Stuttgart / Axel Habermehl Diskussion über Pflicht für ältere Jugendliche. Kurssystem erschwert Nachverfolgung von Kontaktpersonen.

Die grün-schwarze Landesregierung prüft die Einführung einer Maskenpflicht für ältere Schüler in Schulen. Das gab Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am gestrigen Dienstag nach der Kabinettssitzung bekannt. „Ob wir das machen, weiß ich noch nicht. Aber wir diskutieren es“, sagte er. Auch andere Infektions-Schutzmaßnahmen würden geprüft, etwa Kunststoffwände an Lehrerpulten oder Plastikvisiere. Ein Sprecher von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bestätigte entsprechende Gespräche: „Gerade wenn die Infektionszahlen steigen, könnte dies eine Handlungsoption sein.“

Hintergrund sind Sorgen vor Covid-19-Ausbrüchen in Schulen, insbesondere wenn dort der Betrieb nach den Sommerferien ausgeweitet wird. Kretschmann, Eisenmann und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatten darüber vergangene Woche mit Vertretern von Lehrerverbänden diskutiert. Eisenmann und viele Lehrer fordern kostenlose, freiwillige Testmöglichkeiten auf eine Corona-Infektion für Pädagogen, auch ohne Symptome. Lucha und Kretschmann lehnen das als unnötig, nicht zielführend und zu teuer ab.

Daher sucht die Regierung Kompromiss-Optionen, etwa verschärfte Hygiene-Standards. In Schulen kann bei Hochbetrieb oft kein Abstand gehalten werden. Das Land setzt daher vor allem auf feste Klassen, um Kontakte überschaubar zu halten und gegebenenfalls Ansteckungsketten nachvollziehen zu können. Vor allem in der gymnasialen Oberstufe sind feste Lerngruppen aber nicht möglich. Je nach Schwerpunkt finden sich Schüler in wechselnden Kursen zusammen. Manche Fachlehrer, die viele verschiedene Kurse unterrichten, können so auf hunderte Schülerkontakte pro Woche kommen.

Bisher gilt an Schulen keine landesweite Maskenpflicht. Eine solche besteht nur für die Fahrt zur Schule mit Bus oder Bahn. Schulleitungen dürfen offiziell auch keine Maskenpflicht in Schulgebäuden verhängen. In Hygienehinweisen des Ministeriums heißt es: „Im Unterricht ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bei gewährleistetem Sicherheitsabstand nicht erforderlich, gleichwohl aber immer zulässig.“ Sollten Schüler oder Lehrer „in der Schule eine Mund-Nasen-Bedeckung verwenden wollen, so spricht nichts dagegen“. Axel Habermehl