Neues Flutlicht, neuer Trainer, Zweitliga-Topspiel - und ein paar verbale Sticheleien: Im Südwestduell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC steckt am Samstagabend (20.30 Uhr/RTL und Sky) wie so oft viel Brisanz. 49.000 Fußballfans, darunter 4.700 aus Karlsruhe, erwartet der FCK. Und einen hoch motivierten Gästetrainer: «Beim Derby werde ich sicher nicht auf die Bremse treten», kündigte KSC-Coach Maximilian Senft vor seinem ersten Auftritt auf dem Betzenberg an.
«Ein totales Alleinstellungsmerkmal» habe das Südwestderby für ihn, sagte der 37 Jahre alte Nachfolger von Christian Eichner, so wie jedes Lokalduell seinen eigenen Charakter habe. Etwas allgemeiner verwies Senft auf zwei große europäische Stadtduelle: «Du kannst dann nicht das Mailänder Derby mit dem Glasgow-Derby vergleichen.» Klar sei für ihn, dass «diese Spiele mit großer Rivalität einfach einen ganz großen Reiz haben».
KSC-Trainer Senft mit unrühmlicher Derby-Erfahrung in Ried
Senft hat vor allem in Österreich schon Derby-Erfahrungen gesammelt - auch unrühmliche. Nach dem Lokalduell zwischen Senfts Ex-Club SV Ried und dem Linzer ASK hatte ihm LASK-Coach Dietmar Kühbauer den Handschlag verweigert. Die Hauptvorwürfe: Senft sei «permanent» beim Schiri gewesen und habe seine Mannschaft zur Rudelbildung aufgefordert.
Auf den für Samstag auf dem Betzenberg angesetzten Schiedsrichter Richard Hempel ging Senft diesmal schon vor dem Anpfiff ein. Er hoffe, dass Hempel «sich diese Situationen sehr genau anschaut», sagte der Karlsruher Trainer mit Blick auf die aus seiner Sicht zu leicht fallenden Lauterer Profis bei Defensivstandards. Beim FCK-Auftakt gegen Wolfsburg (0:0) seien «sehr viele Spieler ganz schnell am Boden» gewesen, ohne dass es wirklichen Kontakt gegeben habe, monierte Senft.
Lieberknecht: «Kein normales Fußballspiel»
Für die Roten Teufel geht es unter der für 2,5 Millionen Euro neu errichteten LED-Flutlichtanlage im Fritz-Walter-Stadion wohl trotzdem mit allen Mitteln um einen erfolgreichen Heimauftakt. «Ein Derby ist auch ein Fußballspiel und irgendwo gleichzeitig doch kein normales Fußballspiel. Die Bedeutung ist enorm hoch. Wir wissen auch, dass ein Sieg dementsprechend Selbstvertrauen für das gibt, was kommt», sagte FCK-Trainer Torsten Lieberknecht. Schon am 21. August steht das heiße Duell bei Waldhof Mannheim im DFB-Pokal an.
Um Deeskalation waren vor dem insgesamt 70. Pflichtspiel zwischen FCK und KSC beide Seiten bemüht. «Wir würden uns alle sehr daran erfreuen, wenn es eine extrem hitzige, heiße, laute Stimmung im Stadion ist, ohne dass dabei Grenzen überschritten werden, die im Fußballfeld nicht überschritten werden sollten», sagte Senft und betonte die Vorbildfunktion, die sowohl Trainerteam als auch Fans gegenüber Kindern im Stadion hätten.
Ziel: Emotional, aber friedlich
Der FCK stehe sowohl mit dem KSC als auch sämtlichen involvierten Behörden und Sicherheitsträgern im Austausch, sagte Lauterns Pressesprecherin Ann-Kathrin Hauck. «Unser Ziel ist, dass wir hier am Samstagabend ein emotionales, aber auch friedliches Spiel erleben und jedem Fan ein möglichst sicheres Stadionerlebnis bieten können.» Die Sicherheitsbehörden hatten das Derby als Risikospiel eingestuft.
Schlägereien hatte es im Oktober 2025 nach dem 3:2 der Lauterer im Karlsruher Wildpark gegeben, als KSC-Anhänger versuchten, zum Gästebereich zu gelangen. Zusätzliche Brisanz birgt das Spiel durch die Ansetzung auf den Abend. Das war zuletzt am 8. November 2022 der Fall, damals fand die Begegnung an einem Dienstagabend statt.
