Ulm/Stuttgart / Carsten Muth Erst in Kiel, dann gegen den HSV: Für das teuerste Team der zweiten Liga geht es in den kommenden Tagen fast schon um alles. Es gilt, sich einen direkten Aufstiegsplatz zu sichern. Von Carsten Muth

Die Spannung steigt, der Erwartungsdruck auch. Acht Spiele bleiben dem VfB Stuttgart noch, um die direkte Rückkehr in die Bundesliga zu realisieren. Um das Ziel zu erreichen, muss sich der ambitionierte Zweitligist allerdings deutlich steigen. Nach der schmerzlichen 1:2-Last-Minute-Niederlage beim abstiegsbedrohten SV Wehen-Wiesbaden am vergangenen Wochenende ist Platz zwei für den VfB zunächst mal futsch. Dort steht nun der punktgleiche Hamburger SV.

Die Schwaben befinden sich auf dem Relegationsplatz drei. Für sie beginnen nun die Tage der Wahrheit. Am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und Sky Sport News HD) muss der in dieser Saison bislang unerklärlich auswärtsschwache VfB bei Holstein Kiel ran. Am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr) steht dann das Topspiel in heimischer Arena an. Gegner im Geisterspiel ist Konkurrent HSV. Dann könnte eine Vorentscheidung im Aufstiegsrennen fallen.

Stuttgarts Coach Pellegrino Matarazzo weiß deshalb, was die Stunde geschlagen hat, dass die Zeit immer knapper wird. Ungewohnt deutlich und mit klarer Stimme richtete der 42-Jährige am Freitagmittag in einer per Livestream übertragenen Video-Pressekonferenz einen Appell an seine Profis. „Es geht in erster Linie um das Bewusstsein. Wir müssen verstehen, um was es geht, was wir brauchen“, betonte Matarazzo. Und: „Es muss uns bewusst sein, dass wir nicht nur durch unsere Qualität Spiele gewinnen.“

Wiedergutmachung in Kiel

Es ist in Kiel also Wiedergutmachung angesagt nach der Enttäuschung in Wiesbaden. Ganz klar: Für den VfB zählt im hohen Norden nur ein Sieg: „Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir ein Erfolgserlebnis haben am Sonntag. Wir brauchen drei Punkte, wir brauchen eine gute Leistung“, betonte der ernst dreinblickende Trainer.

Beim Underdog in Wiesbaden ließen sich die Stuttgarter, die sich den teuersten Kader der Liga gönnen, mit zunehmender Spieldauer den Schneid abkaufen. Matarazzos Team kam mit dem Widerstand des auf Konter lauernden Gegners nicht zurecht. Was Sportdirektor Sven Mislintat, eigentlich ein Mann ruhiger Töne, auf die Palme brachte. Er kritisierte, dass sich die VfB-Profis auf dem Platz und vor allem dann, wenn es eng wird, „nicht verbal unterstützen und pushen“.

Der Trainer hat versucht, seine Spieler im Training zu reizen. Der Druck in den Übungseinheiten sei erhöht worden. Der 42-jährige Fußballlehrer will, wie er betonte, die Widerstandsfähigkeit seiner Profis stärken. Dabei gehe es im Wesentlichen um folgende Fragen. „Was passiert in einer schwierigen Situation? Wie gehe ich damit um? Bleibe ich groß, bleibe ich stark?“ Jeder einzelnen müsse mehr investieren. Was die Aufstellung für das Kiel-Match betrifft, will sich der Trainer nicht in die Karten schauen lassen. Es werde trotz der Niederlage bei Wehen-Wiesbaden nicht allzu viele Wechsel geben, ließ Matarazzo durchblicken. Gut möglich, dass Innenverteidiger Holger Badstuber am Sonntag in die Startelf rückt. In Wiesbaden hatte er noch Marcin Kaminski Platz machen müssen.

Sturmhoffnung Sasa Kalajdzic muss wohl nach schwerer Knieverletzung und langer Pause weiter auf sein Startelf-Debüt warten. „Er ist derzeit nicht in der Lage, länger als eine Halbzeit zu spielen“, sagte Trainer Matarazzo, der vor Gegner Kiel warnt. Holstein habe eine talentierte Mannschaft, die viele Ballverluste des Gegners provoziere, sich nicht verstecke und mitspiele.  Darauf müsse sich sein Team einstellen.

Fast 20 neue Spieler hatte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat vor dieser Spielzeit verpflichtet. Auf die Frage, ob man die Zusammenstellung des Kaders hinterfragen müsse, reagierte er zuletzt ausweichend. „Wenn dann am Ende des Tages rauskommt, dass wir nicht lernfähig sind auf diesen Positionen, dann können Sie die Frage gern noch mal stellen“, meinte der 47-Jährige.

Wenn man so will, rückt das Ende des Tages immer näher. Wie gesagt: Lediglich acht Spiele bleiben dem VfB noch, um eine außergewöhnliche und komplizierte Saison zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. (mit dpa)

HSV erwartet Spitzenreiter Bielefeld

Der Hamburger SV sucht als Zweiter Tuchfühlung zum Tabellenführer, Arminia Bielefeld kann sich wohl entscheidend absetzen. Das Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga zwischen dem HSV und dem Spitzenreiter aus Ostwestfalen (Sonntag, 13.30 Uhr/Sky) verspricht deutliche Hinweise in der Aufstiegsfrage.

Gelingt der Arminia (52 Punkte), der mit Abstand auswärtsstärksten Mannschaft der Liga, im Volksparkstadion der nächsten Dreier, kann sie den Champagner wohl schon einmal kaltstellen. Dann hätte Bielefeld bei sieben verbleibenden Spielen zehn Punkte Vorsprung auf den HSV (45).