Ulm / Daniel Wydra Die Deutsche Bahn und Abellio betreiben ihre Züge im Land häufig mit Ökostrom. Mancher Konkurrent fährt hingegen mit konventionellem Strom. Auswirkungen auf Ausschreibungen hat das aber nicht. Von Daniel Wydra

Die Deutsche Bahn wirbt mit klimaneutralem Fernverkehr, im Südwesten fährt sie auch auf einigen Nahverkehrsstrecken mit Ökostrom. Verpflichtend ist das nicht. Viele Bahnbetreiber beziehen aber freiwillig Strom aus erneuerbaren Energien. In den Großräumen Stuttgart und Ulm verwendet nur Go-Ahead konventionellen Bahnstrom. „Mittelfristig planen wir, auf Ökostrom umzustellen“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Die Werkstatt in Essingen bei Aalen werde bereits mit Strom von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes versorgt.

Go-Ahead und Abellio haben 2019 die meisten Nahverkehrslinien ab Stuttgart von der Deutschen Bahn übernommen. Die Privatbahnen betreiben etwa Züge auf den Strecken nach Ulm, Nürnberg, Würzburg und Mannheim. Anders als Go-Ahead verwendet Abellio seit Januar ausschließlich Ökostrom. Außer den Zügen werden laut einer Sprecherin auch die Verwaltung in Stuttgart und das Betriebswerk in Pforzheim damit versorgt.

Ein verhängnisvoller Formfehler

Die DB nutzt seit Januar auf einigen Nahverkehrslinien im Südwesten erneuerbare Energien. Dazu zählen die Regionalexpress-Verbindungen von Stuttgart über Ulm nach Lindau sowie nach Schwäbisch Hall. Auch als die so genannten Stuttgarter Netze vor ein paar Jahren ausgeschrieben wurden, bestand der Strommix der DB schon teilweise aus Ökostrom. War das ein Wettbewerbsnachteil? Ist die Bahn bei Ausschreibungen wegen höherer Stromkosten  nicht zum Zuge gekommen? Bei einer großen Ausschreibung in Nordrhein-Westfalen, die die DB ebenfalls verloren hat, wurde ein solcher Zusammenhang vermutet.

Tatsächlich setzt sich oft der günstigste Anbieter durch. Laut einem Sprecher des Landesverkehrsministeriums lag es aber nicht an den Stromkosten, dass Go-Ahead und Abellio die Deutsche Bahn ausstechen konnten. Vielmehr habe die Bahn einen Formfehler begangen. Sie habe missachtet, dass die kalkulierten Kosten pro Zugkilometer  im ersten Betriebsjahr maximal zehn Prozent höher als in den restlichen Jahren sein dürften. Deshalb musste sie nach dem EU-Vergaberecht zwingend aus dem Verfahren ausgeschlossen werden, heißt es im Ministerium.

Ein DB-Sprecher konnte auf Nachfrage nicht sagen, wie es zu dem Formfehler kam. Er bestätigte aber ebenfalls, dass die Fehlkalkulation nicht durch höhere Stromkosten verursacht wurde.

Bei vielen Anbietern ist Ökostrom gleich teuer wie oder sogar günstiger als die konventionell erzeugte Variante aus Atom- oder Kohlekraft. Da das Stromnetz einen Kreislauf darstellt, kommt aus der Steckdose aber immer derselbe Strommix. Er wird von verschiedenen Kraftwerken produziert und ins Netz eingespeist.

Wer Ökostrom kauft, investiert stattdessen – zumindest indirekt über den Anbieter – in Kraftwerke, die mit erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Wasserkraft betrieben werden. Deren Eigentümer werden zusätzlich durch die Umlagen gefördert, die die Verbraucher nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zahlen müssen.

Das Landesverkehrsministerium definiert es als politisches Ziel, Großkonzerne davon zu überzeugen, Ökostrom zu beziehen. Mit Go-Ahead sei man dazu in Gesprächen. Dessen Sprecherin nannte keine Details, zu welchen Konditionen das Unternehmen mit Strom versorgt wird, gleiches gilt für Abellio.

Auch die Deutsche Bahn bekommt einen Strommix für ihr separates Netz. Sie kann mit Ökostrom werben, indem sie so viel Strom aus erneuerbaren Energien kauft, wie sie für die entsprechenden Strecken benötigt. Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hält der Deutschen Bahn zugute, dass sie eigene Bahnstromkraftwerke unterhält oder diese exklusiv an das Unternehmen liefern. Somit könne die Bahn nachweisen, wo ihr Strom erzeugt wird.

Von 17 Bahnstromkraftwerken in Deutschland werden elf mit Wasserkraft betrieben. Davon befinden sich sechs an der Donau. Zudem produzieren drei Kohle-, ein Gasturbinen- und ein Pump­speicherkraftwerk Bahnstrom. Bis 2011 wurde er auch im AKW Neckarwestheim hergestellt.

Label und Zertifikate

Der Begriff Ökostrom sagt kaum etwas darüber aus, wie umweltfreundlich dessen Anbieter arbeiten.

Mit dem OK Power Label werden Ökostromtarife von Produzenten ausgezeichnet, die zu höchstens 50 Prozent an Kohlekraftwerken beteiligt sind. Anbieter, die keine Anlagen betreiben, zahlen für das Label einen Aufpreis. Beim Grüner Strom Label dürfen Anbieter nicht an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt sein.

Mit „RECS“-Zertifikaten kann konventioneller Strom als Ökostrom deklariert werden. Dazu muss der Anbieter die Zertifikate von Ökostromproduzenten kaufen.