Das böse M-Wort macht beim VfB wieder die Runde: Machtkampf. Bereits zu Jahresbeginn hatte er getobt, als sich der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzls­perger und der Präsident Claus Vogt darüber stritten, wer denn auf welche Weise den Fußball-Bundesligisten künftig führen solle. Monatelang ging das und wurde vor allem über die Aufklärung der Datenaffäre in der Öffentlichkeit ausgetragen.

Bis heute ist vielen Anhängern unverständlich, warum sich beide nicht zusammenraufen konnten. Klar ist jedoch, dass Vogt als Präsident wiedergewählt wurde, und Hitzlsperger seinen Rückzug als AG-Chef für 2022 angekündigt hat. Und da es hinter den Kulissen beim VfB nun wieder um die Besetzung von Führungsposten und die damit verbundene Richtlinienkompetenz geht, rumort es. Es könnte sich sogar ein neuer Machtkampf ergeben – diesmal zwischen dem Aufsichtsrat der AG und Sven Mislintat. Denn der Sportdirektor hat jetzt das Vorgehen bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand kritisiert. Der Aufsichtsrat möchte sich zu Mislintats Ausführungen jedoch aktuell nicht äußern. Intern wird dennoch intensiv darüber beraten, wie mit der öffentlich platzierten Kritik des Sportdirektors umzugehen ist.

Erfreut sind Claus Vogt und Rainer Adrion, die zusammen mit Bertram Sugg im Aufsichtsrat die Bestellung der neuen Vorstände vorbereiten, jedenfalls nicht. Vogt steckt in seiner Funktion als Chef des Kontrollgremiums gar in einer Zwickmühle. Einerseits ist Mislintat der Mann, der die Stuttgarter sportlich wieder auf ein Erfolgsgleis gesetzt hat. Er ist auch der Kaderplaner, der bei den Fans deshalb große Wertschätzung genießt, und er ist der Transferexperte, durch dessen Personalpolitik der Klub bisher viele Millionen von Euro eingenommen beziehungsweise an Gehältern gespart hat. Geld, das der VfB in der Coronakrise dringend benötigt. Andererseits will sich der Aufsichtsrat nicht vorschreiben lassen, wen er als Sportvorstand zu bestellen hat. Unabhängig von Namen ist das Kontrollgremium außerdem bestrebt, das Ressort „Sport“ auf der obersten Hierarchieebene erneut zu besetzen – und sei es mit einer vierten Person, da Hitzlsperger eine Doppelfunktion hatte. Allein das führt in Zeiten immenser Einnahmeverluste zu Diskussionen. Ein weiterer Vorstandsposten kostet. Weshalb Mislintat dafür plädiert, sich der Sache von der inhaltlichen Seite zu nähern. Er sieht den VfB mit drei Direktoren im Sport stark aufgestellt. Neben ihm kümmert sich Markus Rüdt um die Organisation, Thomas Krücken um den Nachwuchs. Aus dem Trio ließe sich einer nach vorn schieben.

Mislintat selbst legt aber keinen Wert auf den Posten des Sportvorstands. Er will nah an der Mannschaft sein. Weshalb womöglich Rüdt als jemand, der konzeptionell denkt und viel Verwaltungsarbeit erledigt, in Frage kommt. Doch das ist nur die interne Lösung. Von extern wird Joti Chatzialexiou, 45, gehandelt, sportlicher Leiter beim DFB. Er gilt als gut vernetzt und er arbeitet beim Verband seit Jahren konzeptionell. Allerdings fehlt ihm Bundesliga-Erfahrung. Dennoch stand er am Ende eines Auswahlverfahrens, das von einer Beratungsagentur begleitet wurde.

Ein Kommunikationsproblem

Mislintat überzeugt das offenbar nicht. Zudem verwundert es, dass der Aufsichtsrat mit ihm anfänglich zwar gesprochen hat, er jedoch dann nicht einbezogen wurde. Daraus ergibt sich neben der inhaltlichen Diskussion noch ein Kommunikationsproblem. Zumal Mislintat seine jetzt öffentlich geäußerte Kritik zuvor direkt bei Vogt und Adrion, die auch im VfB-Präsidium sitzen, vorgebracht haben soll.

Gehört wurde der Sportdirektor bislang nicht richtig, aber vor den Kopf gestoßen. Jetzt kämpft er um den neu gebauten VfB, und Vogt fällt die Rolle des Vermittlers zu. Schließlich soll der Sportdirektor dem Klub erhalten bleiben und ein möglichst starker Vorstand installiert werden. Wozu in erster Linie ein passender AG-Chef gefunden werden soll. Mit ihm ließe sich vielleicht eine neue Lösung erarbeiten, die einen harten Machtkampf erspart.

Die wieder drohenden Geisterspiele machen Angst


Thomas Hitzlsperger sieht die wahrscheinliche Rückkehr von Geisterspielen in Baden-Württemberg mit großer Sorge. Sollte eine entsprechende Ankündigung der Landesregierung umgesetzt werden, hätte das finanziell „große Auswirkungen“ auf den VfB Stuttgart, sagte der Vorstandschef des Fußball-Bundesligisten im SWR.

Der 39-jährige Ex-Nationalespieler und langjährige VfB-Profi gibt zu bedenken: „Wir sind ein großer Verein. Wir haben eine große Stadionkapazität und sind auch abhängig von den Ticketing-Erlösen. Wenn die wegbrechen, dann spüren wir das sehr deutlich. Deswegen sind Geisterspiele für uns wirklich auch dramatisch.“ Auch weitere Gedanken hat sich Hitzlsperger gemacht:  „Ich kann natürlich verstehen, dass es dafür Gründe gibt, aber ich würde schon hoffen, dass es auch noch etwas dazwischen gibt, zwischen Voll­auslastung und Spielen ohne Zuschauer.“ dpa