Freitagabend, Fluchtlicht und ein bedeutsames Fußballspiel – daraus speist sich die Vorfreude auf Gänsehautmomente im Stadion. Bei Spielern und Fans. Der VfB Stuttgart vertraut dabei auch auf seine „Cannstatter“, wie der Sportdirektor Sven Mislintat die Kurve der Begeisterung gerne nennt. An diesem Freitag wird der Bundesligist gegen den FSV Mainz 05 viel davon benötigen, um die Punkte in Stuttgart zu behalten.

Doch der VfB braucht seine Anhänger nicht nur aus atmosphärischer Sicht. Der Klub kämpft ebenso um jeden einzelnen Zuschauer aus wirtschaftlichen Gründen. Seit März 2020 hat die Pandemie zu einem Umsatzverlust von 80 Millionen Euro geführt. Vor allem, weil die Ticketeinnahmen und alles, was damit zusammenhängt, fehlen. Die Hoffnung auf Besserung durch die zuletzt veränderte Landesverordnung währte dabei nicht lange. Ein volles Stadion gab es in Stuttgart bisher nicht. Jetzt geht in der Liga die Angst vor erneuten Geisterspielen um.

In Sachsen ist dieses Horrorszenario schon Realität. RB Leipzig muss als bisher einziger Klub seine nächsten Heimspiele ohne Fans austragen. Auch die Teams in Bayern erwarten Einschnitte. So darf der FC Bayern bis zum 15. Dezember nur noch vor maximal 25 Prozent der vollen Auslastung spielen. In der Champions League gegen den FC Barcelona werden demnach 19 000 Zuschauer zugelassen.

Dennoch warnt Hans-Joachim Watzke davor, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen, da die regionalen Unterschiede beachtlich seien. Eine Kollektivhaft dürfe es nicht geben, sagt der Dortmunder Geschäftsführer. Wohl auch, weil der BVB das Gipfeltreffen mit dem FC Bayern (4. Dezember) vor großem Publikum spielen will.

In Baden-Württemberg gilt bislang die 2-G-Regelung (Geimpfte und Genesene haben Zugang). Theoretisch könnten die Ränge gegen Mainz bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Praktisch hat der VfB 26 000 Eintrittskarten verkauft, und er würde gerne 35 000 Besucher begrüßen. Das wären deutlich mehr als die 26 152, die in den sechs bisherigen Heimspielen durchschnittlich da waren – aber auch weniger, als die Stuttgarter benötigen, um finanziell ohne weitere Einsparungen über die Runden zu kommen.

Doch nun drohen kurzfristig schärfe Coronaregeln – mit erneuten Kapazitätsbeschränkungen. Das treibt den Vorstand der VfB AG um. Weshalb die Stuttgarter daran arbeiten, dass ein Stadionerlebnis mittelfristig nicht als Teil des Problems angesehen wird. Obwohl der Blick in die Fußballarenen für Kritiker wie aus der Coronazeit gefallen scheint. Massen von Menschen stehen dicht an dicht, ohne Maske. Sie schreien, jubeln und zeigen keine Berührungsängste.

Dagegen steht die Überzeugung von Aerosolen-Experten, dass Großveranstaltungen unter freiem Himmel keine Pandemietreiber sind. Darauf stützt sich der VfB mit seinem Hygienekonzept. „Es ist mein dringender Wunsch, dass wir, wenn die aktuelle, akute Welle abgeebbt ist, in Bezug auf das weitere Vorgehen als Teil der Lösung wahrgenommen werden und unsere Erfahrungen einbringen können“, sagt Thomas Hitzlsperger. Der Vorstandsvorsitzende verfolgt dabei einen neuen Ansatz: „Es gibt in Baden-Württemberg die vom Innenministerium eingerichtete Stadionallianz mit allen großen Standorten und Partnern, die sehr hilfreich ist für den Austausch. Die sollten wir auch beim Thema Corona nutzen.“

Ursprünglich wurde die Stadionallianz aufgrund von zunehmend komplexeren Sicherheitsfragen geschmiedet. Ihr gehören das Landes-Innenministerium sowie neben dem VfB noch der SC Freiburg und die TSG Hoffenheim an. Bewährt hat sich die Zusammenarbeit seit 2017 bereits auf mehreren Ebenen. Im Sozialministerium hat der VfB seine Idee nun hinterlegt – um eine resistente Allianz gegen das Virus zu bilden.

Eden Hazard mit Corona infiziert


Borussia Dortmund muss bis auf Weiteres auf Thorgan Hazard verzichten. Der 28-Jährige wurde nach dem Duell mit dem VfB (2:1) positiv auf das Coronavirus getestet. Das gaben die Schwarz-Gelben am Montag bekannt. Hazard fehlt damit auch am Mittwoch im Champions-League-Spiel bei Sporting Lissabon. Der Offensivspieler habe nach Vereinsangaben weder am Montag noch am Sonntag Kontakt zur Mannschaft gehabt und sich sofort in häusliche Isolation begeben. Alle Mitglieder des BVB-Kaders sind zu 100 Prozent geimpft oder genesen, unterstrichen die Dortmunder. Weitere Quarantänemaßnahmen sind vor diesem Hintergrund „aktuell nicht erforderlich“.