Noch herrscht Ruhe an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt. Jedenfalls auf dem Trainingsplatz der Bundesliga-Profis. Die meisten Spieler des VfB Stuttgart genießen die letzten Urlaubstage. Am Wochenende beginnen die Leistungstests, und am Montag erfolgt der offizielle Vorbereitungsstart für die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo. Die Fans werden sich dann umsehen – nach neuen und alten Gesichtern. Und bislang müssen die VfB-Anhänger zur Kenntnis nehmen, dass ihr Lieblingsklub als einziger Erstligist weder auf der Aufnahme- noch auf der Abgabeseite einen Namen stehen hat. Aktuell ist nun immerhin die mögliche Verpflichtung des Rechtsverteidigers Josha Vagnoman, 21, vom Zweitligisten Hamburger SV im Gespräch.

Grund zur Unruhe ist dieses vorläufige Alleinstellungsmerkmal allerdings nicht. Die Stuttgarter wissen um ihre komplexe Kadersituation – und der Transfersommer ist lang. Für den VfB beginnt er sogar erst noch. 20 Millionen Euro an Transferüberschuss soll Sportdirektor Sven Mislintat erzielen, um überhaupt wieder in das Team investieren zu können. Bedeutet: Erst Spieler verkaufen, dann kaufen. Dabei hängen die teuren und abwanderungswilligen Kandidaten Borna Sosa, Sasa Kalajdzic und Orel Mangala weiter in der Warteschleife. Doch nichts zu tun, ist keine Option. Nach Informationen dieser Zeitung hat Mislintat bestimmten Spielern ein Schild umgehängt: im Grunde unverkäuflich. Dazu gehören die Abwehrspieler Waldemar Anton und Konstantinos Mavropanos. Ebenso die Japaner Wataru Endo und Hiroki Ito. Sie bilden das weiß-rote Stabilitätsquartett, und es müsste Mislintat schon ein unmoralisch hohes Angebot auf den Schreibtisch flattern, um den Sportchef über ein Aufschnüren nachdenken zu lassen.

Bislang ist beim VfB keine konkrete Offerte eingegangen. Weder für Mavropanos, der fest vom Arsenal London verpflichtet wurde und über einen Vertrag bis 2025 verfügt, noch für Sosa. Der FC Chelsea soll laut Medienberichten erneut um den Linksverteidiger buhlen und 28 Millionen Euro Ablöse bieten. Diese Summe würde der VfB nehmen, müsste er auch, da sie dem 24-Jährigne zugesichert haben, dass er Stuttgart verlassen kann – für 25 Millionen Euro. Doch außer dem vermeintlichen Interesse ist nichts hinterlegt. Das gilt ebenso für Kalajdzic. Der Österreicher wird zwar nach wie vor mit Bayern München und Borussia Dortmund in Verbindung gebracht, aber der Mittelstürmer stellt für diese Klubs nicht die Königspersonalie dar. Weshalb es ihn doch nach England zieht?

Und auf Mangala hatten Nottingham Forrest, Atletico Madrid und der SSC Neapel ein Auge geworfen. Doch im Saisonendspurt kam der belgische Nationalspieler kaum zum Zug. Viele lose Fäden hängen da also auf dem Transfermarkt herum. Und der VfB ist weiter bemüht, seinen Kader zu verkleinern.  28 Spieler sollen es am Ende sein. Weshalb über den Verkauf von Philipp Förster an den VfL Bochum verhandelt wird.

Zu klären gilt es ebenso, wie es mit Philipp Klement weitergeht. Die Leihe beim SC Paderborn ist abgelaufen, der Zweitligist will den Mittelfeldspieler jedoch halten. Der 1. FC Nürnberg soll ebenfalls Interesse an dem 28-Jährigen haben. Dem VfB käme ein Verkauf zupass, da der Vertrag (läuft noch bis 2023) nicht mehr verlängert werden soll.

Geht Klimowicz in die USA?

Bleibt abzuwarten, wie es mit den Talenten  weitergeht. Mateo Klimowicz wird mit dem Charlotte FC aus der Major League Soccer in den USA in Zusammenhang gebracht. Eine Leihe mit Kaufoption erscheint denkbar. Aber der FC Elche (Primera Division/Spanien) und Smapdoria genua (Seria A/Italien) sind ebenfalls an dem 21.jährigen Techniker dran.

Zurück in die Heimat soll es für Defensivspieler Clinton Mola gehen. Doch noch ist nichts konkret in England. Auch für Roberto Massimo hat sich bisher noch kein neues Arbeitsfeld aufgetan. Der Flügelmann soll wie Antonis Aidonis, Maxime Awoudja (neue Klubs werden gesucht) und Leo Münst (FC St. Gallen/siehe Infobox) von einer Ausleihe profitieren. Viel zu tun. Mit der Ruhe auf dem VfB-Gelände könnte es also schon bald vorbei sein.

Talent auch weiterhin beim St. Gallen


Leonhard Münst wird vom VfB Stuttgart weiterhin an den FC St. Gallen ausgeliehen. Das Geschäft wurde jetzt verlängert. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler bleibt bis 30. Juni 2023 in der Schweiz, wie der Club aus der Super League am Donnerstag bekanntgab. Münst steht beim VfB, für den er bislang nur in der Jugend und der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, bis Sommer 2025 unter Vertrag. Bei St. Gallens erster Mannschaft absolvierte er in der Vorsaison zehn Pflichtspiele, ehe ihn ein Knöchelbruch außer Gefecht setzte.