Stuttgart / Axel Habermehl Ab Montag findet wieder Präsenzunterricht an den Schulen statt. Warum, für wen – und was ist mit der Ansteckungsgefahr? Ein Überblick der wichtigsten Fragen und Antworten.

Sieben Wochen waren alle Schulen im Land wegen Corona komplett geschlossen. Am Montag startet für gut 20 Prozent der Schüler wieder Unterricht in ihren Klassenzimmern. Ein Überblick anhand einiger Fragen und Antworten:

Wer geht in die Schule?

Nur Schüler, die mehr oder weniger kurz vor Abschlüssen stehen. An allgemeinbildenden Schulen sollen die Jugendlichen kommen, die dieses oder nächstes Jahr Abschlussprüfungen haben: an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe also die Stufen 11 und 12, bei G9 entsprechend 12 und 13. An Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sind es die Klassen 9 und 10. Das gilt auch für Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren. Der Logik nach würden auch jene Schüler der Klasse 8 dazuzählen, die 2021 den Hauptschulabschluss anstreben. Sie sind aber ausgenommen, laut Kultusministerium „aus Kapazitätsgründen“. Mit derselben Begründung geht es auch an beruflichen Schulen nur für die diesjährigen Prüflinge los.

Sind das dann alle?

Nein, in den Schulen gibt es ja bereits eine Notbetreuung für die Klassen 1 bis 7. Das ist aber kein regulärer Unterricht, sondern eine Beaufsichtigung für Kinder, deren Eltern präsenzpflichtig arbeiten müssen. Außerdem sollen Lehrer ab Montag auch unabhängig von den Prüflingen jene Schüler für Präsenzunterricht einbestellen, die von bisherigen und auch weiter laufenden Fernlernangeboten „nicht erreicht wurden“, wie es in der Verordnung heißt.

Muss man kommen?

Grundsätzlich ja, aber wer das Infektionsrisiko scheut, muss nur bei der Schule abgemeldet werden. Ärztliche Atteste werden nicht verlangt. Eltern können minderjährige Kinder entschuldigen, Volljährige können das selbst tun. Lehrer aber müssen antreten, wenn ihre Schulleitung sie anfordert – es sei denn, die Lehrkraft ist über 60 Jahre alt, schwanger oder hat aufgrund einer Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19.

Um wie viele Schüler geht es?

Wenn alle kommen, wären es landesweit rund 330 000 Schüler, also rund 22 Prozent der gesamten Schülerschaft. Fast die Hälfte davon, rund 150 000 Schüler, entfallen auf berufliche Schulen. Es wird aber davon ausgegangen, dass vorerkrankte Schüler oder solche, die in einem Haushalt mit Personen aus einer Risikogruppe wohnen, nicht kommen. Wie viele das landesweit sind, war bis zuletzt nicht bekannt.

Und der Rest?

Für alle anderen Schüler sollen die Lehrer weiter Fernunterricht anbieten.

Wie viele Lehrer kommen?

Die landesweiten Zahlen sind unklar. Einsetzbar sind alle, die keiner Risikogruppe angehören. Das sind etwa 75 Prozent, also gut 100 000 Pädagogen. In der Regel unterrichten die Lehrer, die eben die Klassen haben, die nun wieder anfangen. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, müssen aber Klassen aus Platznot aufgeteilt werden, voraussichtlich oft in mehr als zwei Gruppen. Dafür müssten dann eigentlich Ersatzlehrer einspringen, es ist aber davon auszugehen, dass örtlich auch immer wieder ein Lehrer zwischen mehreren Räumen hin und her eilt.

Was wird unterrichtet?

Der Präsenzunterricht dient der Prüfungsvorbereitung, findet also nur in Prüfungsfächern statt. Unterricht in schriftlichen Prüfungsfächern sei „vorrangig zu erteilen“. Bewertete Klausuren und Tests sollen nicht geschrieben werden. Praktischer Sportunterricht darf nicht stattfinden.

Und die Infektionsgefahr?

Die ist natürlich da, soll aber durch Abstands- und Hygieneregeln verringert werden. Beispielsweise sollen Schulbeginn und Pausen gestaffelt erfolgen und vieles mehr. Das Kultusministerium hat dazu eine Handreichung ins Internet gestellt. Verantwortlich für die Einhaltung der Regeln sind die Schulen vor Ort.

Wer folgt als nächstes?

Laut Ministerium sollen alle Schüler dieses Schuljahr wenigstens noch einmal in die Schulen kommen. Als nächster Schritt wurde angekündigt, Grundschulen für Viertklässler zu öffnen. Das Datum ist aber noch offen.

Weit auseinander stehende Tische, keine Pausen, nur die Kernfächer: Ab Montag werden zumindest die Abschlussklassen in neun Heidenheimer Schulen wieder unterrichtet. Doch die rund 1200 Schüler erwartet kein normaler Schulalltag.

Nahezu 500 junge Menschen packen am Montag wieder ihren Ranzen. Es wird Unterricht unter besonderen Bedingungen geben.

Schüler aus Frankreich dürfen über die Grenze

Schüler aus dem Elsass dürfen von Montag an für den Schulbesuch in Deutschland wieder über die Grenze. Von den elsässischen Behörden habe es für diesen Plan grünes Licht gegeben, teilte das Regierungspräsidium Freiburg mit. Schulbusse dürften die Grenze wieder überqueren. dpa