Stuttgart / lsw Ein Therapiehund soll in einigen Monaten tierische Hilfe in den Justizvollzugsanstalten leisten.

Welpe Al Capone hat nichts gemein mit seinem Namensvetter, dem US-amerikanischen Gangster aus den 1920er und 30er Jahren. „Aber er stammt aus einem A-Wurf und wir dachten, das passt“, sagt Sabine Kubinski, Hundeführerin des kleinen altdeutschen Schäferhunds. Al Capone wird in den nächsten Monaten zu einem besonderen Therapiebegleithund ausgebildet. Er soll in der Behandlung und Resozialisierung straffällig gewordener Menschen eingesetzt werden, die oft unsicher sind, wenn es um Bindungen und Vertrauen geht. „Hunde wie Al Capone sind Eisbrecher“, sagt Kubinski.

Ausgebildete Tiere könnten einem Menschen fein zurückmelden, wie er auftrete, wie er wirke und welche Körpersprache er spreche, sagt die Trainerin, in deren Haushalt der elf Wochen alte Welpe aufwächst. Vielen Menschen helfe auch die Nähe zum Hund nach Jahren im Justizvollzug. Es könne sogar sein, dass sie in seinem Beisein Gespräche über unangenehme Themen wie die Tat eher zuließen. Hunde, Pferde, Rinder und auch Tauben werden seit Jahren vor allem in den Justizvollzugsanstalten Adelsheim, Bruchsal, Freiburg und Ravensburg für Therapien eingesetzt.

Al Capones Hundekumpel Watson, ein Golden Retriever, ist in einem anderen Bereich des Stuttgarter Vereins PräventSozial bereits Profi: Seit sechs Monaten wird er als erster vierbeiniger Begleiter für Zeugen bei Gerichtsverhandlungen eingesetzt. Dabei gelingt es ihm nach Einschätzung von Kubinski, Vertrauen und Stabilität zu vermitteln.

Laut Justizministerium wurde Watson bisher für ein Dutzend Verfahren angefragt. Darin mussten vor allem Kinder und Jugendliche bei Vernehmungen auftreten, weil sie Opfer waren oder verwandt mit einem Beteiligten.

Für einen Menschen mit Affinität zu Hunden habe der Kontakt eine positive Wirkung, erklärt Kubinski, die für die Sozialeinrichtung PräventSozial arbeitet. Die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol werde gesenkt, die vom Bindungshormon Oxytocin aktiviert. dpa