Auf der Zielgeraden der Transferperiode hat sich beim VfB Stuttgart viel getan: In Serhou Guirassy ist ein Hoffnungsträger für den Angriff zum Team gestoßen, mehrere Reservisten haben den Verein dagegen leihweise verlassen. Unter dem Strich bleibt ein Kader mit Potenzial.

Tor: Florian Müller ist als Nummer eins gesetzt – und befindet sich seit Wochen in aufsteigender Form. Vor allem auf der Linie glänzte er zuletzt immer wieder mit starken Paraden, die dem VfB die beiden Unentschieden gegen RB Leipzig (1:1) und am vergangenen Sonntag beim 1. FC Köln (0:0) sicherten. Aber: Die Strafraumbeherrschung bleibt ein Manko. Fabian Bredlow und Florian Schock reihen sich in der Hierarchie dahinter ein, mittelfristig dürfte Toptalent Dennis Seimen (16) eine Rolle spielen.

Defensive: In der Dreierkette sind die Stammplätze an Abwehrchef Waldemar Anton und seine Nebenleute Konstantinos Mavropanos (rechts) und Hiroki Ito (links) vergeben. Das Trio liefert einen Mix aus Robustheit in den Zweikämpfen und Ballgewandtheit bei Itos Spieleröffnung – und stabilisiert die Defensive. Clinton Mola hat den Verein in Richtung Blackburn Rovers verlassen. „Das war die schwierigste Entscheidung dieser Wechselperiode“, sagt auch Trainer Pellegrino Matarazzo und räumt ein. „Damit gehen wir ein Stück weit ein Risiko ein, das ist klar.“ Sollte einer der drei etatmäßigen Verteidiger ausfallen, stünde lediglich noch Pascal Stenzel als gelernter Defensivspieler bereit – Antonis Aidonis ist zwar Teil des Profikaders, hat aber kaum Aussichten auf Einsätze. Gut möglich also, dass Matarazzo im Saisonverlauf improvisieren muss und Mittelfeldspieler nach hinten zieht.

Auf den Außenpositionen bringen der Kroate Borna Sosa mit seinem Vorwärtsdrang auf links und der Ex-HSVler Josha Vagnoman mit seiner defensiven Abgeklärtheit auf rechts unterschiedliche Stärken ins VfB-Spiel. Diese Asymmetrie im Spiel bliebe auch bei einem Einsatz der Ersatzkandidaten Tanguy Coulibaly (links) und Pascal Stenzel (rechts) bestehen.

Mittelfeld: Alles kreist um Leitwolf Wataru Endo, der vor der Abwehr die Bälle erobert und verteilt. Ersetzen kann ihn am ehesten Atakan Karazor. Vor Endo ergänzen sich Chris Führich und Naouirou Ahamada in den Halbräumen: Führich stößt nach vorne, Ahamada sichert den Raum dahinter. In der zweiten Reihe gibt es talentierte Youngster: der physisch starke Nikolas Nartey, der ballgewandte Enzo Millot, der hoch veranlagte Lilian Egloff – und Jugendspieler Laurin Ulrich (17). Zusammen haben die vier aber gerade mal 18 Bundesliga-Spiele absolviert.

Angriff: Kurz vor Transferschluss kam er doch noch, der Ersatz für Sasa Kalajdzic: Serhou Guirassy verfügt über ein ähnlich gutes Kopfballspiel wie der Österreicher, ist aber auch fußballerisch beschlagen. „Wir hatten ihn schon länger auf der Liste“, sagt Matarazzo, „er wird unsere Mannschaft top ergänzen.“ Da Borna Sosa den VfB doch nicht verlassen hat, wird der schnelle Silas Katompa wohl wieder öfter von der Außenbahn nach vorne in die Doppelspitze rücken. Dahinter gibt es ein Überangebot im Sturm mit Luca Pfeiffer, dem Wühler Juan Perea und dem lange gesetzten Tiago Tomas. Sicher scheint: Es wird mehrere Schultern brauchen, um den Kalajdzic-Abgang im Kollektiv aufzufangen.

Prognose: Der VfB verfügt über einen konkurrenzfähigen und vielseitig besetzten Kader, dem an machen Stellen die Tiefe fehlt. Wenn die Mannschaft von übermäßig vielen Ausfällen verschont bleibt, landet sie im gesicherten Mittelfeld.

Heimspiel gegen Schalke ausverkauft


Nach vier Spieltagen wartet der VfB noch immer auf den ersten Sieg. An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) geht es gegen den FC Schalke. Mit einem Dreier würde sich der VfB im Mittelfeld festsetzen. Allerdings warnt Pellegrino Matarazzo davor, den ebenfalls sieglosen Drittletzten zu unterschätzen. Die 1:6-Heimpleite zuletzt gegen Union Berlin sei kein Maßstab. „Da war der Gegner brutal effizient“, sagt der VfB-Coach. Trotz eines in der Partie beim 1. FC Köln erlittenen Nasenbeinbruchs steht Atakan Karazor zur Verfügung, er wird am Montag operiert.

Das Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FC Schalke ist mit 47 500 Zuschauern ausverkauft. Stürmer Sasa Kalajdzic hat sich nach seinem Wechsel zu den Wolverhampton Wanderers in einem längeren Telefonat von Pellegrino Matarazzo verabschiedet: „Es war ein emotionaler Abschluss“, berichtete der VfB-Trainer.