Ulm / Magdi Aboul-Kheir Rektoren und Präsidenten aus Baden-Württemberg fordern mit bayerischen Kollegen auskömmliche Geldmittel.

„Das Wasser steht uns bis zum Halse.“ Originell war die Metapher nicht, die Prof. Bastian Kaiser wählte, aber passend: Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg hatte mit seiner bayerischen Kollegin Prof. Uta Feser Landtagsabgeordnete und Presse auf ein Schiff eingeladen, um auf ihre Finanzsorgen hinzuweisen. So schipperten Hochschule-Rektoren und -Präsidenten aus beiden Ländern auf der „Ulmer Spatz“ über die Donau: zwischen Ulm und Neu-Ulm, also zwischen beiden Ländern.

Es war ein gemeinsamer Appell an die Landesregierungen. Denn die überlegen, wie das Hochschul-­System künftig auskömmlich zu finanzieren ist. Die HAW haben ihre Kapazitäten massiv erhöht und an Attraktivität gewonnen, sagte Kaiser. Die Hochschule Neu-Ulm hat etwa in den vergangenen zehn Jahren die Zahl ihrer Studierenden verdoppelt, erklärte Hochschulpräsidentin Feser. Sie habe heute aber pro Student 15 bis 20 Prozent weniger Geld zur Verfügung.

Die Unterfinanzierung und Überlastung der HAW sei also eine Folge ihres Erfolgs. „Wir fahren seit Jahren Überlast“, so Prof. Gerhard Schneider (Hochschule Aalen). Das werde auch auf den Schultern der Mitarbeiter ausgetragen, erläuterte Kaiser: Viele Verträge seien nicht angemessen dotiert, viele knapp befristet.

Im Gegensatz zu Universitäten beträgt die öffentliche Grundfinanzierung der HAW nur rund 60 Prozent, der Rest sind unsichere Programm- und Drittmittel. Volker Reuter (Technische Hochschule Ulm) sprach von einer „20-Prozent-defizitären Grundausstattung“: Die Infrastruktur sei bedroht. Es gehe nicht nur um Geld, sondern um feste Stellen.

Noch eine Fluss-Metapher: Die HAW schlagen Brücken zwischen Grundlagenforschung und Wirtschaft, erklärte Jürgen Lehmann (Hochschule Hof). Angesichts der Herausforderungen von Digitalisierung, Robotik und künstlicher Intelligenz seien sie daher ein Rückgrat der Wirtschaft.

Es dürfe „keine Fortschreibung der Unterfinanzierung geben“, fasste Uta Feser zusammen. Sie betonte, die HAW seien „keine kleinen Unis und wollen auch keine werden“. Kaiser betonte aber, sie stünden nicht in Konkurrenz zu Universitäten und anderen Hochschularten: „Uns drückt allen der Schuh, nur an verschiedenen Stellen.“ Magdi Aboul-Kheir