Stuttgart / David Nau Die Chefs des Bahnbetreibers Go-Ahead räumen Probleme beim Betriebsstart im Südwesten ein. Um künftig genug Personal zu haben, soll ein eigenes Ausbildungszentrum in Stuttgart entstehen. Von David Nau

Seit einem Jahr ist der britische Bahnkonzern Go-Ahead auf den Schienen in Baden-Württemberg unterwegs – vor allem anfangs nicht immer ohne Probleme. Nach dem großen Fahrplanwechsel im Dezember mit der Übernahme der Filstalbahn, die von Stuttgart nach Ulm führt, herrschte gerade auf dieser Strecke zeitweise Chaos. Züge fuhren entweder mit viel zu wenigen Waggons und waren massiv überfüllt oder kamen erst gar nicht.

Auch für die Verantwortlichen des Unternehmens fällt die Bilanz des ersten Jahres gemischt aus. „Im Tagesgeschäft bin ich manchmal enttäuscht darüber, wie es läuft“, sagt Gordon Lemke, der seit Anfang des Jahres als technischer Geschäftsleiter vor allem dafür zuständig ist, dass die Züge in Baden-Württemberg fahren. Mal sei ein Zug kaputt, mal eine Weiche nicht besetzt, mal eine Strecke wegen Bauarbeiten oder Notarzteinsatz kurzfristig gesperrt. Go-Ahead selbst habe oftmals nur wenig Einfluss darauf, ob die Züge des Unternehmens pünktlich seien. „Wir fahren nur den Zug und sind von vielen anderen Akteuren abhängig“, erklärt Lemke.

So seien zum Beispiel die neuen Züge vom Hersteller Stadler nicht rechtzeitig geliefert worden und hätten in der Anfangsphase viele Störungen gehabt, erklärt Max Kaiser, kaufmännischer Geschäftsleiter der Südwest-Tochter von Go-Ahead. „Für die Betriebsaufnahme am 15. Dezember kamen die meisten Züge in den ersten Dezember-Wochen“, sagt Kaiser. Dadurch hätten die Lokführer die neuen Züge nicht ausreichend testen können.

Auch auf die DB angewiesen

Auch auf eine gute Kooperation mit dem Platzhirsch Deutsche Bahn (DB) sei man angewiesen. Alle Bahnhofsdurchsagen oder Infos aufs Smartphone der Kunden liefen über die Bahn. „Ohne die DB kommt nichts aufs Display am Bahnsteig“, sagt Kaiser. Auch werde man immer wieder von DB Tochterunternehmen unfair behandelt, etwa wenn die Betriebszentrale der DB bei Großstörungen Züge neu disponieren müsse. Angelastet würden daraus resultierende Verspätungen und Ausfälle aber Go-Ahead, ärgert sich Kaiser.

Kaiser räumt jedoch auch ein, dass es gerade nach der Übernahme weiterer Strecken im Dezember auch auf Seiten von Go-Ahead Probleme gegeben habe. „Im Januar und Februar hatten wir neben vielen Fahrzeugausfällen auch zu wenige Triebfahrzeugführer in Lauda“, sagt er. Inzwischen habe man zwar genügend Lokführer finden können, die Gewinnung von Personal sei aber nach wie vor sehr schwierig. Man habe damit gerechnet, dass mehr Lokführer der in der Ausschreibung unterlegenen DB zu Go-Ahead wechseln würden. „Wir würden uns mehr Unterstützung vom Land wünschen“, sagt Kaiser. Eine Möglichkeit sei, den Verkehrsvertrag nachzuverhandeln, da Lokführer seit dem Gewinn der Ausschreibung im Jahr 2016 noch rarer geworden seien.

Man wolle darüber hinaus stärker in die Ausbildung von Triebfahrzeugführern investieren. Bislang schult das Unternehmen seine Mitarbeiter in Kooperation mit anderen Verkehrsunternehmen. Künftig wolle man mehr Trainer direkt bei Go-Ahead anstellen und für die Ausbildung auch selbst Räume anmieten. „Wir hoffen, die Personalknappheit so mittelfristig lösen zu können“, sagt Kaiser. Wann das neue Ausbildungszentrum starten kann, ist noch unklar. Aktuell sucht das Unternehmen noch Räume in Stuttgart.

So geht es auf der Frankenbahn weiter

Nachdem das Verkehrsministerium und Go-Ahead im Mai bekannt gegeben hatten, nach einem Übergangsbetreiber für die problembehaftete Strecke von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg zu suchen, hatte es jüngst Verwirrung über die Zukunft der Frankenbahn gegeben. Der Betreiber Go-Ahead teilte mit, man strebe an, die Strecke weiterhin selbst zu fahren.

Uwe Lahl, Amtschef im Verkehrsministerium sagte der SÜDWEST PRESSE, mit ihm sei etwas anderes vereinbart worden.

Max Kaiser, kaufmännischer Geschäftsleiter von Go-Ahead erklärte, man sei offen für einen Subunternehmer. „Wenn wir jemanden finden, nehmen wir die Unterstützung gerne an“, sagte er. Man rechne aber damit, frühstens im Herbst einen Anbieter zu finden.