Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) muss es ein Schockmoment gewesen sein: Als der Regierungschef am Montagabend nach dem ersten Tag seiner Sommertour zurück nach Stuttgart gefahren wurde, geriet sein Dienstwagen auf der A81 im Kreis Heilbronn ins Schleudern, krachte gegen die Mittelleitplanke, schlitterte quer über die Fahrbahn und kam schließlich auf dem Standstreifen zum Stehen. Kretschmann und seine Begleiter blieben unversehrt. Aber bei einem Folgeunfall krachte ein anderes Auto in einen Begleitwagen aus Kretschmanns Fahrzeugkolonne. Dabei wurde nach Polizeiangaben der 33-jährige Fahrer schwer und ein einjähriges Mädchen, das auf der Rückbank saß, lebensgefährlich verletzt. Die 29-jährige Beifahrerin erlitt leichte Verletzungen. Grund für das Unfallgeschehen ist den Ermittlungen zufolge Aquaplaning.

Kretschmann hatte zum Auftakt seiner fünftägigen Sommertour durch Baden-Württemberg am Montag eine Reihe von Terminen im Raum Heilbronn wahrgenommen. Zum Abschluss standen der Kulturwanderweg Jagst und der Besuch eines Dorfladens in Jagsthausen auf dem Tagesprogramm. Gleich auf den ersten Kilometern der Rückfahrt, nahe Möckmühl, kam es zu dem folgenschweren Geschehen. Einem Polizeisprecher zufolge war die Fahrbahn der A81 nass. „Kurz vorher hatte es stark geregnet“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung.

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung besteht auf diesem Teil der Autobahn nicht. Aber die Strecke zwischen Heilbronn und Tauberbischofsheim ist dem Polizeisprecher zufolge  „anfällig für Aquaplaning“. Es gebe dort viele Senken und Gefällstrecken, was immer wieder zu Unfällen bei Regen führe. Besonders tragisch war 2018 weiter nördlich zwischen Ahorn und Boxberg eine Karambolage mit vier Toten und fünf Schwerverletzten. Grund sei meistens, dass die Geschwindigkeit nicht den Wetterverhältnissen angepasst sei – weshalb die Polizei nun auch gegen den Fahrer des Dienstwagens und den 33-Jährigen ermittelt.

Kretschmann besetzte am Dienstagvormittag in Tuttlingen noch einen weiteren Termin seiner Sommertour, brach diese dann aber für den Rest des Tages ab. Dem Südwestrundfunk (SWR) sagte er:  „Ich selber und mein Team sind Gott sei Dank unverletzt geblieben und es geht uns gut.“ Er fügte hinzu:  „Meine ganze Sorge gilt den beiden Schwerverletzten. Ich hoffe, dass sie wieder genesen werden und meine Gedanken sind bei ihnen.“ Am Mittwoch will der Regierungschef seine Tour fortsetzen.

Dem Polizeisprecher zufolge ist unbekannt, mit welcher Geschwindigkeit die Regierungskolonne unterwegs war. Als es zu dem schweren Folgecrash kam, befand sich Kretschmann offenbar nicht mehr in seinem Dienstwagen, einer S-Klasse von Mercedes. Er habe sich auf dem Standstreifen etwas weiter vorne aufgehalten, sagte ein Regierungssprecher der dpa. Das Begleitfahrzeug, in das der 33-Jährige mit seinem Seat schleuderte, stand offensichtlich hinter Kretschmanns Dienstwagen auf dem Standstreifen. Es handelt sich um einen Audi.

Der 33-Jährige und das Mädchen wurden mit Rettungshubschraubern in ein Krankenhaus gebracht. Zu den konkreten Verletzungen äußerte sich die Polizei nicht. Den Gesamtschaden bezifferte sie auf rund 130 000 Euro.

Der ADAC warnt gerade in der Sommerzeit mit Gewittern und Starkregen immer wieder vor den Gefahren durch Aquaplaning: Besonders groß sei das Risiko auf stark befahrenen Autobahnen mit Spurrillen, erklärt Christian Schäfer, Technikexperte des ADAC Württemberg. Sein Ratschlag: Fuß vom Gas, auskuppeln und das Lenkrad gerade halten, bis die Reifen wieder Kontakt zur Fahrbahn haben. In einer Kurve sollten die Räder weiter eingeschlagen bleiben und heftige Lenkbewegungen vermieden werden.

In der Dienstlimousine verunglückt


Selten sind Dienstwagen von Politikern in Unfälle verwickelt, es kommt aber immer mal wieder vor. So musste die damalige saarländische Ministerpräsidentin und heutige Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Januar 2018 von der Rückbank aus miterleben, wie ihre Limousine kurz vor dem Autobahndreieck Potsdam auf einen Lastwagen auffuhr. Die CDU-Chefin wurde dabei leicht verletzt. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte vergleichsweise Glück: Er überstand einen Autounfall mit seinem Dienstwagen in Potsdam im Mai 2017 unverletzt. Sein Fahrer soll einen Schwächeanfall gehabt haben. dpa