cat Wo steht Baden-Württemberg in der Pandemie? Die Landesregierung hat eine Art Wasserstandsmeldung veröffentlicht - mit klaren Aussagen dazu, was etwas gebracht hat und warum auch wenige Infizierte nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind:

Die baden-württembergische Landesregierung hat am Freitag, 19. Juni, eine Art vorläufige Bilanz gezogen, wo man sich aktuell insgesamt landesweit mit den Infektionszahlen befindet und was das für die weiteren Schutzmaßnahmen bedeutet.

Auch geht das Staatsministerium darauf ein, welche Bedeutung Masken, Kontaktbeschränkungen und die derzeit geringe Zahl an Infizierten für weitere Ausbrüche hat. Hier ein Auszug aus der Bilanz, die hier in voller Länge zu finden ist:

Geringe Zahlen, warum weiter Maske tragen?

Seitens des Landes bilanziert man: „Die Infektionszahlen sind glücklicherweise in Baden-Württemberg stabil im unteren zweistelligen Bereich.“

Warum gelten aber trotzdem weiter Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Einkaufen oder im Nahverkehr?

Die Antwort lautet: „Das heimtückische an einer Virus-Epidemie ist, dass sie sich exponentiell verbreitet. Stark vereinfacht gesprochen bedeutet das, einer steckt zwei an, zwei stecken vier an, vier stecken acht an, acht stecken 16 an und so weiter. Das passiert vor allem dort, wo viele Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Tanzen, Singen oder auch Sport – also Tätigkeiten bei denen es eine erhöhte Aerosol-Produktion gibt – steigern das Infektionsrisiko deutlich.“

Der Ratschlag: „Masken wie Unterwäsche behandeln“

Daher müssten weiter auf Hygiene- und Abstandsregeln geachtet werden, so die Landesregierung. „Dort, wo wir keinen Abstand halten können, müssen wir leider auch weiter Masken tragen.“

Zahlreiche Studien hätten gerade in jüngster Zeit gezeigt, dass auch einfache Masken das Infektionsrisiko deutlich senken können (Hier geht’s zu den Links zu den Studien).

Auch hat das Land eine Empfehlung, wie mit Masken umzugehen ist: „Eine Faustregel: Behandeln Sie die Masken wie Unterwäsche. Lassen Sie nichts raushängen, wechseln Sie sie regelmäßig, legen sie getragene Masken nicht auf Tische oder Anrichten und zerknüllen Sie getragene Masken nicht in der Hand. Fassen Sie die Maske nur an den Trägern oder Haltebändern an“, so der Ratschlag.

Nur wenige Personen haben das Virus nach Baden-Württemberg eingeschleppt

Die derzeit geringe Zahl von Infizierten bedeute zudem nicht, dass Baden-Württemberg die Pandemie hinter sich habe und sie jetzt langsam von alleine abklingt, heißt es weiter. „Denn am Anfang ging die weltweite Verbreitung von wahrscheinlich einer oder ein paar Personen aus. Auch nach Baden-Württemberg kam das Virus nur durch zur Bevölkerung gesehen vergleichsweise wenige Personen. Binnen kürzester Zeit hatten wir in Baden-Württemberg täglich vierstellige bestätigte neue Fälle“, so die Landesregierung.

Kontaktbeschränkungen haben starke Wirkung gezeigt

Diese Dynamik habe sich nur durch die zu Beginn sehr strikten Kontaktbeschränkungen und Schließungen in den Griff bekommen lassen.

Einen klaren Beleg dafür sieht die Landesregierung in der Rückschau auf die Entwicklung der Infektionszahlen.

In der Kalenderwoche (KW) 12 (16. bis 22. März) – also zu Beginn Schulschließungen, des weitestgehenden Verbots jeglicher Veranstaltungen und der Kontaktbeschränkungen – habe es 22.420 Neuinfektionen in Deutschland gegeben.

  • KW 13 (23. bis 29. März): 34.000
  • KW 14 (30. März bis 5. April): 36.103
  • KW 15 (6. bis 12. April): 27.179
  • KW 16 (13. bis 19. April): 17.345
  • KW 17 (20. bis 26. April): 12.410
  • KW 18 (27. April bis 3. Mai): 7.454
  • KW 19 (4. bis 10. Mai): 6.235
  • KW 20 (11. bis 17. Mai): 4.729
  • KW 21 (18. bis 24. Mai): 3.605
  • KW 22 (25. bis 31. Mai): 3.125

(Quelle: Robert Koch-Institut)

Hier zeige sich deutlich, dass bis zu Beginn der Kontaktbeschränkungen die Zahlen massiv angestiegen sind und erst ab der KW 15 wieder Rückläufig waren - heißt es in der Bilanz der Landesregierung.

Durch die lange Inkubations- und Diagnosezeit von bis zu zwei bis drei Wochen, zeige sich die Wirkung einer Maßnahme nur mit eben dieser Verzögerung – die Personen die in der KW 16 diagnostiziert wurden, hätten sich höchstwahrscheinlich in der KW 13 oder 14 angesteckt.

Es sei also eindeutig an den Zahlen abzulesen, so die Landesregierung in ihrer Bilanz, dass die Kontaktbeschränkungen einen erheblichen Teil dazu beigetragen haben, die Neuinfektionen zu reduzieren.

Auch gebe es schon erste Untersuchungen dazu, warum wir vergleichsweise gut durch die erste Phase der Krise gekommen sind. Eine Untersuchung in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science (englisch) kommt zum Ergebnis, dass nur wirksame Kontakteinschränkungen die positiven Ergebnisse ermöglicht haben: „Weniger starke Einschränkungen hätten die Ausbreitung des Virus nicht verhindert. Und ein späterer Beginn hätte eine Ausbreitung nicht mehr verhindert“, so heißt es abschließend.

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