Joachim Löw muss erst einmal mit „gemischten Gefühlen“ leben, sein Spieler gehen mit reichlich Frust zurück zu ihren Vereinen. Die Auftritte gegen Spanien und nun auch in der Schweiz wirkten wie vieles in der nervenden Corona-Zeit – wie Gourmet-Essen in einer leeren Bahnhofshalle aus der Dose. Der Geschmack ist ab und an zu erahnen, der Genuss aber fehlt.

„Manche Dinge haben gut geklappt, aber es gab auch andere Phasen“, sagte der Bundestrainer zu den Erkenntnissen einer speziellen Woche mit der deutschen Nationalmannschaft mit zwei 1:1-Unentschieden gegen Spanien und die Schweiz.

Sein Personal wählte teilweise drastischere Worte. „Ich bin auch ein bisschen angepisst“, sagte Ilkay Gündogan, der Schütze des 1:0 gegen die Schweiz. Wie schon drei Tage zuvor in Stuttgart gegen Spanien verspielte das DFB-Team im St. Jakob-Park von Basel den Vorsprung und wartet nach sechs Partien in der Nations League weiter auf den ersten Sieg.

Für Löw sind auf dem Weg zur EM-Mission 2021 die Ergebnisse zunächst zweitrangig. Im kommenden Sommer und noch nicht jetzt will er ein harmonisierendes, widerstandsfähiges und taktisch variables Ensemble auf den Rasen bringen. Dafür wagt er wie gegen die Schweizer, die sich ihrerseits an Europas Spitze herantasten, sogar ein paar fast verrückte Experimente. Löw ließ konsequent Mann gegen Mann spielen und den Gegner schon in seinem Strafraum attackieren.

Weiter an seinem EM-Plan arbeiten kann Löw erst wieder Anfang Oktober, wenn er seinen Kader zu den nächsten Nations-League-Aufgaben in der Ukraine und in Köln zum Rückspiel gegen die Schweiz zusammenzieht. Seine Überlegungen zum nächsten Länderspiel-Fenster, das auch noch ein Freundschaftsspiel in Köln gegen die Türkei mit einschließt, lassen erahnen, dass sich an der Gesamtsituation wenig ändern wird. Zumal auch die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien fraglich bleibt. „Es sind drei Spiele, das macht es nicht einfacher“, sagte Löw mit Hinweis auf die Belastungsproblematik: „Wir müssen wahrscheinlich einen großen Kader nominieren. Man muss einteilen und aufteilen.“

Heißt: Es wird quasi auch ein Team Deutschland II geben, in dem dann mögliche EM-Ergänzungsspieler ihre Chance bekommen. Das Beispiel Robin Gosens, der als Neuling mangels Alternativen auf der linken Außenbahn gleich zweimal voll gefordert war, zeigt aber auch deutlich, wie schwer das von Löw geforderte Topniveau im DFB-Team zu erreichen ist. dpa