In der Fußball-Bundesliga gab es schon diverse Trainer und Sportdirektoren, die die Jagd nach internationalen Trophäen wesentlich couragierter angegangen sind, als Pellegrino Matarazzo und Sven Mislintat dies derzeit tun. „Schau’n mer mal“, so lautet auch nach dem knappen 1:0-Sieg über Werder Bremen der knappe Tenor des Duos auf die Frage, ob der VfB denn den Kampf um die europäischen Plätze in den restlichen sieben Saisonspielen anzunehmen gedenke.

Vier Punkte beträgt der Rückstand des Aufsteigers auf die Plätze fünf und sechs, die höchstwahrscheinlich für einen Platz in der Europa League reichen. Von Rang sieben und der Qualifikation für die neu eingeführte Conference League trennt die Stuttgarter als Achte gar nur die um einen Treffer schlechtere Tordifferenz im Vergleich mit Union Berlin. Da die Cannstatter an den nächsten Spieltagen gegen den BVB sowie bei den Eisernen ran müssen, könnte sich die Lage im Erfolgsfall mit Blick auf Europa bald noch erfreulicher darstellen.

Doch Matarazzo drückt auf die Euphoriebremse: „Wir tun gut daran, weiter den Fokus allein auf unsere Leistung zu richten“, sagt der Trainer: „Am Ende werden wir dann sehen, wo wir landen.“ Vermutlich tut der VfB gut an dieser Haltung. Schließlich lieferte das Spiel gegen Bremen, für das der von Sasa Kalajdzic angeköpfte Ludwig Augustinsson ins eigene Netz traf, einige Hinweise darauf, dass ein Tanz auf drei Hochzeiten für die junge Stuttgarter Elf womöglich zu früh käme.

Denn in der Tat haben die Jungen Wilden 2.0 des VfB, die erstmals seit dreieinhalb Jahren nach den Siegen über Schalke (5:1) und Hoffenheim (2:0) drei Heimspiele in Serie gewannen, noch einige Entwicklungsschritte zu gehen. Das zeigte sich gegen die Hanseaten deutlich – und zwar vor allem an den Ausfällen der drei verletzten Stammkräfte Nicolas Gonzalez, Silas Wamangituka und Orel Mangala.

Weil Wataru Endo wie gewohnt für zwei ackerte und der etwas offensiver agierende Gonzalo Castro all seine Routine in die Waagschale warf, brannte beim VfB im defensiven Mittelfeld jedoch nicht allzu viel an.

Dem VfB-Coach bietet sich nach dem Erfolg bereits sieben Spiele vor Saisonschluss die Chance, sein Team mit Blick auf die neue Runde – in der Bundesliga – personell auszurichten. Zum Beispiel haben dadurch Tanguy Coulibaly, Mateo Klimowicz oder der im Spiel bei den Bayern in der Startelf aufgebotene Naouirou Ahamada noch zahlreiche Gelegenheiten, auf dem Weg zur Bundesliga-Reife dazuzulernen. Klar ist, dass der Kader des VfB in der neuen Spielzeit deutlich kleiner sein wird. 32 Profis wie bisher kann und will sich der Klub künftig nicht mehr leisten. Die Bewährungszeit bricht an.

Neuer Vertrag für Gonzalo Castro?


Kapitän Gonzalo Castro darf auf eine Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrags beim VfB Stuttgart hoffen. „Man sieht seine Wichtigkeit für die Mannschaft. Klar kann ich mir vorstellen, dass Gonzo noch ein Jahr bei uns bleibt“, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem 1:0 (0:0) gegen Bremen. dpa