Heidenheim / Yasmin Fischer Alkohol, Drogen, Kriminalität und Gewalt bestimmten bis vor zwei Jahren das Leben von Mehmet Balik. Im Vorfeld der "Elite-Fight-Night", die am Samstag im Congress Centrum ausgerichtet wird, spricht der Kämpfer offen über seine bewegte Vergangenheit und darüber, wie das Thaiboxen sein Leben verändert hat.

Ein Tag bleibt ihm noch. Ein Tag, um sich auszuruhen nach dem wochenlangen harten Training. Morgen Abend geht die Elite-Fight-Night im Heidenheimer Congress Centrum in eine neue Runde. Und auch Mehmet Balik steigt dann in den Ring. Für ihn ist der Kampf ein weiterer wichtiger Schritt. Denn er möchte eines Tages Weltmeister im Muay Thai werden.

Mehmet Balik, in der Thai-Box-Szene auch „Memo“ genannt, wuchs als Kind türkischstämmiger Eltern behütet in Villingen-Schwenningen auf. „Als ich 19 Jahre alt war, ist mein Vater gestorben. An einem Herzinfarkt. Einfach so von heute auf morgen“, erzählt Memo und senkt seinen Blick zu Boden.

„Das war fies und ich habe vollkommen die Bahn verloren. Mir ging es richtig dreckig“, sagt er und atmet tief ein. „Mein Leben bestand daraufhin aus Alkohol, Drogen und sonstigem Blödsinn. Ich habe nur noch Mist gebaut.“ Er sei in den „falschen“ Freundeskreis abgerutscht. Es kam eine Anzeige nach der anderen. Gefährliche Körperverletzung da, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz dort.

„Ich war mit der Situation völlig überfordert. Und ich hatte niemanden, bei dem ich mich über den Verlust meines Vaters ausheulen konnte. Ich musste stark sein. Für meine Schwester. Und für meine Mum. Ich habe mir meine eigene Welt geschaffen, in der ich den Schmerz kurze Zeit vergessen konnte.“

Seine Karriere als Kämpfer begann dabei, als er 14 Jahre alt war. Zunächst nahm er Boxunterricht. Mit 15 bestritt „Memo“ seinen ersten Kampf und sicherte sich kurz darauf den Titel als Baden-Württembergischer Meister. „Ich war eigentlich immer Sportler. Als mein Vater starb, hat sich das Blatt aber gewendet.“

Sein Vorstrafenregister ist lang. „Ich war aber noch nie im Gefängnis“, betont er. Balik hatte Glück. Seine Straftaten wurden immer zur Bewährung ausgesetzt. „Bis zum 15. September diesen Jahres war ich insgesamt über 14 Jahre hinweg immer und immer wieder auf Bewährung. Damit bin ich jetzt durch“, sagt er. Ein kleines, kaum merkbares Lächeln huscht über die Lippen des tätowierten Mannes, fast so, als wäre er ein bisschen stolz auf sich.

Die vielen Tätowierungen sind etwas Besonderes für ihn. Jede einzelne trägt eine Botschaft. Links und rechts oberhalb der Knie zieren die Zahlen drei und vier seine Beine. „34“ ist das Kennzeichen von Istanbul. Die Heimat seiner Eltern. Am linken Schienbein sticht die Zahl 13 hervor. Diese steht für den Buchstaben ,M‘ im Alphabet.

„Ich war früher ganz anders drauf als heute. Ich bin schnell durchgedreht und habe auf andere draufgeschlagen.“ Heute, so sagt er, könne ihm das nicht mehr passieren. Er sei reifer geworden und habe viel dazugelernt.

Ein verlorener Kampf war für ihn sein Schlüsselmoment. Ein Kampf im Jahr 2012 gegen den Heidenheimer Lokalmatadoren Eugen Skoba. „Ich hatte damals eine ziemlich große Fresse und nichts dahinter. Am meisten habe ich mich über mich selbst geärgert. Nach der Niederlage habe mich in die Ringecke gesetzt und war einfach traurig. Da hat es bei mir Klick gemacht. Seitdem bin ich den Sport viel ernsthafter angegangen.“

Bereits zehn Wochen später wurde Balik Europameister in der Profiklasse A (bis 82 Kilogramm). In den Jahren 2013 und 2014 bestritt „Memo“ fünf Titelkämpfe. „Ich habe davon vier Profi-Titel geholt“, erzählt er stolz. „Der Sport und das harte Training gaben meinem Leben endlich wieder einen Sinn.“

Zu seinen damaligen Freunden brach er den Kontakt völlig ab, konzentrierte sich auf die wesentlichen Dinge und begann damit, sein Leben wieder zu ordnen. Vor wenigen Wochen ist er von Villingen-Schwenningen nach Heidenheim gekommen, um im Elite-Fight-Club zu trainieren.

Gemeinsam mit seinem Trainer Serdar Karaca, dem amtierenden Weltmeister im Muay Thai nach Iska-Version (bis 91 Kilogramm), arbeitet er auf sein eigenes großes Ziel hin, Weltmeister zu werden. Vom Sport alleine kann Mehmet Balik aber nicht leben. Derzeit arbeitet er bei einer Sicherheitsfirma bis er eine Anstellung in seinem eigentlichen Beruf als Maschinen- und Anlagenführer gefunden hat, erzählt er.

„Durch meinen Sport, das Thaiboxen, habe ich vieles gelernt: Disziplin, Durchhaltevermögen und enorme Willenskraft. Die Kraft, um all die Dinge zu ändern, die ich früher falsch gemacht habe“, sagt Balik und fügt an: „Ich bin unglaublich dankbar, dass Elite-Boxing und mein Trainer Serdar Karaca mir diese Chance geben und mich so herzlich aufgenommen haben.“

Am Samstagabend steigt Balik gegen Moe Panzu von der Kickbox-Akademie Heilbronn in den Ring. „Black Mamba“, wie Panzu auch genannt wird, hat während seiner gesamten Karriere mehr als 50 Kämpfe absolviert und musste dabei nur fünf Niederlagen einstecken.

Morgen will der 29-jährige Kämpfer, der ursprünglich aus dem Kongo stammt, die Revanche für seinen verloren Kampf im Mai diesen Jahres, den Balik nach Punkten knapp für sich entscheiden konnte. „Mehmet wird gut vorbereitet sein. Aber ich bin es auch. Ich habe hart trainiert und meinen Stil komplett verändert. Ich habe gute Chancen, den Kampf zu gewinnen“, so Panzu. Aber auch Mehmet Balik ist sich sicher: „Ich werde siegen.“

Bei der „Fight-Night“ wird auch Lokalmatador Maruf Özcan in den Ring steigen, der gegen Konstantinos Zintirdis aus München um den deutschen Jugendtitel nach Iska-Version kämpft. Am vergangenen Wochenende lag Özcan noch mit Verdacht auf Lungenentzündung im Krankenhaus. Zu Wochenbeginn nahm er aber bereits wieder am Training teil. „Im Moment ist es noch sehr anstrengend für mich. Ich bin mir aber sicher, dass ich bis zur Gala wieder hundertprozentig fit bin“, so der 17-Jährige.

Für den Elite-Fight-Club treten außerdem Eugen Skoba und Nico Siller an. Benjamin Tann, der zuletzt vom Verletzungspech gebeutelt war, kämpft um den deutschen Titel im MMA nach Iska-Version.

Gespannt dürfen die Zuschauer auch auf den Kampf des amtierenden Weltmeisters Serdar Karaca sein, der gegen Dirk Müller antritt. Im Mittelpunkt des Turniers steht neben den Titelkämpfen im MMA und im Muay Thai das Vier-Mann-Turnier im Superschwergewicht (bis 95 Kilogramm).

Info Start der „Fight-Night“ ist am Samstagabend um 18 Uhr. Die Hauptkämpfe beginnen dabei etwa gegen 20.30 Uhr.