Knapp drei Wochen nach Schließung des Transferfensters ist Sven Mislintat noch einmal eine Überraschung gelungen. Überraschend kommt die nahende Verpflichtung von Dan-Axel Zagadou allemal, ob sie sich als Coup erweist, steht in den Sternen. Fest steht: Der frühere Abwehrspieler von Borussia Dortmund wird Anfang der Woche zum Medizincheck in Stuttgart erwartet. Vorbehaltlich der sportmedizinischen Untersuchung und der Zustimmung des Aufsichtsrates bekommt der auf einen Abstiegsplatz zurückgefallene Fußball-Bundesligist damit noch einmal Verstärkung für seine Defensive, die sich am Samstag beim 1:3 (0:1) gegen Eintracht Frankfurt als wenig stabil präsentierte.

Zwar machte sie in Summe über die 90 Minuten nicht viele Fehler. Aber eben entscheidende. Zwei unnötige Fouls von Waldemar Anton und Konstantinos Mavropanos, die zu zwei Freistößen und in der Folge zu zwei Gegentoren führten, bei denen der zuletzt so starke Torhüter Florian Müller keine glückliche Figur abgab und bei denen die komplette Hintermannschaft im Kollektiv schläfrig verteidigte. Mislintat erkannte folgerichtig: „Bei drei Standardgegentoren wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen.“

Vor allem, wenn das erste einmal mehr die Mannschaft früh ins Hintertreffen bringt. Dieses Mal nach sechs Minuten durch einen krummen Kopfball von Sebastian Rode. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison kam der Gegner hellwach aus der Kabine, drängte früh aufs erste Tor, konnte sich nach getaner Arbeit zurückziehen und schauen, was der VfB anzubieten hatte. Nicht sonderlich viel. „Heute hat einiges bei uns gefehlt“, stellte Waldemar Anton ernüchtert fest.

Chris Führich scheiterte mit einer Großchance für den VfB an Frankfurts Keeper Trapp (14.). Ansonsten wurden die Schwaben nicht so richtig gefährlich. Den Aktionen fehlten Präzision und Ideen. Daichi Kamada erhöhte kurz nach der Pause auf 2:0 für die Hessen. Tiago Tomas brachte den VfB zwar auf 1:2 heran (79.). Dann aber machte Kristian Jakic (88.) im Anschluss an eine Ecke alles klar.

Die mögliche VfB-Neuverpflichtung Zagadou dürfte nun Bewegung in die feste Stuttgarter Abwehrformation bringen. Denn dass der 23-Jährige die Fähigkeiten eines weit überdurchschnittlichen Bundesliga-Profis aufbringt, hat er in seiner Zeit bei Borussia Dortmund (2017 bis 2022) unter Beweis gestellt. Der Franzose ist nicht nur aufgrund seiner Größe von 1,96 Metern ein echter Abwehrschrank. Er verfügt zudem über einen feinen linken Fuß und ist schnell. Dumm nur, dass er in seinen fünf Jahren beim BVB nur 95 Spiele bestritt und fast ebenso viele aufgrund diverser Verletzungen verpasste. Weshalb der Vertrag im Sommer auch nicht verlängert wurde. Seither war Zagadou auf Vereinssuche.

Ob der Innenverteidiger der Stuttgarter Defensive stabilisieren kann? Wird eine der wichtigen Fragen für den zweiten Teil der Hinrunde sein, die nach der Länderspielpause mit dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (1. Oktober) ihre Fortsetzung findet. Der Stuttgarter Sportchef sieht in der Defensive kein grundsätzliches Qualitätsproblem.

Wenn, dann ein Quantitätsproblem. Dass sein Team im fünften von sieben Spielen mit 0:1 in Rückstand geriet und erstmals in dieser Saison drei Gegentore fing, hängt laut Mislintat in erster Linie damit zusammen, dass „die Mannschaft nicht übers Verteidigen kommt, sondern immer einen offensiven Ansatz wählt. Was dazu führt, dass wir vielleicht mehr anbieten als andere.“

Zumindest in den Heimspielen der Stuttgarter lässt sich dies anhand einer besorgniserregenden Statistik ablesen. Das letzte Heimspiel ohne Gegentor datiert vom 4. April 2021, einem 1:0 gegen Werder Bremen. Es folgten für den VfB insgesamt 25 Partien in Folge, in denen der Gegner mindestens einmal traf.

Nach Platzsturm werden 15 000 Euro fällig


6 Spieler aus dem Bundesliga-Kader des VfB sind auf Länderspielreise. Wataru Endo und Hiroki Ito spielen mit Japan in Düsseldorf gegen die USA und Ecuador. Konstantinos Mavropanos spielt mit Griechenland gegen Zypern und Nordirland, Borna Sosa mit Kroatien gegen Dänemark und Österreich, Serhou Guirassy mit Guinea gegen Algerien und die Elfenbeinküste. Laurin Ulrich ist für die deutsche U 18 im Einsatz, Thomas Kastanaras für die U 20 des DFB. Der Stürmer feierte am Samstag sein Bundesliga-Debüt.

15 Tausend Euro Strafe muss der VfB wegen des Platzsturmes seiner Fans nach dem Last-Minute-Klassenerhalt am
34. Spieltag der vergangenen Saison im Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Das DFB-Sportgericht hat eine Berufung des Klubs gegen die Strafe zurückgewiesen, wie der VfB mitteilte. Das Urteil ist nicht weiter anfechtbar.