Stuttgart / Axel Habermehl Die Entscheidung über weitere Kita-Öffnungen soll auf Grundlage einer Uniklinik-Studie fallen.

Ob und ab wann Stätten der Kinderbetreuung in Baden-Württemberg ihr Angebot wieder ausweiten, ist völlig offen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kündigte am Mittwoch bei einer Debatte im Landtag erneut an, die Entscheidung darüber von Ergebnissen einer Studie abhängig zu machen, die derzeit an den Unikliniken des Landes unter Federführung von Heidelberger Forschern erstellt wird.

„Wenn auch diese Studie ergibt, dass Betreuung in der Kita unter Infektions- und Gesundheitsschutzgründen keine Herausforderung ist oder keine Gefahr bedeutet, und die Träger zudem ausreichend Erzieherinnen und Erzieher haben, können wir diesen Schritt gern gehen“, sagte Eisenmann. Ohne wissenschaftliche Grundlage könne sie keinen Beschluss fassen. „Das ist nicht etwas, was man geschwind mal politisch entscheidet“, sagte sie.

Sie selbst neige zu einer weiteren, schrittweisen Öffnung. Jedoch stehe diese auch unter dem Vorbehalt, dass die kommunalen oder privaten Träger der Einrichtungen ausreichend Personal hätten, das nicht wegen der Zugehörigkeit zu Risikogruppen für die Arbeit ausfällt. Die Studie erwartet Eisenmann „in den nächsten Tagen“, sagte sie am Mittwoch.

In Auftrag gegeben hatte die Studie die Landesregierung. Die Wissenschaftler untersuchen, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Dazu haben sie angekündigt, 2000 Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren mit jeweils einem Elternteil zu untersuchen. Probanden wurden über das Internet gebeten, sich zu melden. Ursprünglich waren erste Ergebnisse für Mitte Mai angekündigt. Eine Sprecherin der Uniklinik Heidelberg teilte am Mittwoch auf Nachfrage mit: „Uns liegen noch keine Infos vor, wann belastbare Ergebnisse kommuniziert werden können.“

Auch im Staatsministerium erwartet man die Studie. Am Mittwoch danach gefragt, antwortete der Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der hinsichtlich weiterer Kita-Öffnungen als skeptisch gilt, die Forscher seien noch an der Arbeit, der ursprüngliche Zeitplan sei zu optimistisch gewesen. Die Wissenschaftler wollten erst mit belastbaren und sorgfältig ausgewerteten Ergebnissen an die Öffentlichkeit treten.

Teile der Opposition warfen Eisenmann im Landtag Versäumnisse bei der jüngsten Ausweitung der Kinderbetreuung vor. Eine sofortige und komplette Kita- oder Schulöffnung forderte aber keine Fraktion. Seit der neuesten Verordnung vom vergangenen Wochenende dürfen seit Montag maximal 50 Prozent der Kinder, die normalerweise in die jeweilige Kita gehen, wieder dort betreut werden. Die zuständigen Kommunen bekamen die Verordnung des Landes aber erst kurzfristig, nun benötigen sie noch Zeit für die Planungen, teilweise beraten sie noch über Aufnahmekriterien für die erweiterte Betreuung. Axel Habermehl