Die Pressekonferenz bog schon auf die Zielgerade ein, als Pellegrino Matarazzo vor versammelter Runde eine Seite nach außen kehrte, die weite Teile der Öffentlichkeit so noch nicht von ihm kannte. Da sprach plötzlich nicht mehr der nett lächelnde US-Amerikaner mit sanftem Akzent über Diagonalbälle und vertikales Spiel. Sondern ein angefressener Fußballtrainer, dessen Geduld mit einigen Spielern sich langsam dem Ende entgegen neigt.

Matarazzo berichtete von „emotionalen Ansprachen, wo mein Kopf rot wird“. Eine solche gab es wohl nach der Nullnummer vom vergangenen Wochenende in Fürth. Vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) machte der 44-Jährige deutlich, dass er einen solchen Auftritt angesichts der sich zuspitzenden Lage im Tabellenkeller kein zweites Mal dulden wird.

Zumindest nicht von einigen Spielern. „Die einen haben verstanden, worum es geht, und rufen ihre Leistung ab“, sagte VfB-Coach Matarazzo. Und führte aus: „Dann gibt es die Gruppe, die haben verstanden, worum es geht, können ihre Leistung aus diversen Gründen aber nicht abrufen. Und dann gibt es die Kategorie, bei der man es einfach nicht akzeptieren kann.“

Das saß. Hatten der Trainer wie auch Sportchef Sven Mislintat – zumindest nach außen – doch stets schützend die Hand über die Mannschaft gehalten, waren die Leistungen auch noch so dürftig. Damit war nun Schluss. „Wir brauchen elf Spieler, die marschieren. Das war in Fürth nicht der Fall. Von einigen war es nicht energetisch, nicht leidenschaftlich genug“, legte Matarazzo nach und schloss mit folgender Ansage: „Wer das nicht bringt, der kann auch nicht auf dem Platz stehen.“

Namen nannte Matarazzo keine. Doch dürfte auch so klar sein, wer angesprochen war. Roberto Massimo zum Beispiel. Kritik an seinem Flügelspieler verpackte der Trainer wie folgt: „Wir dürfen uns nicht nur auf die linke Seite verlassen, um mehr Torgefahr zu erzeugen. Die rechte Seite darf auch mutiger sein. Wenn wir zu einseitig werden, wird es für den Gegner zu einfach.“

Tatsächlich ist das Stuttgarter Spiel über die Saison hinweg sehr linkslastig. 341 Vorstößen über links stehen 245 über rechts entgegen. 282 Angriffe wurden über die Mitte vorgetragen. Trotz der Flankenstärke von Borna Sosa ein zu berechenbares Prinzip.

Auch Philipp Förster dürfte sich von der Trainerschelte angesprochen fühlen. Meist ein Vorbild in Sachen Lauf- und Einsatzbereitschaft, sah in Fürth vieles bei ihm nach Dienst nach Vorschrift aus. Zu wenig angesichts Tabellenplatz 15 – auch gegen den Tabellenletzten. Tanguy Coulibaly und Marc Kempf hatten gegen die Franken gar nicht erst auf dem Platz gestanden. Der abwanderungswillige Abwehrspieler (Hertha BSC) zählt zu den Kandidaten, die „Klartext“ (Matarazzo) zu hören bekamen. Immerhin, ergänzte Matarazzo, „es gab nach den Einzelgesprächen eine gute Reaktion“.

Unklar blieb, wo genau die Abgrenzung zwischen der Gruppe „fehlende Leidenschaft“ und der Gruppe „Haben es verstanden, können es nur nicht umsetzen“ verläuft. Etwa bei Tanguy Coulibaly. Namentlich in letztere Gruppe ordnete der Trainer nur Sasa Kalajdzic und Chris Führich ein. Bei seinem lange verletzten Torjäger lässt Matarazzo mildernde Umstände walten. Nur logisch, dass nach einem halben Jahr Verletzungspause bei Kalajdzic noch nicht alles rund laufen kann. Bei Führich machte der Trainer dessen zurückliegende Coronainfektion geltend. „Man sieht, dass er noch nicht bei vollen Kräften ist.“

Vor dem 19. Spieltag machte der 44-Jährige deutlich, dass zumindest er den Ernst der Lage begriffen hat. Und nicht immer nur alles schönredet, wie von Teilen der Fans kritisiert wird. Gegen Leipzig kündigte Matarazzo eine andere Ein- und Aufstellung an. Und bemühte dazu eine vierte Kategorie von Spielern: die der Unbekümmerten. Dazu zählen die in Fürth spät eingewechselten Alexis Tibidi, Lilian Egloff und Ömer Beyaz. Mit ihnen kam gegen Ende Schwung ins lahmende Angriffsspiel. Matarazzo bescheinigte dem Trio einen „intensiven Auftritt. Sie haben sich für mehr Spielzeit qualifiziert.“

Andere werden sich das Geschehen von der Bank oder der Tribüne ansehen. Und Matarazzo im Training überzeugen müssen, dass auch sie den Ernst der Lage endlich begriffen haben.

Klement geht vorläufig zurück nach Paderborn


Offensivmann Philipp Klement wird vom VfB bis zum Saisonende an den Zweitligisten SC Paderborn ausgeliehen. Das gaben die beiden Klubs bekannt. Der 29-Jährige war im Sommer 2019 von den Ostwestfalen nach Stuttgart gewechselt. In der laufenden Saison spielte er so gut wie keine Rolle beim VfB und kam nur zu sechs Liga-Einsätzen. Klements Vertrag in Stuttgart gilt noch bis Juni 2023.