Die letzte Hoffnung kam wenige Minuten vor Schluss ins Spiel. 1,87 Meter groß, 82 Kilogramm schwer und mit der Rückennummer neun auf dem Trikot. Serhou Guirassy stürmte mit dem festen Willen auf den Platz, in dieser verfahrenen Partie noch etwas zu reißen. Sechs Ballaktionen später hatte aber auch die Last-Minute-Verpflichtung des VfB Stuttgart nichts Zählbares mehr bewirkt. Wie zuvor sein ebenfalls eingewechselter Angriffskollege Tiago Tomas. Der Portugiese blieb harmlos – wie der gesamte VfB-Sturm beim 1:1 (1:1) gegen den FC Schalke 04.

Vier Tore haben die Stuttgarter in den bislang fünf Bundesligaspielen erzielt. Das ist nicht viel, und wenn man es gut mit der Mannschaft von Chefcoach Pellegrino Matarazzo meint, dann lässt sich sagen: Die Treffer verteilen sich immerhin auf vier Torschützen – was dafür spricht, dass die VfB-Elf nicht am Erfolgstropf eines Mannes hängt. Das haben Trainer gern. Es gehört jedoch zum Gesamtbild, dass es erst ein Stürmertor zu verzeichnen gibt.

Silas Katompa hat es in Bremen erzielt. Dazu kommen noch die Mittelfeldspieler Naouirou Ahamada (beim 1:1 gegen RB Leipzig), Wataru Endo (ebenfalls beim 2:2 in Bremen) und jetzt Chris Führich gegen Schalke (18.). Das ergibt nach der Nullnummer in Köln und der 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg zunächst einmal vier Punkte – eine Ausbeute, die den VfB immer nahe an einen Fehlstart rückt und ihn weit weg von einem Traumstart bringt. 

Gegen die Gäste aus Gelsenkirchen lieferten die Stuttgarter ihr bislang schlechtestes Saisonspiel ab. Trotz Führung und trotz eines Gegners, der nach der 1:6-Schlappe gegen Union Berlin mit wenig Selbstvertrauen in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena antrat. Nach dem schnellen Ausgleich durch den früheren VfB-Torjäger Simon Terodde (21.) schafften es die Schalker jedoch mehr und mehr, die Gastgeber auf ihr fußballerisches Niveau herunterzuziehen.

„Wir hatten eine ordentliche Anfangsphase und ein ordentliches Verhalten in Unterzahl“, sagt Matarazzo, „alles andere war nicht ausreichend.“ Weil sein Team außer Kampf fast nur Krampf zu bieten hatte. Den Angriffsaktionen fehlte jede Leichtigkeit. Schon vor der Gelb-Roten Karte für Josha Vagnoman (67.). Ohne Tempo und ohne Spielwitz war selbst der behäbigen Defensive in Königsblau nicht beizukommen.

„Die Offensive hat nicht stattgefunden“, sagt Matarazzo, der aufgrund einer Sperre das Geschehen von der Tribüne aus verfolgte. Mit einem Gefühl der Machtlosigkeit beobachtete er von oben, wie die Angriffe oft schon im Ansatz steckenblieben, da sich die Fehlpässe häuften.

Die Anstrengungen auf dem Feld waren erkennbar. Und die Stuttgarter verfügen im Vergleich zum Vorjahr über die nötige Fitness und Personalauswahl, um Spiele zu gewinnen. Theoretisch. Praktisch wartet der VfB ja weiter auf seinen ersten Saisonsieg. Gegen den Aufsteiger sollte es nun im Heimspiel so weit sein. Doch es war für die Fans anstrengend, die zähen Bemühungen ihrer Lieblinge zu ertragen.

So wächst rund um den VfB die Sehnsucht nach einem Knipser – einem Spieler, der aus wenig viel machen kann. Wie es Sasa Kalajdzic in seinen besten Phasen war, als er zum Beispiel im vergangenen Mai das Tor zum 2:2-Endstand beim FC Bayern erzielte – Voraussetzung um eine Woche später spektakulär den Klassenverbleib inklusive Kalajdzic-Tor direkt zu sichern. Jetzt geht es am Samstag wieder nach München. Ohne Kalajdzic, der zuletzt aber auch nicht traf und nach seinem Wechsel nach Wolverhampton Geschichte ist. Die Gegenwart im Sturmzentrum heißt Guirassy. Oder Luca Pfeiffer, wenn seine Sperre abgelaufen ist. „Wir sind konkurrenzfähig, wenn wir Gas geben und ans Limit gehen“, sagt Matarazzo –  aber auch nur dann.

Kalajdzic im ersten Premier-League-Spiel verletzt


Ausgerechnet Simon Terodde: Der Schalker Kapitän erzielte beim 1:1 in Stuttgart sein erstes Bundesliga-Tor seit 1044 Tagen. Zuletzt hatte der frühere VfB-Stürmer im Oberhaus am 25. Oktober 2019 getroffen – damals für den 1. FC Köln gegen Mainz 05.

Für Trainer Pellegrino Matarazzo vom VfB Stuttgart war es kein angenehmer Samstag. „Es war ungewöhnlich, nicht schön und auch stressig, weil man keinen Einfluss nehmen kann“, sagte der Coach nach Spiel gegen Schalke 04, das er von der Tribüne aus verfolgt hatte.

Was für ein Pech für Sasa Kalajdzic! Der frühere VfB-Stürmer stand nach nur einer Trainingseinheit in der Startelf der Wolverhampton Wanderers gegen den FC Southampton (1:0) in der englischen Premier League. Allerdings verletzte er sich am Knie, musste in der Pause ausgewechselt werden. Wie lange er ausfällt, werden die Untersuchungen an diesem Montag zeigen.