Heilbronn / Hans Georg Frank Die Lieferprobleme bei neuen Zügen sind immer noch nicht gelöst. Die Bahn muss aushelfen.

Bei der letzten Ausschreibung kam die Deutsche Bahn nicht zum Zug, jetzt ist sie Retter in der Not. Weil die Mitbewerber von Abellio und Go Ahead noch immer nicht komplett mit den bestellten neuen Zügen ausgerüstet sind, hilft die DB mit altem Wagenmaterial aus. Erst zum Fahrplanwechsel im Juni 2020 wird überall mit dem versprochenen Komfort gerechnet.

Schon zum Start im Juni lief nicht alles rund, weil neue Triebwagen fehlten. Abellio hatte vom Hersteller Bombardier ein Dutzend Züge erwartet, bis heute stehen erst zehn auf den Schienen. Für die zweite Stufe ab 15. Dezember sollten vertragsgemäß 25 Fahrzeuge des Modells „Talent“ eingesetzt werden, doch wohl nur sechs werden verfügbar sein. „Wir wissen nicht, wie viele Fahrzeuge wirklich kommen“, klagte Abellio-Geschäftsführer Roman Müller. Sein Unternehmen bedient den Raum Stuttgart sowie die Strecken nach Mannheim und Osterburken.

Etwas gebessert hat sich die Situation für Go Ahead. Auf der Frankenbahn und der Filsbahn könnten die neuen Fahrzeuge rechtzeitig genutzt werden, sagte Geschäftsführer Hans-Peter Sienknecht. Auf der Murrbahn dagegen werde zunächst der Ersatz der DB rollen, weil von insgesamt 30 Zügen des Typs „Flirt“ vom Unternehmen Stadler fünf zu spät verfügbar seien. Erst im März 2020 sei eine vollständige Umstellung möglich.

Die Produzenten müssen für die Zusatzkosten und Schadenersatz aufkommen, was sich auf mehrere Millionen Euro summieren wird. „Das wird teuer“, deutete Uwe Lahl vom Verkehrsministerium an. Stadler begründete die Verspätung mit immer wieder neuen Anpassungen eines „hochkomplexen Produkts“. Bombardier berief sich auf eine „Normänderung“, die jedoch schon vor Vertragsabschluss bekannt war. Mehr als drei Jahre Vorlauf hatten für die fristgerechte Auslieferung nicht genügt.

Die Passagiere sollen möglichst wenig von den Pannen merken. Fahrpläne und Kapazitäten werden eingehalten, wurde bei einem Treffen in Heilbronn versichert. Wo altes Material rollt, wird es an jenem Komfort fehlen, mit dem für die „Mobilität der Zukunft“ geworben wird.

Damit die umweltfreundlichen Verbindungen auch genutzt werden, hat der Main-Tauber-Kreis solche Buslinien gestrichen, die bisher parallel zur Frankenbahn bestanden. Die Regionalbahn kostet den Steuerzahler jährlich 3,5 Millionen Euro. Das lohnt sich nur, wenn an Werktagen mindestens 500 Passagiere die Abteile füllen. Hans Georg Frank