Max Verstappen, dieser schnurgerade Typ mit nicht immer mehrheitsfähiger Meinung, übt sich ausgerechnet in der besten Phase seiner Karriere in Zurückhaltung. Er komme „gut mit Lewis Hamilton aus“, beteuerte der Red-Bull-Pilot. Überhaupt könne er mit Psychospielchen wenig anfangen, „aber die Formel 1 liebt das natürlich“.

Wie gut, dass Verstappen eine Teamführung hat. So stichelte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko vor dem dritten Saisonrennen in Portimao Richtung Serienweltmeister Mercedes: „Sie hatten keine kontinuierliche Gegnerschaft, die ist jetzt mit Red Bull und Max da. Und menschlich verständlich, führt das zu Reaktionen.“ Dies bedeute, „dass wir den Druck konstant aufrechterhalten müssen, wenn nicht sogar erhöhen.“ RB-Teamchef Christian Horner sieht Mercedes beim Großen Preis von Portugal (Sonntag, 16 Uhr/Sky) zwar in der Favoritenrolle, doch auch der Brite hielt sich mit einer Spitze nicht zurück. Hamilton habe Mitte April in Imola „ziemliches Glück“ gehabt, nach seinem Ausrutscher im Nassen noch auf Rang zwei hinter Verstappen vorgefahren zu sein und die WM-Führung um einen Punkt gerettet zu haben.

Erinnerungen an 2016

Zuletzt stand der amtierende Weltmeister aber wohl 2016 so unter Druck, als er in einem giftig geführten Stallduell Nico Rosberg den Titel überlassen musste. „Er muss jetzt mehr ans Limit gehen, um überhaupt mit Verstappen mithalten zu können, um im Titelkampf zu bleiben“, sagte Sky-Experte Ralf Schumacher. Für Ferrari-Pilot Charles Leclerc ist Verstappen gar schon Titelfavorit: „Red Bull ist gewachsen und scheint stärker als Mercedes zu sein. Max kann gewinnen, weil er großes Talent hat.“

Außer Frage steht aber, dass Hamilton aus einem nicht mehr haushoch überlegenen Boliden extrem viel herausholt. So hielt der siebenmalige Weltmeister in Bahrain den schnelleren Verstappen hinter sich und raste in Imola mit komfortablem Vorsprung zu seiner 99. Pole Position. sid