Pellegrino Matarazzo hat schon längere Serien ohne Sieg als derzeit durchgemacht, seitdem er Trainer des VfB Stuttgart ist. Vor gut einem halben Jahr blieb seine Mannschaft einmal neun Spiele in Folge ohne Dreier – von Dezember 2021 bis Februar 2022 dauerte die Durststrecke, ehe im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach Anfang März der Knoten platzte. Das Unangenehme an der jetzigen Serie mit sechs sieglosen Partien aber ist, dass sie ganz am Anfang der Saison steht und das Glücksgefühl eines Erfolges in dieser Spielzeit vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) noch völlig fehlt.

Wie selten das zu diesem Zeitpunkt vorkommt, zeigt der Blick zurück: Noch nie zuvor seit Beginn der Bundesliga im Jahr 1963 war der VfB nach den ersten sechs Spieltagen sieglos, auch in den vier Jahren in der zweiten Bundesliga nicht. Fünfmal dauerte das Warten bis zu besagtem sechstem Spieltag – jeweils in den vergangenen 20 Jahren zwischen 2002 und 2018. Vor der Jahrtausendwende gab es den ersten Erfolg meistens schon an einem der ersten beiden Spieltage: insgesamt 29-mal.

Nun ist es zugleich auch so, dass die bisher gezeigten Leistungen durchaus positive Ansatzpunkte geliefert haben und damit nicht wirklich zu dem statistischen Negativwert passen. Klar, im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 war reichlich Luft nach oben. In vielen anderen Partien aber hätten die Spielverläufe und Auftritte der Mannschaft auch Siege hergegeben. Insbesondere in den beiden Auswärtsspielen gegen Werder Bremen (2:2) und den 1. FC Köln (0:0). Und: Verloren hat der VfB eben auch erst einmal, der Dreier war bei den vielen Unentschieden meistens bis in die Schlussphase greifbar.

Trainer Pellegrino Matarazzo wehrt sich deshalb dagegen, die Sieglos-Serie als eine solche zu betrachten: „Für mich geht es immer darum, Spieltag für Spieltag zu sehen“, sagt der VfB-Coach. Und der jüngste Punktgewinn beim FC Bayern (2:2) stimme ihn zuversichtlich für die kommenden Wochen: „Wir wollen im Heimspiel gegen Frankfurt an diese Leistung anknüpfen.“ Dass es Zeit für den ersten Dreier wird, stellt Matarazzo nicht infrage: „Mit unseren Zuschauern wollen den ersten Sieg einfahren. Danach können wir sprechen.“

Auf schwere Beine der Frankfurter nach dem kräftezehrenden 1:0-Auswärtserfolg bei Olympique Marseille in der Champions League unter der Woche will sich Matarazzo dabei nicht verlassen: „Sie haben Körner gelassen, der Sieg kann aber auch Energie freisetzen.“ Er stelle sich und die Mannschaft deshalb auf eine intensive Spielweise der Frankfurter ein. An der Unterstützung von den Rängen wird es jedenfalls nicht mangeln: Das Spiel in der Baustelle Mercedes-Benz-Arena ist mit 47 500 Zuschauern erneut ausverkauft. Weiterhin verzichten muss der VfB auf Rechtsaußen Josha Vagnoman (Knochenödem). Gut möglich, dass Chris Führich seine Position auf der rechten Seite wie schon vergangene Woche beim FC Bayern einnimmt.

Wechselhafte Eintracht

Mit Eintracht Frankfurt gastiert am Samstag ein offensivstarkes Team in Stuttgart, das bislang die fünftmeisten Tore (11) in der Liga erzielt hat. „Sie haben viel Wucht und Power“, sagt VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo, „das ist eine sehr starke Mannschaft, die zu Recht in der Champions League spielt.“ Dabei spielt die Eintracht Frankfurt bislang eine eher wechselhafte Saison. Einem starken 4:1 gegen RB Leipzig folgte in der Liga das 0:1 zuhause gegen den VfL Wolfsburg.

Nun also gewann die Eintracht unter der Woche ihr erstes Spiel in der Champions League. „Der Sieg in Marseille hat uns gut getan“, sagt Cheftrainer Oliver Glasner vor der Partie beim VfB Stuttgart. Glasner muss auf den italienische Defensivspieler Luca Pellegrini verzichten. Der Abwehrchef Makoto Hasebe und Mittelfeldmann Kristijan Jakic können dafür wohl auflaufen Mit dabei ist auch Kapitän Sebastian Rode. Für 90 Minuten wird es für ihn aber nicht reichen. Rode war nach gegen Olympique nach einer Muskelverletzung erst wieder zurückgekehrt.

VfB-Chef Wehrle räumt Fehler ein


VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle hat nach der Einbindung der drei Ex-Profis Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner Selbstkritik geübt. „Es wäre sicher besser gewesen“, den Sportdirektor Sven Mislintat und den beim Fußball-Bundesligisten für die Sportorganisation zuständigen Markus Rüdt frühzeitig einzubeziehen. Das sei aber besprochen „und mit Sven ausgeräumt“, sagte Wehrle in einer Mitteilung des Vereins.

Gespräche über eine Verlängerung von Mislintats Vertrag, der nach dieser Saison ausläuft, sollen Mitte November aufgenommen werden.