Tägliche Schnelltests, noch mehr PCR-Tests – und das alles wegen eines Abendessens mit Freunden: Der bodenlose Leichtsinn von Mittelfeldspieler Dejan Kulusevski sorgt im EM-Kader Schwedens für Hektik und Verständnislosigkeit. In  Mattias Svanberg hat der Profi von Italiens Rekordmeister Juventus Turin bereits einen Teamkollegen angesteckt, weitere Infektionen bei den Skandinaviern sind nicht auszuschließen.

Das Thema Corona ist kurz vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft wieder aktuell. Nicht nur bei der schwedischen Mannschaft. Auch bei anderen Teams wird der Kampf gegen das Virus zu einem Wettlauf gegen die Zeit. So bei den Fußballern Spaniens. So schnell wie möglich möchte Trainer Luis Enrique seine Spieler impfen lassen. Eine Einigung mit den Behörden freilich steht noch caus. Am Sonntag reist die Delegation vom EM-Quartier Las Rozas de Madrid ins heiße Sevilla, wo am Montag (21 Uhr/ZDF und Magenta TV) das Auftaktspiel gegen Schweden ansteht. Den beiden Teams also, die zuletzt von der Corona-Problematik besonders betroffen waren.

Womöglich kann Luis Enrique aber schon früher mit einem seiner Profis planen, die wegen eines positiven Corona-Befundes das Camp umgehend verlassen und sich in Quarantäne begeben mussten. Bei Diego Llorente fielen die weiteren Tests negativ aus. Der Verband sieht Anzeichen, dass es sich bei dem ersten Befund um ein falsch-positives Ergebnis handelt. Ist dem so, könnte der Profi von Leeds United schon am Freitag wieder an den Trainingseinheiten teilnehmen. Zudem kann der schon am Sonntag nach einem positiven Test abgereiste Kapitän Sergio Busquets in seiner Isolation in Barcelona trainieren. Er zeige keine Symptome, betonte Enrique.

Dennoch hat der spanische Trainer eiligst einen Parallelkader von 17 Spielern zusammengetrommelt. „Wir haben einen klaren Plan B. Wir hoffen aber, dass wir den nicht umsetzen müssen.“ Die Notreserve soll auch eine solche bleiben.

„Es ist eine unangenehme, eine beschissene Situation, aber wir werden es durchstehen“, sagte der neue Kapitän Jordi Alba, der die Binde von Busquets übernommen hat: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als normal weiter zu arbeiten und unseren Weg zu gehen“

Weniger gelassen ist die Stimmung in Schweden. Ein Video in den sozialen Medien, offenbar aufgenommen am 31. Mai, zeigte Kulusevski in einer Wohnung mit mehreren Personen. Wie Nationaltrainer Janne Andersson berichtete, habe es auf eine Einladung von Kulusevskis Schwester ein privates Abendessen mit einigen Freunden gegeben, die kurzfristig dazu stießen. „Das sollte eine kleine Überraschung sein, war aber keine gute Entscheidung“, erklärte der Nationalcoach, der zumindest beim ersten Gruppenspiel wohl auf Kulusevski und auch Svanberg, der beim FC Bologna unter Vertrag steht, verzichten muss.

Bis zum ersten Anpfiff können die Skandinavier nur hoffen, dass keine weiteren Ausfälle hinzukommen. Um dies zu erreichen, gibt es im Trainingslager in den Innenräumen keine gemeinsame Aktivitäten mehr. Taktiksitzungen werden in kleineren Gruppen abgehalten, bei Übungsformen auf dem Platz wird auf größere Abstände geachtet. sid/dpa

Fanzonen trotz steigender Inzidenz


In Russland soll trotz rasant steigender Corona-Zahlen in Moskau eine Fanzone öffnen. Am Olympiastadion Luschniki können sämtliche EM-Spiele live verfolgt werden. Wegen der Pandemie seien die Plätze aber begrenzt, deshalb sei vorher eine Online-Anmeldung erforderlich. Nach Angaben der Behörden in Moskau wurden am Donnerstag mit mehr als 5000 Neuinfektionen so viele neue Fälle gemeldet wie seit Januar nicht mehr.

Landesweit steigen seit Tagen die Infektionszahlen deutlich, obwohl das Land über drei eigene Impfstoffe verfügt. Die Impfbereitschaft hält sich in Grenzen. Fanzonen gibt es neben der EM-Spielstadt St. Petersburg auch in Sotschi oder Samara südöstlich von Moskau.