Stuttgart / lsw In dem Stuttgarter Fall ist die Beweislage eindeutig. Sehr unterschiedlich sind die Strafforderungen.

Ein Mann hebt Geld vom Konto ab, er kauft in der Stuttgarter Innenstadt ein Samuraischwert und legt 149 Euro auf den Tresen. Scharf und lang ist die Waffe. Dann fährt er in eine Hochhaussiedlung, wartet eine Stunde mit dem verpackten Schwert vor einem Haus auf sein Opfer, zieht es schließlich heraus und schlägt auf offener Straße zu. Immer wieder. Eine Bluttat vor Zeugen. Mehr noch, ein Exzess vor gezückten Handykameras. Aber auch bei den Plädoyers im Mordprozess wird deutlich, wie wenig bekannt ist über das Motiv des 31-jährigen mutmaßlichen Täters.

„Die Beweise sind eindeutig. Aber dennoch sind wir eigentlich keinen Deut weiter als zu dem Zeitpunkt, als er ihn erstochen hat“, sagte einer der Anwälte am Donnerstag am Rande des vorletzten Prozesstages vor dem Landgericht. Dementsprechend weit ist die Spanne der Forderungen von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung. Während die Anklagevertreterin dreizehn Jahre Haft wegen Mordes fordert und die Unterbringung in einer Psychiatrie, spricht sich die Verteidigung für einen Freispruch aus, weil der angeklagte Jordanier nicht Herr seiner Sinne gewesen sein soll, als er zuschlug. Auch seine beiden Anwälte fordern, dass ihr Mandant in einer psychiatrischen Unterkunft untergebracht wird.

Die Nebenklage sieht das anders. Der Mann sei durchaus schuldfähig gewesen, argumentieren die Anwälte der zwölfjährigen Tochter des Opfers und seines Bruders. Deshalb müsse er zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Außerdem müsse die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Fest steht: Der 31-Jährige hat seinen früheren Mitbewohner umgebracht. Der Mann hat die Tat gestanden. Doch das Motiv bleibt unklar. Er schweigt dazu. Die Staatsanwältin erklärte: „Er steckt mit einem Bein im Wahn.“ Daher habe er sich auch ein­gebildet, vom späteren Opfer missbraucht oder in seinem religiösen Fanatismus verspottet worden zu sein.

Am Montag will das Landgericht ein Urteil sprechen. dpa