dpa Baden-Württemberg will das keltische Erbe im Land besser vernetzen und vermarkten. Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski stellt die ersten Leuchtturmprojekte vor. Von Jens Schmitz

Open-Air-Erlebnisse, moderne Museen, eigenes Logo: Das reichhaltige keltische Erbe Baden­-Württembergs soll zum Aushängeschild des Landes werden. Für die Keltenkonzeption der Landesregierung stehen jetzt die ersten Leuchtturmprojekte fest. Sie liegen alle im württembergischen Landesteil. „Wir haben unglaublich ausstrahlungsstarke Fundobjekte und sehr, sehr – ich finde: fast – magische Orte“, sagte Kunst-Staats­sekretärin Petra Olschowski bei der Präsentation der Planungsfortschritte.

Die Heuneburg bei Herbertingen läuft außer Konkurrenz: Als einzige bedeutende Stätte auf Landesgrund wurde sie zum April 2020 vom Landesbetrieb Schlösser und Gärten übernommen. Als einer der international wichtigsten Keltenorte soll sie zu einer zentralen „Erlebniswelt“ ausgebaut werden. Das Museum in Herbertingen soll aufgegeben und mit dem bestehenden Freilichtmuseum des Landes in der angrenzenden Staatsdomäne Talhof weiterentwickelt werden.

Künftige Aushängeschilder müssen aber mehr als nur archäologisch bedeutsam sein. „Es reicht ja nicht aus, den Top-Keltenort zu haben, wenn der völlig abseits liegt“, erläuterte Thomas Hoppe, Referatsleiter für vorrömische Metallzeiten am Württembergischen Landesmuseum. „Es müssen weitere Aspekte hinzukommen wie Erreichbarkeit, touristisches Potenzial und auch die Bereitschaft vor Ort, sich kommunal zu engagieren.“

Durch die Gesamtkosten habe sich der Bund überzeugen lassen, zwei Vorhaben mit insgesamt knapp drei Millionen Euro zu unterstützen, sagte Olschwoski. Die verbleibenden Kosten teilen sich das Land auf der einen, Kommunen und Kreisen auf der anderen Seite jeweils zur Hälfte.

Zusammengefasst unter der Dachmarke „Keltenland Baden-Württemberg“ sollen kleine und große Fundorte oder Museen künftig schon durch ein neues Logo signalisieren, dass das keltische Erbe im deutschen Südwesten ein dichtes Zivilisationsnetz aus gut acht Jahrhunderten erschließt.

Das Markenzeichen ist dem Silberring von Trichtingen nachempfunden. Das ist ein sechs Kilogramm schwerer Halsreif mit Stierkopfenden, der im Württembergischen Landesmuseum verwahrt wird.

Dort hat das Land zwei große Medientische installiert. Über Touchscreens und QR-Codes an den Vitrinen können Besucher nachschauen, was die Erde in ihrer unmittelbaren Heimat freigegeben hat. Im Kelten-Museum in Hochdorf sind Repliken aus dem nahe gelegenen frühkeltischen Prunkgrab ausgestellt.

Am Heidengraben haben die Bauarbeiten für einen fünf Kilometer langen Keltenpfad schon begonnen; er soll von einer eigens entwickelten App begleitet werden. Der Heidengraben ist mit 17 Hektar die größte spätkeltische Befestigung Deutschlands. Neben den Hügelgräbern soll ein modernes Medienzentrum in Form eines Grabhügels entstehen.

Der kegelförmige Ipf im Ostalbkreis gilt als eindrucksvollstes Geländedenkmal im Land. Es gibt hier bereits Nachbauten keltischer Gebäude sowie in der Stadt ein Museum, die modernisiert und um ein Besucherzentrum erweitert werden sollen.

„Die Tapferen“

Die Kelten sind eine Gruppe von Völkern, die vor mehr als 2000 Jahren weite Teile Europas besiedelten. Kelten hinterließen aber keine Schriftzeugnisse. Früheste Texte über sie stammen von griechischen Geschichtsschreibern, die sie „Keltoi“ (die Tapferen) nannten. Erste Zeugnisse einer keltischen Kultur stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus, verschwunden sind die Kelten um Christi Geburt. Ihr Kernsiedlungsgebiet war in Süddeutschland und Ostfrankreich. In Wanderbewegungen und als Eroberer drangen sie bis nach Spanien, Italien, auf den Balkan und nach Kleinasien vor. dpa