Mohamed Sankoh ist seit Samstag und seinem Debüt bei RB Leipzig (0:2) der drittjüngste Spieler in der Bundesliga-Historie des VfB Stuttgart. Und das soll nur der Anfang gewesen sein für den Offensivspieler – der erste Schritt, sich einen Namen zu machen. Als der VfB Stuttgart Anfang August 2020 die Verpflichtung von Mohamed Sankoh von Stoke City bekannt gab, kannten den Niederländer nur eingefleischte Experten. Ein 16-jähriger Stürmer für den Nachwuchsbereich eben.

Doch in der Fußballszene sorgte der Wechsel für Aufsehen. Schließlich war Sankoh erst ein Jahr zuvor U-17-Europameister mit den Niederländern geworden, Topclubs wie der FC Chelsea und Atletico Madrid hatten lukrative Angebote hinterlegt. Hinter Thomas Krücken, dem Chef des Stuttgarter Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), lagen da bereits sechs intensive Wochen. So lange hatte er um das Talent geworben, ehe er es schließlich langfristig und ablösefrei unter Vertrag nehmen konnte.

Dabei gab es noch kurz vor der Vertragsunterschrift einen kniffligen Moment zu überstehen. Als Krücken Sankoh, der mit einer kompletten Entourage aus Familie und Beratern angereist war, eröffnete, dass man noch einige Leistungstests zu absolvieren gedenke, sorgte das bei dessen Agenten für gewaltiges Stirnrunzeln. Gab es etwa an der Fitness ihres Klienten etwas auszusetzen?

Adresse für Toptalente

Schließlich war es Sankoh, der seine irritierten Berater überstimmte und unbedingt die Leistungsdiagnostik absolvieren wollte. Eine Anekdote, die gut aufzeigt, wie sehr der Spieler zu diesem Zeitpunkt vom Weg überzeugt war, den man ihm beim VfB aufgezeigt hatte. Dieser bedingte, beim VfB zuerst in der U­ 19 zu starten, obwohl er in England bereits für die U23 von Stoke City zum Einsatz gekommen war. „Das war für ihn überhaupt kein Problem“, sagt Krücken.

Für den VfB sind Transfers wie dieser und die zuletzt getätigten von Alou Koul und Ömer Beyaz eine Bestätigung dafür, dass man wieder zu einer Adresse für Toptalente geworden ist. Seit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat die Geschicke leiten, besinnt sich der Club auf seine DNA. „Jung und wild“ wird nicht nur auf Broschüren und ins Stadionheft gedruckt, sondern gelebt. Der VfB wird zur Drehscheibe für Toptalente, die ihn als Sprungbrett für große Karrieren nutzen.

Das Sprungbrett U 19 nutzte Sankoh, es folgte die Beförderung in den U-21-Kader von Coach Frank Fahrenhorst. In der Regionalliga sah man für ihn die besten Möglichkeiten der Weiterentwicklung unter Wettkampfbedingungen. Sankoh hatte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten und legte los wie die Feuerwehr. Mit seiner Durchsetzungsfähigkeit, seinem Torriecher und seiner Schnelligkeit erarbeitete sich der Angreifer schnell einen gewissen Ruf. Neun Tore und drei Vorlagen in 15 Spielen lautete seine Bilanz, darunter eine Galavorstellung mit vier Toren und einer Vorlage gegen den TSV Schott Mainz.

Zusammenspiel klappt

Seit Wochen warteten die VfB-Fans ungeduldig auf eine Nominierung für den Profikader, zumal Sankoh immer wieder beim Bundesliga-Team mittrainieren durfte. Nun wurde Sankoh in Leipzig in der 74. Minute für Sasa Kalajdzic eingewechselt. Ein Meilenstein in der Karriere des Youngsters. Und für Sportchef Sven Mislintat ein Zeichen dafür, dass das „Zusammenspiel von Scouting, Entwicklung im Nachwuchsleistungszentrum und Arbeit an der Schnittstelle zu den Profis hervorragend funktioniert“.

17


Jahre, 6 Monate und 9 Tage war Sankoh bei seinem Bundesliga-Debüt alt. Damit belegt  er auch in der VfB-Historie einen Spitzenplatz: Lediglich Timo Werner und Antonis Aidonis waren noch jünger.