Es ist erst zwölf Tage her, da machte Pellegrino Matarazzo einen glücklichen Eindruck mit Blick auf seine Bundesliga-Mannschaft. Das Trainingslager in Kitzbühel ging zu Ende, und der Chefcoach des VfB Stuttgart merkte an, dass er nicht viel zu mäkeln habe. Im Grunde gar nichts. Seither hat sich aber nicht nur die Verletzung von Chris Führich (Schlüsselbeinbruch) als schwer herausgestellt. Dennoch meinte Matarazzo noch vor dem Testspiel gegen den FC Barcelona: „Wir haben intensiv gearbeitet, die Mannschaft hat sehr gut mitgezogen. Wir sind ein gutes Stück weitergekommen und wollen die nächsten Tage nutzen, um optimal vorbereitet in den DFB-Pokal und in die Bundesliga zu starten.“ Die Umstände der 0:3-Niederlage gegen Barça lassen jedoch die Sorgen wachsen. Ein Überblick vor dem DFB-Pokal-Erstrundenspiel am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim Regionalligisten BFC Dynamo.

Corona Drei Coronafälle gibt es beim Bundesligisten VfB Stuttgart aktuell – und nur diese Spieler befinden sich in Quarantäne. Sasa Kalajdzic ist, wie berichtet, der Erste gewesen. Der Österreicher ließ seinen Namen veröffentlichen, weil gerade sein Fehlen zu Spekulationen geführt hätte. Der Stürmer wird immer wieder bei anderen Klubs gehandelt. Doch Sportdirektor Sven Mislintat wiederholt seit Wochen: „Uns liegt kein konkretes Angebot vor.“ Der Sportdirektor hat auch klargemacht, dass Kalajdzic nur zu einem extrem hohen Preis zu haben wäre. Deutlich über 30 Millionen Euro müssten es schon sein, ehe der 23-Jährige verkauft wird.

Zwei weitere positive Coronatests kamen kurz vor der Partie gegen den FC Barcelona dazu. Diese Spieler wollen ihre Namen jedoch nicht publik machen. Alle anderen Tests sind bisher negativ ausgefallen. Gegen den Weltklub nahm der VfB als Vorsichtsmaßnahme alle nicht zweifach geimpften Profis raus. Das führte zu einer Rumpfelf – und zu einer Vorstellung mit begrenzter Aussagekraft. Dennoch gewinnt Matarazzo eine positive Erkenntnis: „Mir war wichtig, dass wir als Gruppe funktioniert haben.“ Der Trainer bleibt gelassen. 

Verletzte Silas Katompa Mvumpa, Chris Führich, Orel Mangala, Momo Cissé und Lilian Egloff sind die länger verletzten Spieler beim VfB. Naouirou Ahamada und Clinton Mola zählen zu den Angeschlagenen. Wobei jetzt vor allem die Ausfälle von Mangala und Führich schmerzen. Der Belgier sollte mit Wataru Endo im Mittelfeld das Herzstück des Stuttgarter Spiels bilden. Der Neuzugang sollte über die Flügel für Schwung sorgen und somit helfen, den verletzten Silas Katompa Mvumpa sowie den zu Beginn der Vorbereitung abgewanderten Nicolas Gonzalez (AC Florenz) zu ersetzen.

Nimmt man noch den Corona-bedingt verhinderten Stürmer Kalajdzic dazu, stellt sich die Frage, wer beim VfB anfangs die Tore erzielen soll? Wer soll Stuttgart in die zweiten Pokalrunde schießen? Der erfahrene Hamadi Al Ghaddioui oder der junge Mohamed Sankoh? Aus dem Regionalliga-Team machte gegen Barça der schnelle Manuel Polster auf sich aufmerksam. Weshalb Sven Mislintat sagt: „Wir haben gesehen, dass wir aus dem Nachwuchsleistungszentrum noch zusätzliche Optionen haben.“

Der Sportdirektor wird deshalb vieles tun, aber nicht in Hektik auf dem Transfermarkt verfallen. Panikkäufe wird es bei den Stuttgartern nicht geben, eher einen Vorgriff auf die Zukunft. Enzo Millot von AS Monaco wird mit dem VfB in Verbindung gebracht, ein 19-jähriges Mittelfeldtalent aus Frankreich.

Aussichten Es gibt auch gute Nachrichten beim VfB: Florian Müller ist vom Olympiaturnier aus Japan, wo er mit der deutschen Mannschaft vorzeitig ausschied, zurück. Der Torhüter wurde als Nummer eins verpflichtet und muss nun allerdings schauen, dass er diesen Status behält. Denn Fabian Bredlow hat ihn stark vertreten. Nun hat der Trainer die Wahl zwischen zwei guten Schlussmännern. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Müller im Pokalspiel zwischen den Pfosten steht, denn es ist die letzte Gelegenheit, sich mit der Abwehr einzuspielen. Und wenn alles normal läuft, wird diese in Berlin aus Waldemar Anton, Konstantinos Mavropanos und Marc Kempf bestehen – den drei kräftigen Jungs aus der Vorsaison.

Zwar ist Anton angeschlagen und Kempf potenziell noch immer ein Abwanderungskandidat, aber trotz der angespannten Coronalage steht dem VfB gemäß den Hygieneregeln 22 Spieler zur Verfügung. Darunter Atakan Karazor und Pascal Stenzel, die in der Defensive viele Positionen einnehmen können. Noch fehlt der Chef auf dem Platz: Wataru Endo. Der kampfstarke Japaner steht mit der Olympia-Auswahl im Halbfinale, wird erst in den Tagen vor dem Bundesligastart gegen die SpVgg Greuther Fürth zurückerwartet. Pellegrino Matarazzo richtet den Blick nach vorne – auf die ersten Pflichtspiele. Zuletzt musste der VfB-Trainer aber mehr improvisieren, als ihm lieb sein kann.

Aufsteiger Führt kommt


Der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga war für die SpVgg Greuther Fürth, Auftaktgegner des VfB am 14. August (15.30 Uhr) in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena, „überlebenswichtig“, wie Sportdirektor Rachid Azzouzi im „Kicker“ sagte: „Durch Corona wäre ein weiteres Jahr zweite Liga finanziell ein Kraftakt geworden.“ In der Bundesliga wollen den Franken mit einem Mini-Etat von „etwa 16 Millionen Euro“ mithalten.

Der frühere VfB-Leihspieler Josip Brekalo (23) will den VfL Wolfsburg mit aller Macht verlassen. Den Kroaten, der in der vergangenen Saison sieben Tore erzielt hatte und beim VfL bis 2023 unter Vertrag steht, zieht es angeblich zum FC Turin, bei dem sein Landsmann Ivan Juric Trainer ist.