Von Jürgen Schmidt Eine Biogas-Anlage bei Leonberg steht in Flammen. Für Feuerwehrleute beginnt ein extrem riskanter Großeinsatz. Mehrere Tanks gehen im Laufe der Nacht in die Luft. Von Jürgen Schmidt

Beim Großbrand einer Bioabfall-Vergärungsanlage bei Leonberg westlich von Stuttgart ist gestern ein Sachschaden von 15 bis 20 Millionen Euro entstanden. Einige Feuerwehrleute wurden leicht verletzt.

Es war kurz vor zwei Uhr als bei der Feuerwehr in Leonberg ein Notruf einging. Den hatte ein Autofahrer auf der A8 abgesetzt als er zwischen der Raststätte Sindelfinger Wald und Leonberg einen Feuerschein im Wald gesehen hatte. Dass es sich nicht um einen kleinen Kompost-Brand handelte, wie zunächst vermutet, habe man schon vom Feuerwehrdepot aus sehen können, sagte der Kommandant der Leonberger Feuerwehr, Wolfgang Zimmermann am Mittwoch. Die Feuerwache ist von der Vergärungsanlage, die im Wald direkt an der Autobahn auf einer ehemaligen Bauschuttdeponie liegt, rund fünf Kilometer entfernt.

Als die ersten Einsatzkräfte dort eintrafen, standen sie vor einem verschlossenen Tor, weil der Strom in der Anlage komplett ausgefallen war. „Wir mussten das Stahltor erst aufsägen,“ erklärte Zimmermann. Zu dieser Zeit habe die rund 200 Meter lange Annahmehalle, in der die Bioabfälle gelagert und für die Vergärung aufbereitet werden, schon vollkommen in Flammen gestanden. Der Brand müsse bereits deutlich vorher ausgebrochen sein, meinte der Einsatzleiter. Wann genau lasse sich bisher nicht sagen.

Rätsel gibt den Verantwortlichen des Landkreises  Böblingen auf, dass die Feuerwehr nicht von der Brandmeldeanlage, sondern einem Autofahrer informiert wurde. Wolfgang Bagin, Geschäftsführer des kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebs, vermutet, dass der Brand die Stromversorgung sofort lahmgelegt haben könnte, weshalb auch die Brandmeldeanlage gleich ausgefallen sein könnte.

Offen ist bislang auch, was den Großbrand ausgelöst hat. Die Polizei  geht aber eher von einem technischen Defekt aus, weil es bisher keinerlei Hinweise auf vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung gebe, sagte Mathias Bölle von der  Kripo Böblingen. Die Ermittlungen stünden allerdings noch am Anfang. Und die Halle habe von den Brandermittlern noch nicht betreten werden können, weil die Ruine zu heiß und einsturzgefährdet sei.

Für die mehr als 160 Feuerwehrleute war der Einsatz extrem riskant, weil wegen des Biomethans in der Anlage Explosionsgefahr bestand. Mehrere Tanks gingen im Laufe der Nacht in die Luft. „Es gab eine sehr große Explosion mit einem 50 Meter hohen Feuerball“, berichtete Zimmermann. Dadurch hätten sich einige Feuerwehrleute Hautabschürfungen zugezogen. Das seien aber die einzigen Verletzungen geblieben.

Für die Bevölkerung in den umliegenden Orten habe aber zu keiner Zeit eine Gefahr durch austretendes Gas bestanden, erklärte Landrat Bernhard. Das hätten Messungen in der Umgebung bis in den Nachbarlandkreis Ludwigsburg hinein ergeben. Auch durch den Rauch habe es keine Beeinträchtigungen gegeben, auch nicht auf der unmittelbar an der Vergärungsanlage vorbeiführenden Autobahn. Bewohner der eineinhalb Kilometer  entfernten Mahdentalsiedlung, die zu Leonberg gehört, hatten zwar den Knall der Explosion gehört, aber Rauch und Brandgeruch kam dort fast nicht an.

Der Landkreis Böblingen will die Anlage wieder am gleichen Standort aufbauen. Das 24 Meter hohe Silo für die Vergärung, das  Verwaltungsgebäude und eine weitere, offene Halle haben den Brand weit­gehend unbeschädigt überstanden. Die Hälfte der rund 35 000 Tonnen Biomüll, die jährlich im Landkreis anfallen, soll vorübergehend in einer Kompostierungsanlage im Landkreis Esslingen entsorgt werden. Für den anderen Teil werde man nach Lösungen suchen, kündigte Roland Bernhard an.

Versorgung mit Strom

2300 Haushalte konnten
pro Jahr im Durchschnitt  mit dem Strom versorgt werden, der bislang
in der Bioabfall-Vergärungsanlage bei Leonberg erzeugt wurde. Dazu wurde das Biogas in drei Blockheizkraft­werken in Strom und Wärme umgewandelt.