Von Samira Eisele Prozessbeginn in Ulm: Mehrere Jugendliche und Erwachsene sollen einer 14-Jährigen zuerst Drogen eingeflößt und sie anschließend vergewaltigt haben. Von Samira Eisele

Mehr als 20 Tische für die Prozessbeteiligten, vier Dolmetscher, mehrere Zuschauerreihen – alles im Corona-Mindestabstand. Der Donausaal der Ulm-Messe ist nicht zu groß für das Verfahren, das dort am Donnerstag eröffnet wurde. Auch wegen des großen Medieninteresses an dem Fall, der schon im November bundesweit Schlagzeilen machte. Angeklagt sind fünf asylsuchende junge Männer aus ­Afghanistan, dem Iran und dem Irak im Alter von 15, 16, 17, 25 und 27 Jahren. Sie sollen am 31. Oktober und 1. November 2019 eine 14-Jährige mehrfach vergewaltigt haben.

Die Sitzung am Donnerstag war kurz: Der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer am Landgericht Ulm, Wolfgang Fischer, rief die Strafsache auf, Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger verlas die Anklage. Die mutmaßlichen Vergewaltiger – vier sind in U-Haft und waren mit Fußfesseln in den Saal geführt worden – machten am ersten Prozesstag keine Angaben. Der Jüngste hatte jedoch bei seiner Zeugenvernehmung zu Beginn der Ermittlungen ausgesagt und dabei eine Vergewaltigung eingeräumt, sagt Bischofberger auf Nachfrage. Er sitzt nicht in U-Haft.

Gemäß Anklageschrift trafen die Angeklagten am 31. Oktober 2019 gegen 21 Uhr eine 14-Jährige in der Ulmer Innenstadt, die den jüngsten Angeklagten kannte. Den „deutlich alkoholisierten Zustand“ des Mädchens, das mit einer Freundin Halloween gefeiert hatte, sollen die jungen Männer genutzt haben, um sie zu überreden, alleine mit ihnen nach Illerkirchberg zu fahren. Auf der Busfahrt hätten die Angeklagten beschlossen, das Mädchen zu betäuben, verlas Bischofberger.

Gegen 24 Uhr kam die Gruppe in der Asylbewerberunterkunft an, in der einer der Angeklagten lebte. Die 14-Jährige habe sich sofort in einem Zimmer aufs Sofa gelegt, um zu schlafen. Die Angeklagten hätten das Mädchen dann aufgefordert, „eine bläuliche Flüssigkeit zu trinken, was diese ablehnte“. Als die 14-Jährige das Glas schließlich „zögernd“ zum Mund führte, sollen zwei der Angeklagten ihren Arm so nach oben gedrückt haben, „dass sie die Flüssigkeit trinken musste“. Die enthielt laut Bischofberger Amphetamine oder K.O.-Tropfen.

Den Zustand der 14-Jährigen soll dann zunächst der 16-jährige Angeklagte „bewusst“ ausgenutzt haben: Er vergewaltigte sie, als er alleine mit ihr im Zimmer war. Das Mädchen habe ihn aufgefordert, damit aufzuhören. „Ja, ja, gleich“, soll er geantwortet und im Anschluss an die Tat die „wehrlose und nackte Zeugin“ auf dem Sofa zurückgelassen haben.

Zwischen 2 und 7 Uhr in der Nacht sollen insgesamt vier der Angeklagten abwechselnd und in einem Fall auch zu zweit im Zimmer gewesen sein und die betäubte und teils schlafende 14-Jährige vergewaltigt haben. Eine Tat geschah in der Küche der Unterkunft: Dort habe der heute 16-Jährige das Mädchen zum Oralverkehr gezwungen. Ihm werden insgesamt fünf Vergewaltigungen vorgeworfen – die letzte am 1. November zwischen 18 und 19 Uhr unter der Dusche. Dass das Mädchen die Unterkunft nicht früher verlassen hat, liegt laut Anklage daran, dass der 25-Jährige ihr morgens eine Ecstasy-Tablette gab. Das Mädchen wurde so in einen „aufgedrehten und euphorischen Zustand“ versetzt.

Noch am Abend zur Polizei

Rechtlich geht es für den heute 16-Jährigen um schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung – er soll das Mädchen festgehalten haben, als der 27-Jährige sie vergewaltigte. Dem 25-Jährigen wird die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige und Beihilfe zur Vergewaltigung vorgeworfen, dem  17-Jährigen drei Vergewaltigungen. Der Jüngste und der Älteste sollen je eine Vergewaltigung begangen haben.

Noch am Abend erzählte das Mädchen ihrer Mutter, was passiert war, laut Bischofberger fuhr die Familie „unmittelbar“ zur Polizei.

Opfer als Nebenklägerin

Für das Verfahren sind 13 Sitzungstage eingeplant, der nächste am 20. Juli. Die 14-Jährige ist Nebenklägerin im Prozess. Ihr Anwalt hat beantragt, dass die Öffentlichkeit und die Angeklagten von der Zeugenaussage des Mädchens ausgeschlossen werden.