Stuttgart / lsw Angeklagter bestreitet den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er und sein Komplize hätten seine Frau entführt.

Ungläubiges Staunen auf der Richterbank im Landgericht Stuttgart, beim Staatsanwalt und unter den wenigen Zuschauern im Saal. Denn die Aussage des mutmaßlichen Entführers passt überhaupt nicht zu dem, was er in früheren Vernehmungen gesagt hat, und auch nicht zur  Anklage.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Polen vor, er habe seine Partnerin (48) mit Hilfe eines Komplizen (24) acht Tage lang aus dem Rems-Murr-Kreis bis ins Elsass entführt. Er aber sagte im Prozess, die Frau sei zwar zunächst gegen ihren Willen festgehalten worden. Sie sei dann aber freiwillig bei den beiden Männern geblieben und habe trotz ihrer Verletzungen mit ihnen im Wald übernachtet.

Der in Polen lebende Mann hatte die in Deutschland arbeitende Frau und Mutter gemeinsamer Kinder nach eigener Aussage im Juni 2019 in Aspach (Rems-Murr-Kreis) wegen einer Affäre zur Rede gestellt. Als die damals 47-Jährige angefangen habe zu schreien, hätten er und sein Begleiter sie in einer Kurzschlussreaktion zu Boden gerissen und gefesselt.

„Aus Versehen ins Elsass“

Man habe lediglich rund um Aspach fahren wollen, damit sich die Frau beruhige, um sie danach wieder zurück nach Hause zu bringen, sagte der Angeklagte. Aus Versehen und trotz eines Navigationsgeräts sei das Trio mehr als 120 Kilometer entfernt im Elsass gelandet.

Niemand habe ihr gedroht, „weder früher noch später“, sagte der Mann. Er habe die Frau stets wissen lassen, dass sie gehen könne, wenn sie wolle, sagte er auf Polnisch. Kabelbinder, Klebeband und Zelte, Messer und Elektroschocker habe er aus anderen Gründen dabei gehabt.

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders: Die ebenfalls polnische Frau habe sich von ihrem Partner trennen wollen. Der Mann habe daraufhin aus Liebeskummer oder Rache seinen 24 Jahre alten Komplizen und Mitangeklagten überredet, die Frau in ihrer Arbeitspause in Aspach zu überwältigen und ins Elsass zu verschleppen. Die Tat sei detailliert geplant gewesen. Die Frau leide nach wie vor unter starken Angstzuständen. dpa