Am Freitagabend hat die 60. Saison der Fußball-Bundesliga begonnen. Der VfB Stuttgart ist zum 56. Mal dabei und startet am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) gegen RB Leipzig. Alles Routine also? Alles wie gewohnt? Alles schon mal gesehen? Ja – und Nein! Denn der VfB Stuttgart präsentiert sich zur Saison 2022/2023 zwar nicht runderneuert, doch aber anders als im Jahr zuvor. Also: neue Runde, neuer VfB? Wir haben nachgeschaut.

Neue Gesichter: Den Fans des VfB wird es recht leicht gemacht beim ersten Ligaauftritt dieser Saison. Josha Vagnoman trägt die Nummer vier, ist groß und kräftig gebaut und wird auf der rechten Seite mal offensiv agieren und meist defensiv gefordert sein. Der Ex-Hamburger ist mutmaßlich der einzige Neuzugang in der Startformation. „Seine Physis tut uns gut“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo. Juan José Perea (PAS Giannina) erweitert mit Luca Pfeiffer (FC Mydtjylland) die Optionen in der Stuttgarter Offensive. Das gilt zudem für Rückkehrer Darko Churlinov (FC Schalke 04). „Wenn nichts mehr passiert, gehen wir mit einer sehr starken Mannschaft in die neue Saison“, sagte Alexander Wehrle bereits im Trainingslager – seitdem hat nur Orel Mangala den Klub verlassen.

Neue Herangehensweise: Die Message zum Saisonstart lautet: Um jeden einzelnen Zähler muss mit dem vollen Einsatz gekämpft werden. „Die neue Saison beginnt von Anfang an mit einer anderen Haltung, wir wollen von Anfang an den Druck hochhalten“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo und ergänzt: „Jeder Punkt, jedes Tor ist wichtig.“ Was der Coach zudem einfordert: Ein anderes Fitnesslevel und in der Folge eine deutlich verbesserte Laufleistung seiner Mannschaft. Entsprechend intensiv war die Vorbereitung auf die neue Saison.

Neue Stabilität: Zwar kam der VfB auch durch die nun zu Ende gehende Vorbereitung nicht ohne Verletzungspech (Nikolas Nartey). Längere Ausfälle von Stammkräften gibt es aktuell aber keine, lediglich Borna Sosa (Adduktorenprobleme) und Atakan Karazor (Untersuchungshaft) fehlten mehrere Wochen lang. In Silas Katompa Mvumpa ist ein Schlüsselspieler nach Knie- und Schulter-OPs der Saison 2020/2021 wieder komplett fit.

Neue Umgebung: Der VfB bestreitet seine Heimspiele in den kommenden eineinhalb Jahren auf einer Baustelle. Die Arena wird für die EM 2024 modernisiert. Derzeit fehlt der untere Rang der Haupttribüne. Die Kapazität der Mercedes-Benz-Arena sinkt damit vorübergehend auf 48 200 Zuschauer.

Offene Fragen: In vielen Bereichen scheint der VfB Stuttgart besser gerüstet für den Ligastart als in der vergangenen Saison. Ungeklärte Fragen gibt es dennoch. Der Transfermarkt etwa hat noch bis Anfang September geöffnet. Gut möglich, dass das Topduo Borna Sosa und Sasa Kalajdzic den Klub noch verlässt. Dann muss entschieden werden, ob kurzfristig Ersatz verpflichtet wird. Zudem muss der Sportdirektor Sven Mislintat weiter versuchen, den Kader zu verkleinern. Auch offen ist, wie der Fall Atakan Karazor ausgeht. Gegen den Mittelfeldspieler laufen nach wie vor Ermittlungen wegen eines vermeintlichen Sexualdelikts. Damit steht auch in den Sternen, wann er nach über sechs Wochen Untersuchungshaft wieder eine sportliche Alternative sein wird.

Wachsende Sorge wegen mangelnder Chancengleichheit


Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende des VfB, hofft auf ein Ende der Langeweile im Meisterschaftskampf der Fußball-Bundesliga: „Für den deutschen Fußball ist es wichtig, dass wir eine möglichst ausgeglichene Liga haben, ohne den FC Bayern als Serienmeister. Wenn die Ergebnisse vorhersehbar werden, sehe ich die Gefahr, dass wir auf Dauer nicht mehr so viele Menschen für unseren Sport begeistern können.“ Eine größere Chancengleichheit in der Bundesliga ließe sich nach Wehrles Ansicht durch eine Umverteilung der TV-Gelder aus den internationalen Wettbewerben erreichen.

„Alleine der Sieger der Königsklasse nimmt 130 Millionen Euro ein. Das ist unser kompletter Umsatz für ein Jahr, so bewegt sich ein Champions-League-Teilnehmer in einer völlig anderen Dimension“, sagte Wehrle. „Dem Wettbewerb in der Liga tut diese Entwicklung nicht gut. etwas in dem System läuft falsch.“