Stuttgart / rol Mit zusätzlichen Maßnahmen und Mitteln will Landesregierung den Öko-Landbau massiv ausbauen.

Auf der größten Landwirtschaftsmesse im Südwesten, der Oberschwabenschau in Ravensburg, hatte sich Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) 2019 eine Spitze gegen die Wähler des Koalitionspartners erlaubt: Wenn alle, die 2016 im Land grün gewählt haben, Bio-Produkte kaufen würden, „hätten wir kein Nachfrage-Problem“. Auf 30,3 Prozent sind die Grünen 2016 gekommen, an der Ladentheke liegt der Anteil der Bio-Produkte laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft im Bundesschnitt unter sechs Prozent.

Aber der Anteil steigt stetig. Grüne und CDU im Land sehen darin inzwischen gemeinsam eine große Chance für die heimische Landwirtschaft wie auch für Umwelt und Artenvielfalt. Bis 2030 sollen deshalb mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Südwesten nach den Regeln des Öko-Landbaus bewirtschaftet werden. Derzeit sind es 13,2 Prozent.

Bei der Umsetzung der Pläne soll der weiterentwickelte Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ helfen. „Wir werden niemanden zwingen, Bio zu produzieren oder zu konsumieren“, sagte Hauk bei der Vorstellung der Maßnahmen, für die im Doppel­etat 2020/21 insgesamt 9 Millionen Euro bereitstehen. Vielmehr würden die Rahmenbedingungen für Landwirte  verbessert, die umsteigen wollen.

Neben Förderprogrammen gibt es eine Analyse des Produktions- und Marktpotenzials für Bio-Produkte, Forschungsprojekte, den Ausbau von Bildungsangeboten für den ökologischen Landbau und einen stärkeren Einsatz regionaler Bio-Produkte in den Kantinen von Landesbehörden. Zudem will die Regierung mit einer Imagekampagne für „Bio aus Baden-Württemberg“ werben.

Der Verbraucher sei grundsätzlich bereit, regionale Öko-Produkte zu kaufen, sagte Hauk. „Wir müssen es ihm jetzt halt noch schmackhaft machen.“ Die Kunden müssten aber auch bereit sein, „etwas mehr auf den Tisch zu legen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Das sei eine Frage der Prioritätensetzung.

Während der FDP-Abgeordnete Klaus Hoher der Regierung vorwarf, „planwirtschaftliche Ziele“ auszurufen, begrüßte es der SPD-Abgeordnete Jonas Weber, dass Hauk „endlich“ auf Bio setze. Der Aktionsplan komme „keinen Tag zu früh“, sagte Nabu-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke.

Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau begrüßte die Beschlüsse. Es gebe genügend Landwirte, die einen Umstieg planten, sagte Geschäftsführer Christian Eichert. „Wir müssen keine Werbung am Acker machen, sondern beim Lebensmittelhandwerk und bei den Verbrauchern.“ Roland Muschel