Martin Oversohl Vier Männer werden wegen Geldwäsche zu Haftstrafen verurteilt. Wo die Millionen sind, die ein Supermarkt-Goldhandel in Schorndorf verschob, ist unbekannt.

Irgendwann hatten die Ermittler der Gruppe „Goldeneye“ genug Indizien zusammengetragen. Die versteckte Million des Kuriers in der Reserverad-Mulde, die fingierten Buchhaltungen des kleinen Schorndorfer Goldhandels und die abgehörten Telefonate seines Komplizen aus Dubai, die Unterlagen aus Rumänien und der Verdacht der Zollfahndung. Den Experten reicht das aus, dem Stuttgarter Landgericht ebenfalls. Es verurteilte zwei Goldhändler aus Schorndorf und Dubai mit ihren beiden Komplizen wegen Geldwäsche zu teils langen Haftstrafen.

Über ein  kompliziertes Geldwäsche-Karussell und fingierte Geschäfte hatten die Geschäftspartner demnach 45 Millionen Euro aus niederländischen Drogengeschäften in bar und im Handgepäck über Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) in die Vereinigten Arabischen Emirate verschickt. Im Gegenzug wurde angeblich kiloweise Gold geliefert. „Es handelt sich um eines der größten Geldwäschekartelle, die bisher aufgeflogen sind“, sagte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer.

Zwar waren die Ausfuhren nach Dubai stets ordnungsgemäß beim Zoll angemeldet worden. Das dafür aus Dubai importierte Gold verkaufte der Schorndorfer Händler auch laut fingierter Buchhaltung weiter nach Rumänien. Es kam dort aber nie an.

„Das eingeführte Edelmetall wurde zu keinem Zeitpunkt weiterverkauft. Definitiv nicht“, sagte die Vorsitzende Richterin Manuela Haußmann. Vielmehr soll es über den Ärmelkanal exportiert worden sein. „Die Spur verliert sich in London.“ Und nicht nur das Gold ist verschwunden; die Kammer konnte auch den Verbleib des transferierten Geldes nicht klären.

Vor dem Urteil hatte das Gericht nach Angaben Haußmanns hunderte Dokumente gesichtet und zahllose Gesprächsprotokolle abgehört. Es hatte Tabellen verglichen und sich in die komplizierten Details des Goldhandels eingearbeitet. „Und wo auch immer wir hingegriffen haben, taten sich Abgründe auf.“

Mit einer Buchhaltungslegende habe die Bande einen legalen Goldhandel vortäuschen wollen, um das Geld aus dem Rauschgiftmilieu zu waschen, sagte Haußmann. Allerdings habe das Quartett auch Schnitzer begangen: Die angebliche Partnerfirma in Rumänien handelte eigentlich mit Sperrholz und Gebrauchtwagen und war bereits ein Jahr vor der „Zusammenarbeit“ insolvent.

Die Buchführung hatte grobe Lücken. Und mindestens eine Goldladung ist beim Zoll als eine Tasche voll überzogener Silberbarren aufgefallen. Skeptisch wurden die Fahnder auch, weil ausgerechnet eine kleine Firma aus dem Remstal mit einem Lädchen in der Ladenzeile eines Supermarktes solche Millionenbeträge hin- und herschob.

Einer der beiden Drahtzieher des Karussells, ein gebürtiger Pakistaner, muss für neuneinhalb Jahre in Haft, ebenso der türkische Händler aus Schorndorf (Rems-Murr-Kreis). Der Kurier muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter, die Buchhalterin ein Jahr länger. Sie brach bei der Urteilsverkündung zusammen, krümmte sich unter Tränen und wurde von Verwandten aus dem Saal begleitet.

Die Verteidigung hatte Freisprüche für alle Angeklagten gefordert. Für sie ist der Fall noch nicht zu Ende: Zwei der Anwälte kündigten für ihre Mandanten bereits an, Revision einzulegen, um das Urteil durch den Bundesgerichtshof auf Rechtsfehler prüfen zu lassen. Martin Oversohl

Hinweise aus einem Treffen und Telefonaten

Das Geld für das Gold stammte laut Gericht aus dem Drogenhandel in Holland, der vermeintliche Handel mit Dubai und Rumänien sei nur ein legales Tarnmäntelchen gewesen.

Die direkten Beweise, die für eine Verurteilung wegen Geldwäsche eigentlich wichtig sind, fehlen. Dem Gericht reichten Hinweise aus Telefonaten aus sowie ein Treffen des Kuriers mit einem Mann aus dem niederländischen Drogenmilieu auf einem Parkplatz in Roermond. dpa