Stuttgart / dpa Der große Zuspruch auf den Demos gegen Rassismus überrascht Veranstalter und Polizei. Zwischenfälle in Stuttgart.

Weit über zehntausend Menschen haben in Baden-Württemberg gegen Rassismus und Hass demonstriert, ein Vielfaches der angemeldeten Teilnehmerzahl. „Black lives matter“ (schwarze Leben zählen), „Black skin is not a crime“ (schwarze Haut ist kein Verbrechen) oder „Gerechtigkeit für George Floyd“ stand auf den Plakaten. Anlass ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd, der in den USA starb, nachdem ihm ein Polizist ein Knie auf den Hals drückte.

Angekündigt waren die Proteste als stille Demonstrationen. Mit Transparenten und Körpersprache sollten Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden. Still blieb es aber nicht. In Stuttgart gab es Reden, Musik und „black lives matter“-Rufe. Am Abend gab es in der Landeshauptstadt nach der Demonstration Zwischenfälle.

Die Stuttgarterin Nadia Asiamah hatte die „Silent Demos“ angemeldet. „Für mich war es nicht genug, wenn man auf Social Media postet. Man muss mehr dafür tun“, sagte die 22-Jährige. Mehr als 20 „Silent Demos“ wurden es dann am Samstag in ganz Deutschland.

700 Teilnehmer waren in Stuttgart angemeldet gewesen. Tausende strömten in den Schlosspark. In Mannheim kamen rund 6000 Teilnehmer, in Karlsruhe waren es 3000. Darüber hinaus gab es weitere Demos gegen Rassismus unter anderen Mottos, zum Beispiel in Karlsruhe, Tübingen und Konstanz.

„Ich stehe heute hier, weil der Traum von Martin Luther King nicht in Erfüllung gegangen ist“, sagte Demo-Mitorganisator Lionel Njoya in Stuttgart: Rassismus töte. Der von einem Polizisten getötete Floyd, die rechtsextremen Taten in Halle und Hanau, „ist es noch ein Einzelfall, wenn es ständig irgendwo passiert?“, sagte Njoya.

Ein Stuttgarter Polizeisprecher sagte angesichts des großen Andrangs, es sei offensichtlich sehr vielen ein Anliegen gewesen. Eine Auflösung der Demo wäre unverhältnismäßig gewesen.

Nach der Kundgebung am Neuen Schloss hätten sich mehrere Aufzüge formiert, berichtete die Polizei. „Die Stimmung war teils sehr aggressiv.“ Einsatzkräfte seien mit Gegenständen beworfen und Pyrotechnik gezündet worden. Es gab mehrere vorübergehende Festnahmen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte davor, dass Extremisten, vor allem Linke, die Demos für Gewalt gegen die Polizei und den Staat nutzen würden: Vor das Polizeirevier in der Theodor-Heuss-Straße seien mehr als 500 Personen gezogen, hätten an die Türen gehämmert und gerufen „Ganz Stuttgart hasst die Polizei“. dpa/eb