Jetzt kommt der „Greek Freak“! Vor dem mit Spannung erwarteten Viertelfinal-Duell mit Griechenland um Superstar Giannis Antetokounmpo hat Bundestrainer Gordon Herbert aber keine Angst. „Wir glauben nicht, dass unsere Reise endet“, sagte der selbstbewusste Herbert vor dem Duell am Dienstagabend (20.30 Uhr/Magentasport) in Berlin.

Die Zuversicht wurde am Montag gestärkt. Die Verletzung von Jungstar Franz Wagner scheint doch nicht so schlimm zu sein. Zwei Tage nachdem er beim Sieg gegen Montenegro umgeknickt war, verwandelte er im Training munter Würfe und sprintete über das Feld. Trotzdem packte Herbert wieder martialische Worte aus: „Das ist das Turnier der Überlebenden.“ Wagner firmiert noch unter der Rubrik „verletzt“. Ebenso wie Nick Weiler-Babb (Schulter), und der erkältete Johannes Voigtmann.

Größte Herausforderung

„Wenn du was erreichen willst, musst du gegen die besten Teams gewinnen. Das wird eine geile Challenge sein, wir nehmen das mit Stolz“, sagte Dennis Schröder. „Es geht darum, Giannis zu kontrollieren. Ich weiß nur noch nicht wie“, sagte Herbert mit einem süffisanten Grinsen. Die Kreise von Superstar Antetokounmpo einzuengen, ist zweifellose die größte Herausforderung. 

Antetokounmpo ist selbst in der Hochglanzliga NBA eine Ausnahmeerscheinung. „Er hat eine Gewinner-Mentalität, die er über Jahre in der NBA bringt. Es wird für mich eine Herausforderung“, sagte Schröder über den 27-Jährigen von den Milwaukee Bucks, der unter dem Namen „The Greek Freak“ bekannt ist. Mehrere Spieler werden herhalten müssen, um die 110 Kilo schwere Naturgewalt aus dem Rhythmus zu bringen – oder es zu versuchen. „Es ist bei ihm wie bei LeBron James. Im Endeffekt musst du versuchen, die anderen herrunterzuschrauben. Giannis zu stoppen, ist fast unmöglich“, sagte Schröder.

Eine weitere Möglichkeit ist die Zonen-Verteidigung, die Tschechien am Sonntag lange erfolgreich praktizierte. Antetokounmpo ist aber nicht nur offensiv dominant, sondern zählt auch defensiv zur absoluten Elite.

Es fehlen die Fans

„Es wird eines der schwierigsten Spiele für uns“, sagte Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, der unter dem Korb wohl direkt mit Antetokounmpo konfrontiert sein wird. „Wobo“ nennt den Führungsspieler der Griechen „einen der härtesten Brocken“ im Basketball und lobt: „Seine Athletik ist von einem anderen Stern.“ Antetokounmpos große Baustelle aber ist der inkonstante Wurf, den er oft mit seinem Tempo, seiner Wucht und seiner Athletik zu kompensieren versucht.

Sollten die Deutschen die Überraschung schaffen, wären Spanien oder Finnland der Halbfinal-Gegner. Das ist machbar. Topfavorit Serbien ist raus. Gelingt der Coup gegen Griechenland, wäre sogar der Titel möglich. Die Begeisterung des Teams ist schon weltmeisterlich, außerhalb der Basketball-Blase ist sie nicht so groß. Auch einen Tag vor dem Viertelfinale gar es noch reichlich Karten zu kaufen. dpa

Ein Mann dreht durch


Abgang Mitte des dritten Viertels im Achtelfinale gegen Serbien flog Italiens Trainer Gianmarco Pozzecco nach einem seiner unzähligen emotionalen Ausbrüche vom Feld. Daraufhin ging er nicht, sondern herzte erst unter Tränen sein Team und verabschiedete sich per Handschlag von den Serben.

Wende Eine halbe Stunde später hatte Italien die Partie gedreht und beim 94:86 über den Favoriten für eine der größten Überraschungen der EM gesorgt. „Wir haben die Welt geschockt wie Muhammad Ali. Vielleicht ist das der größte Sieg in der Geschichte des italienischen Basketballs“, sagte Pozzecco in den Katakomben.

Durchgedreht Zuvor hatten ihn mehrere Ordnungskräfte sowie sein Profi Nicolo Melli nur mit allergrößter Not zurückhalten können, als er vor dem Abpfiff mit aller Macht aufs Feld wollte. Pozzecco kniete dann jubelnd am Boden und brüllte, rannte durch den Kabinengang.

Kontrolle „Wir lieben ihn alle. Wir müssen ein wenig seine Emotionen kontrollieren“, kommentierte Aufbauspieler Marco Spissu. Der 49 Jahre alte Ex-Profi sei so verrückt, dass er am liebsten immer noch selbst spiele.