Reutlingen / epd Trotz Lichtverschmutzung gibt es im Land mehrere Orte, an denen man nachts den Himmel studieren kann, mit oder ohne Fernrohr.

Wenn es abends dunkel wird, bleibt es dennoch hell. Straßenlampen, Beleuchtungen an Gebäuden, Autoscheinwerfer strahlen in die Landschaft und vermiesen den Spaß, einen imposanten Sternenhimmel zu sehen. Ihr Streulicht erhellt das Firmament oft kilometerweit. Doch es gibt in Baden-Württemberg noch Plätze mit extrem geringer Lichtverschmutzung. Dort versammeln sich in klaren Nächten Hobbyastronomen mit ihren Teleskopen, um auf die Milchstraße und dahinter zu gucken.

Der dunkelste Ort im Südwesten liegt nach Angaben der Tourismus-Gesellschaft Baden-Württemberg nördlich von Langenenslingen-Ittenhausen im Landkreis Biberach. Dieser Punkt an der Grenze zwischen Schwäbischer Alb und Oberschwaben liegt weit weg von Städten, Autobahnen und Bundesstraßen. Hier ist die Chance am besten, einen Sternenhimmel zu erleben, wie ihn sonst nur das Planetarium produzieren kann.

Das Projekt Sternenpark Schwäbische Alb setzt sich seit 2011 dafür ein, Regionen vor Lichtverschmutzung zu schützen. Begonnen hat die Arbeit im Landkreis Reutlingen an geradezu idealer Stelle nahe dem früheren Truppenübungsplatz Münsingen. Die Region ist gleichzeitig ein von der Unesco anerkanntes Biosphärenreservat.

In diesem Gebiet gibt es in Römerstein-Zainingen bereits einen Platz für Sterngucker mit großen Holzbänken, die den Blick  in den Nachthimmel bequemer machen sollen. Auch der Schachen bei Münsingen gilt als besonders dunkler Ort.

Ziel des Projekts Sternenpark ist es, die Lichtverschmutzung weiter einzudämmen und international als „Dark-Sky-Park“ (Dunkler-Himmel-Park) anerkannt zu werden. In Deutschland sind bislang vier solcher Parks eingerichtet: in Fulda, der Winklmoosalm (Landkreis Traunstein), in der Rhön und im Naturpark Westhavelland.

Im Schwarzwald hält die Region um den Feldberg lichtarme Flecken bereit, die Gegend um Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) lohnt sich ebenfalls für Hobby-Astronomen. Die englischsprachige Internetseite „www.lightpollutionmap.info“ zeigt, wo der Blick auf Planeten, Sterne und Galaxien am erfolgversprechendsten ist.

Wer eigene astronomische Erfahrungen machen möchte, sollte sich ein paar Hilfen zulegen. Dazu gehört ein einführendes Buch, das die Sternbilder vorstellt und erklärt, wie man sie am Nachthimmel findet. Ein gutes Fernglas ermöglicht schon erste Einblicke, die dem bloßen Auge verwehrt sind, etwa eine detaillierte Ansicht der Krater auf dem Mond. Doch es braucht eine ruhige Hand, weshalb man sich bald ein Stativ zulegen wird, das einen wackelfreien Blick ermöglicht.

Das nächste Level erreichen Hobbyastronomen dann mit einem Teleskop. Experten warnen einstimmig davor, mit einem Billigmodell vom Discounter einzusteigen.

Die Himmelsschau hat den Menschen schon immer fasziniert. In Ägypten sind bereits im dritten Jahrtausend vor Christus Sternmuster aufgemalt worden. Eine Revolution der Beobachtung des Weltalls stellte die Erfindung des Teleskops vor 400 Jahren dar. Plötzlich entdeckten Forscher wie Galileo Galilei, dass der Planet Jupiter gleich mehrere Monde hat.

Der Philosoph Immanuel Kant nahm beim Blick auf die Sterne eine inspirierende Kraft wahr: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“ Ein erhebendes Gefühl beschreiben heute noch viele, wenn sie in einer sternklaren, mondlosen Nacht das Firmament betrachten. epd

Orte und Ausrüstung

Wer nachts Sterne beobachten will, muss weg von allem, was Licht verbreitet. Mehrere Internet-Sites geben Tipps. Für Baden-Württemberg nennt www.sternenpark-schwaebische-alb.de mehrere Beobachtungsplätze und gibt auch Tipps zur Ausrüstung.

Weitere Internet-Sites zum Thema sind www.lightpollutionmap.info, www.astronomie.de und www.sternsucher.com