Islamistischen Terrorismus in Deutschland verbinden viele Menschen vor allem mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 mit 12 Toten. Weltweit haben sich die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA ins Gedächtnis eingebrannt.

An die Region Ulm/Neu-Ulm denken dagegen die wenigsten, wenn es um gewaltbereite Islamisten, Dschihad-Kämpfer oder Osama bin Ladens fanatische Anhängerschaft geht. Dabei hatten sich die beiden Donaustädte zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einer Keimzelle radikaler Salafisten entwickelt. Von Ulm und Neu-Ulm aus zogen nicht nur junge Männer in den Tschetschenien-Krieg. Hier radikalisierte sich auch Fritz Gelowicz – ein Deutscher aus Ulm, der in seiner Jugend zum Islam übergetreten war.

Der Konvertit wurde später als Anführer der Sauerland-Gruppe verurteilt. Diese Terrorzelle wollte in ihrem Hass auf alles Amerikanische Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland verüben. „Das Ziel war ganz klar, möglichst viele Amerikaner zu töten“, sagt Lokalreporter Hans-Uli Mayer, der den Fall für die SÜDWEST PRESSE begleitet hat.

Die Pläne waren bereits weit fortgeschritten: Als die drei Mitglieder am 4. September 2007 in einem Ferienhaus in Oberschledorn im Sauerland (NRW) festgenommen wurden, hatten sie bereits damit begonnen, Bomben zu bauen. 730 Kilogramm 35-prozentiges Wasserstoffperoxid hatten sie dafür gekauft und gelagert.

Beim Auskundschaften möglicher Ziele waren sie allerdings so auffällig vorgegangen, dass Terrorermittler auf sie aufmerksam wurden – und eine der größten Überwachungsaktionen in der deutschen Fahndungsgeschichte in Gang setzten. Ein Blutbad wurde verhindert, die drei Mitglieder und ein Helfer landeten im Gefängnis.

Warum ausgerechnet die Region Ulm und Neu-Ulm damals eine Hochburg der Islamistenszene war, welche Hintermänner dabei eine Rolle spielten und wie die Spur zur Sauerland-Gruppe verläuft – darum geht es in der vierten Folge von „Akte Südwest“, dem Kriminalpodcast der SÜDWEST PRESSE. Erörtert wird aber auch, wie junge Deutsche in radikal-islamische Kreise geraten und sich selbst zum Fanatiker und „Gotteskrieger“ wandeln und in welchen Einrichtungen sich dieser Wandel vollzog.

In Neu-Ulm war das Multikulturhaus Treffpunkt der Szene, in Ulm das Islamische Informations-Zentrum (IIZ). Hier wurde nicht nur gebetet, sondern für den radikalen Islam und den Dschihad geworben.

Zu Gast ist diesmal Hans-Uli Mayer, Lokalreporter der SÜDWEST PRESSE in Ulm und Experte für islamistische Umtriebe in der Region. Er hat viele Jahre über die Szene geschrieben und als Gerichtsberichterstatter auch den Prozess gegen die Sauerland-Gruppe vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verfolgt. Vom Ulmer Anführer der Terrorzelle und seinen Komplizen konnte er sich also selbst ein Bild machen. All seine Eindrücke und Recherchen fließen in die neue Podcast-Folge ein, bis hin zu einer Einschätzung der Lage heute.

Im Podcast „Akte Südwest“ bereiten wir einmal im Monat einen Kriminalfall aus dem Südwesten auf und sprechen mit Reportern und Experten darüber. Meistens sind das erfahrene Gerichtsreporter aus dem Partnerverbund der SÜDWEST PRESSE. two

Feedback und Kritik nehmen wir gerne per Mail entgegen: podcast@swp.de
Alle Folgen von „Akte Südwest“ finden Sie auf allen gängigen Plattformen  und auf swp.de/akte

Unser Experte für die Islamistenszene


Die vierte Folge von „Akte Südwest“ ist ein Fall für unseren Ulmer Lokalreporter Hans-Uli Mayer. Der Journalist (61) arbeitet seit 31 Jahren bei der SÜDWEST PRESSE und ist vor allem als Polizei- und Gerichtsreporter im Einsatz.  Hinweise von Anwohnern auf eine Razzia in Neu-Ulm im Oktober 2001, wenige Wochen nach 9/11, haben ihn auf das Thema radikale Islamisten in der Region Ulm/Neu-Ulm gestoßen – ein Phänomen, das ihn viele Jahre nicht mehr loslassen sollte.