Kupferzell / Gottfried Mahling Das Robert-Koch-Institut untersucht 2000 Einwohner in der Corona-Hotspot-Gemeinde im Hohenlohekreis.

Mit aktuell 681 Infektionen pro 100 000 Einwohner ist der Hohenlohekreis so stark wie kein anderer Landkreis in Baden-Württemberg von der Corona­virus-­Ausbreitung betroffen. 44 Menschen starben bislang an oder mit dem Virus. Am härtesten traf es die Gemeinde Kupferzell, wo bis zum heutigen Tag 111 Covid-­­19-Infektionen nach­gewiesen wurden. Rund zwei ­Prozent der Gesamtbevölkerung Kupferzells wurden somit positiv getestet. Da viele Experten davon ausgehen, dass die Dunkelziffer mindestens zehn Mal höher ist, könnten 20 Prozent der Einwohner bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben.

Kupferzell ist also ein ideales Betätigungsfeld für Virologen, die die noch immer rätselhafte neue Bedrohung besser verstehen lernen möchten. „Wir wollen die Faktoren kennenlernen, die bei der Virusausbreitung der Treiber sind. Und wir wollen mehr Informationen zu Risikogruppen erhalten“, sagte gestern Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am Robert-Koch-Institut (RKI).

Das RKI hat Kupferzell für eine Antikörper-­Studie ausgewählt. Unter der Überschrift „Corona-Monitoring lokal“ sollen innerhalb der kommenden zwei Wochen 2000 Bürger untersucht werden. Im Studienprogramm vorgesehen sind ein Rachenabstrich, eine Blutentnahme und eine Befragung unter anderem zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen und Gesundheitsverhalten. Getestet werden sollen nur Erwachsene. Eine Volluntersuchung aller rund 6000 Einwohner Kupferzells sei nicht nötig, da bereits bei einem Drittel verlässliche Aussagen getroffen werden könnten.

Die Rachenabstriche und Blutproben sollen in den RKI-Laboren in Berlin analysiert werden und drei Wochen nach Abschluss der Studie die Ergebnisse vorliegen, sagte Lampert. Danach sind Corona-Monitoring-Studien im Bad Feilnbach im bayerischen Landkreis Rosenheim und in einer dritten, noch nicht definierten Gemeinde geplant.

Weitere Untersuchungen

Das Vorgehen des Robert­-Koch-Instituts in Kupferzell orientiert sich an der Gangelt-Studie, die der Bonner Virologe Hendrik Streeck im Landkreis Heinsberg durchgeführt hatte. „Wir brauchen mindestens zehn bis zwölf solcher lokaler Studien. Erst dann haben wir ein verlässliches, umfassendes Gesamtbild“, erläutert Lampert. Darüber hinaus plane das Institut eine bundesweite Studie mit 20 000 bis 30 000 Teilnehmern, die im September beginnen soll. Gottfried Mahling