Es gibt drei Termine, die man beim VfB Stuttgart in den nächsten drei Wochen besonders im Auge hat. Das Eröffnungsspiel der neuen Bundesliga-Saison am kommenden Freitag beim FC Bayern München (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky). Die Auslosung der Champions-League-Gegner schon einen Tag zuvor (Donnerstag, 18.00 Uhr). Und die ersten Nationalmannschafts-Nominierungen des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp.
Dieses noch nicht genau terminierte Ereignis Anfang September wird aus Stuttgarter Sicht nicht nur für die üblichen Kandidaten wie Deniz Undav, Jamie Leweling oder Chris Führich interessant werden. Sondern auch für den Mann, in dessen Verpflichtung der Verein in diesem Sommer viel Zeit und Geld investiert hat: Dzenan Pejcinovic, neue Sturmhoffnung des VfB wie des DFB. Der Mann, der gleich in seinem ersten Pflichtspiel für den neuen Club drei Tore zum überzeugenden 4:0 (2:0) im DFB-Pokal bei Hansa Rostock schoss.
«Das war ein Traumeinstand für den Jungen», sagte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß hinterher. «Wir haben um ihn gekämpft. Es war sehr früh für ihn klar und auch für uns, dass wir das machen wollen. Der Junge macht Spaß!» Trotzdem sei es nun auch «unsere Aufgabe als Club, den Hype, der jetzt hier sofort entstehen soll, richtig einzuordnen».
Kandidat für Klopp
Zu diesem «Hype» gehört eben auch genau das: dass Pejcinovic nun von vielen inklusive der VfB-Verantwortlichen selbst als Kandidat für den Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft gesehen wird. Der 25-Millionen-Euro-Einkauf vom VfL Wolfsburg ist jung (21), wuchtig (1,88 Meter), abschlussstark und schießt Tore «mit rechts, mit links und mit dem Kopf» (Hoeneß). Einen anderen Stürmer dieser Qualität gibt es in Deutschland in diesem Alter aktuell nicht.
«Er wird sich entwickeln. Er wird sich weiter in der Bundesliga stabilisieren. Und dann kann der Weg sicherlich irgendwann dahin führen», sagte Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über die Nationalmannschafts-Perspektive seines Königstransfers. Mehr muss er dem neuen Bundestrainer gar nicht mit auf den Weg geben. Das erledigt Pejcinovic schon auf dem Platz.
Der Mann des Abends selbst sagte nach seinen drei Toren in Rostock: «Ich freue mich extrem, so einen Start hinzulegen. Man zahlt das Vertrauen als Stürmer am besten mit Toren zurück: Das ist mir heute ganz gut gelungen!»
Angebote aus Freiburg und Porto
Genau wie der VfB von Anfang an nur Pejcinovic für das Angriffszentrum verpflichten wollte, hatte auch der gebürtige Münchner in diesem Sommer nie ein anderes Ziel. FC Porto, Benfica Lissabon oder der SC Freiburg: Diesen Clubs und vermutlich noch anderen sagte der begehrte Stürmer ab, um mit den Stuttgartern in der Champions League spielen zu können.
Der VfB wiederum ist nun in einer deutlich komfortableren Lage als noch vor genau einem Jahr. Damals blockierte die wochenlange Hängepartie um Nick Woltemade alle weiteren Planungen. Und als der Nationalspieler zwei Tage vor dem Ende der Transferfrist zu Newcastle United wechselte, musste unter großem Zeitdruck noch halbwegs passender Ersatz her.
Was wird aus Demirovic?
Diesmal brauchen die Stuttgarter schon eine Woche vor dem sogenannten Deadline Day niemanden mehr. Diesmal muss man eher noch Spieler verkaufen, um die Transferbilanz nach dem teuren Investment in Pejcinovic mindestens auszugleichen. Ein naheliegender Kandidat ist Bilal El Khannouss, der in der Offensive nicht mehr an Undav, Führich oder Leweling vorbeikommt.
Pejcinovics Einstand hat aber auch die Position von Ermedin Demirovic geschwächt. Um den bisherigen Mittelstürmer soll sich der türkische Meister Galatasaray Istanbul bemühen. Wohlgemuth sagte in Rostock aber: «Aktuell verhandeln wir nicht.»
Trainer Hoeneß hätte für eine lange Bundesliga- und Champions-League-Saison ohnehin lieber beide im Kader - Pejcinovic und Demirovic: «Aus Trainersicht würde ich ihn gerne behalten», sagte er. «Ich weiß aber, dass es auch noch eine andere Sicht bei solchen Dingen gibt: die wirtschaftliche.»
