Friedrichshafen / Alfred Wiedemann Unter der „115“ soll es Hilfe in allen Verwaltungsangelegenheiten geben. Im Südwesten machen aber längst nicht alle Kommunen und Kreise mit. Von Alfred Wiedemann

Der Bodenseekreis hat die „115“, die einheitliche Rufnummer für alle Behörden, schon seit zehn Jahren. Eine zentrale Nummer für alle Fragen der Verwaltung. Egal, ob es um Müllgebühren geht oder Wohngeld, ob das Anliegen Kommune, Kreis, Land oder Bund betrifft, unter der 115 soll allen Anrufern geholfen werden. Am besten sofort.

„Das ist mehr als nur eine Vermittlung oder ein Call-Center“, sagt Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts in Friedrichshafen. „Die Servicezentrale ist bei uns im Haus, da sitzen Leute, die sich in der Verwaltung auskennen.“ Und möglichst gleich helfen: „Wer zum Beispiel eines der alten Kfz-Kennzeichen ÜB und TT will, die gerade wieder eingeführt werden, kann sofort einen Termin auf der Zulassungsstelle reservieren.“

Knapp 80 000 Anrufe wurden in Friedrichshafen unter der 115 in zehn Jahren gezählt. „Da klingelt es nicht nur zwei Mal am Tag“, sagt Schwarz. Die Nummer sei immer bekannter geworden, die Zahl der Anrufe gestiegen auf jetzt 9000 jährlich. Klarer Fall für den Bodenseekreis: Die 115 könne man weiterempfehlen – „auf jeden Fall“, sagt Schwarz.

Auch der Rhein-Neckar-Kreis macht bei der einheitlichen Behördennummer mit – und 52 der 54 Kommunen im Landkreis. Die Nummer sei durch Zeitungsanzeigen und Postkarten bekannt gemacht worden. „Dadurch sind die Anrufzahlen gestiegen“, sagt Silke Hartmann vom Landratsamt in Heidelberg. 2019 gingen insgesamt 16 641 Anrufe direkt auf der 115 ein.

Längst nicht alle Behörden in Baden-Württemberg bieten die 115 an. 2009 war der Service vom Bundesinnenministerium angeschoben worden, zunächst in Modellregionen. Heute sind nach einer Liste des Bundesinnenministeriums von Altlußheim bis Zuzenhausen 115 Städte, Gemeinden und Kreise im Südwesten dabei. Die eine 115-Nummer für alle Ämter ist so für mehr als drei Millionen Baden-Württembergern direkt verfügbar. Die Landesverwaltung ist seit 2011 dabei, Karlsruhe ebenfalls seit 2011, Mannheim seit 2012, Stuttgart seit 2013.

„Das Land steht hinter dem Ansatz der bundesweiten Behördenrufnummer“, sagt eine Sprecherin des Innenministeriums in Stuttgart. Es bezahlt die Infrastruktur mit und beteiligt sich an der 115-Basisabdeckung. Die sorgt für Anschluss auch in den Kommunen, die nicht mitmachen. Anrufe werden dabei landesweit in Karlsruhe entgegengenommen. Je nach Anliegen bekommt man dann immerhin eine passende Rufnummer bei der Stadt oder beim zuständigen Landratsamt genannt. 10 000 solcher Anrufe aus „unterversorgtem“ Gebiet wurden 2019 gezählt.

Umfassenden Service, möglichst ohne Wartezeit und mit Soforthilfe gibt es allerdings nur, wenn die Kommune zum 115-Verbund gehört. Bei insgesamt 1101 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg ist da noch viel Luft nach oben.

„Aus Sicht des Landes wäre es zu begrüßen, wenn sich noch deutlich mehr Kommunen dem 115-Verbund anschließen würden“, sagt die Ministeriumssprecherin in Stuttgart. Ein zentrales, vom Land vorgegebenes Service-Center werde es auf keinen Fall geben, die Kommunen entscheiden selbst: „Das Land achtet die Selbstverwaltungshoheit der Kommunen.“ Zum Nulltarif sei die 115 außerdem nicht zu haben. Die Kommunen müssten Vorteile und Aufwand abwägen. Wirtschaftlich werde es vor allem dann, wenn Rathäuser ein bereits bestehendes 115-Service-Center nutzen.

Nach Einschätzung des Gemeindetags wissen die Bürger bei vielen kommunalen Dienstleistungen, dass ihr Rathaus zuständig sei. „Dort wird ihnen dann beim Anruf oder Kontakt auch direkt weitergeholfen“, sagt eine Sprecherin des Verbands in Stuttgart. „Vermutlich brauchen sie deshalb nicht unbedingt eine allgemeine Servicenummer.“ Für zahlreiche sonstige Verwaltungsdienstleistungen könne die Servicehotline dagegen „durchaus sinnvoll“ sein.

Der Landkreistag Baden-Württemberg bewertet den 115-Service „rundum positiv“, sagt Hauptgeschäftsführer Alexis von Komorowski. Wo Verwaltungen aber den Bürgerzugang schon erleichtert haben, „etwa durch eine sinnvolle Verknüpfung von Online-Angeboten und flexiblen, bürgerfreundlichen Kontaktzeiten“, müsse man prüfen, ob die 115 eine sinnvolle Ergänzung ist oder ob die neue Nummer „zu unbefriedigenden Doppelstrukturen führen könnte“.

115

ist die Behördennummer für alle Fragen zur Verwaltung: Ob Reisepass, Gewerbeanmeldung oder Wohngeld, Auskünfte soll es zu allen Angelegenheiten der Kommunen, Kreise, Länder und des Bundes geben, immer von Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr.